Artland-Pfinstbrauch
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Pfingsten: Auch mal Zeit, dankbar zu sein

Moin liebe Leserinnen und Leser, in meiner Heimat, dem bezaubernden Artland im Landkreis Osnabrück, werden zu Pfingsten junge Birken, die sogenannten Pfingststräucher, rechts und links der Hoftore aufgestellt. Das ist seit Ewigkeiten Tradition.

Warum das aber so ist – und schon immer so war –, musste ich erst einen ansässigen Heimatforscher fragen. Er erklärte mir, dass es im Alten Testament heißt "Schmückt das Fest mit Maien".

Außerdem heißt es im Pfingstlied: "Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen, zündet Opfer an; denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen, machet ihm die Bahn. Nehmt ihn ein, so wird sein Schein euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kummer stillen."

Erinnerung an Kindertage

An diese schönen Zeilen haben wir – vor allem als Kinder – aber nie gedacht. Für uns war es schlicht und ergreifend ein Riesenspaß, mit in den Wald zu fahren, junge Birken auszusuchen, zu fällen und diese dann am Hoftor anzubringen. Als wir älter wurden, ließ der Spaß doch einigermaßen nach, da wir meistens in der Nacht schon gefeiert hatten – da fiel das Aufstehen, um Sträucher zu holen, erheblich schwerer als zu Kindertagen.

Bräuche der Heimat

Heute freue ich mich wieder, wenn ich nach Hause in die alte Heimat komme und die Pfingststräucher am Dielentor sehe. Denn in der Regel ist das auch die Zeit, in der die Schwalben ihren Nachwuchs versorgen, sodass in der Diele, in der einige Nester hängen, ein Riesengeschrei und Gewusel herrscht.
 

Im Sekundentakt fliegen die Elternvögel durch die Fenster und Tore, um ihre Jungvögel zu versorgen. Dieses emsige Treiben könnte ich mir stundenlang anschauen und es ist außerdem ein gutes Zeichen! Denn wie heißt es so schön: Wo Schwalben nisten, da wohnt das Glück!

Ein Zeichen für Glück

Es gibt in dieser Zeit des Jahres aber noch etwas, das viele von uns glücklich macht: Spargel! Dieses leckere Gemüse ist für mich – und bestimmt auch für Sie, liebe Leserinnen und Leser – ein sicheres Zeichen dafür, dass die warme Zeit des Jahres anbricht:

Spargel, besonders von niedersächsischen Flächen, mit Kartoffeln, Sauce Hollandaise, Schinken oder Schnitzel ist einfach lecker und zeigt, was die Landwirtinnen und Landwirte hierzulande Wertvolles leisten: Sie versorgen uns alle mit leckeren Nahrungsmitteln, wie Spargel, Kartoffeln oder Schinken, aber auch mit Milch, Käse, Brot, Äpfel oder Möhren.

Konstanten im Leben sind wichtig

Die Pfingststräucher, die Schwalben und der Spargel rufen mir aber auch in Erinnerung, dass das Leben auf den Höfen nach wie vor von den Jahreszeiten und der Natur bestimmt wird.

Das ist eine Konstante, für die ich in dieser Zeit, in der sich so vieles so schnell ändert, dankbar bin. Denn auch im nächsten Jahr werden wieder Pfingststräucher neben unserem Dielentor aufgestellt. Schwalben fliegen zwischen ihnen durch, um ihren Nachwuchs zu versorgen und wir werden Spargel genießen dürfen.

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