Barbara Otte-Kinast
Anne-Maria Revermann | am

Otte-Kinast fleht um Unterstützung

Schlachthofschließung: Bei einer Debatte im niedersächsischen Landtag fleht Barbara Otte-Kinast die Fraktionen um Hilfe an.

"Mich erreichen Anrufe von verzweifelten Männern und Frauen, die sagen: Ich muss meine Schweine töten, ich weiß nicht weiter, ich bringe mich selbst um. Und ich wäre froh, wenn ich ihnen sagen könnte, das Schlimmste sei bereits überstanden. Das kann ich aber nicht.", sagt Barbara Otte-Kinast unter Tränen bei der Debatte im niedersächsischen Landtag am Donnerstag (8. Oktober). Und fleht die Fraktionen um Mithilfe und Unterstützung an.

Gestern ist bekannt geworden, dass der Schlachthof Weidemark im Landkreis Emsland ab Freitag für mehr als drei Wochen schließen soll. Vion in Emstek, Landkreis Cloppenburg, habe nach Angaben der Ministerin den Schlachtbetrieb bislang eingeschränkt, eine Schließung sei aber dennoch nicht auszuschließen.

Miriam Staudte will sofortige Schlachthof-Schließung

Barbara Otte-Kinast betont in ihrer emotionalen Rede, was das für die Schweinehalter in Niedersachsen bedeutet: Etwa 120.000 Schlachtungen würden pro Woche mit der Schließung beider Schlachthöfe in Niedersachsen wegfallen. 40 % der gesamten Schlachtkapazität in Niedersachen entfalle auf diese beiden Schlachthöfe.

Gemeinsam mit den anderen Bundesländern werden Lösungen gesucht. "Aber alle großen Schlachthöfe in Deutschland haben ihre Schlachtkapazitäten aufgrund von Corona reduziert", erklärt Barbara Otte-Kinast. Die Verzweifelung der Schweinehalter sei sehr groß. In den nächsten Wochen erwarte sie ein großes Tierschutzproblem in den Ställen.

Nach der Rede von Otte-Kinast kritisierte Miriam Staudte, stellvertretende Vorsitzende und Agrarsprecherin von Bündnis 90 - Die Grünen, dass der Schlachthof Sögel erst ab Freitag geschlossen werde. "Wir müssen Menschen schützen", so die Grünen-Politikerin. Aus den restlichen Fraktionen wurde Staudte für diese Äußerung stark kritisiert. "In Sachen Schlachthof versagt die Landesregierung Niedersachsen auf ganzer Länge", so Miriam Staudte.

Ferkelerzeuger müssen Produktion drosseln

Barbara Otte-Kinast bittet Ferkelerzeuger, ihre Produktion zu drosseln. Um für etwas Entlastung zu sorgen, führt die Ministerin Gespräche mit dem Gesundheitsministerium, um Arbeitszeiten flexibler zu gestalten. Konkret gehe es dabei um die Möglichkeit einer vorübergehenden Ausnahmegenehmigung für Sonn- und Feiertagsarbeit in den Schlachthöfen.

Wir werden übervolle Ställe bekommen

„Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass jeden Tag neue Ferkel geboren werden und gleichzeitig die benötigten Schlachtkapazitäten nicht annähernd zur Verfügung stehen. Die Dramatik dieser Situation wird kontinuierlich weiter zu anwachsen. Wir werden übervolle Ställe bekommen und damit erhebliche Tierschutzprobleme“, sagt Helmut Dammann-Tamke, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender, nach der Rede von Barbara Otte-Kinast.
 
„Unsere Schweinhalter stehen unter enormen Druck. Neben den wirtschaftlichen Einbußen ist es besonders eine emotionale Belastung. Für die Landwirte, ihre Mitarbeiter sowie für die dahinterstehenden Familien. Wir schauen im Moment einer Situation entgegen, in der wir in einen schwierigen Abwägungsprozess gelangen werden. Schwerwiegende Tierschutzsituationen in den Betrieben hinzunehmen, oder Tiere ohne eine Verwertung als Lebensmittel zu töten und zu entsorgen“, so Dammann-Tamke.

Barbara Otte-Kinast zur Notlage der Schweinehalter

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