Bauerndemo Hannover
Christel Grommel | am

Nach den Protesten - wie geht es weiter in der Landwirtschaft?

In den vergangenen Wochen haben Landwirte mit zahlreichen Protesten erfolgreich auf ihre Anliegen aufmerksam gemacht. Die Probleme sind vielfältig und komplex, die Lösungsansätze teilweise sehr schwierig.

Grüne Kreuze und Trecker-Demos waren öffentlichkeitswirksam. Die Kanzlerin selbst nahm sich Anfang Dezember der Probleme an und versicherte den aufgebrachten Landwirten, dass diese weiterhin ein wichtiger Teil der Gesellschaft seien. Ein Entgegenkommen für die Landwirte seitens der Kanzlerin – aber wie geht es nun konkret weiter?

Problem Gülle – verschärfte Düngeauflagen

Aus Sicht des niedersächsischen Landvolks waren die verschärften Düngeauflagen ein wichtiger Auslöser der Proteste. Vor allem der Beschluss dieser ohne Abstimmung mit den Verbänden war ein Problem. Das niedersächsische Landvolk kritisierte, dass die Auflage von 20 Prozent weniger Dünger in bestimmten Gebieten nicht umweltgerecht sei, da so Humus abgebaut werde.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht dies anders und fordert eine Ausweitung der Roten Gebiete in Niedersachsen. Die Landwirte würden durch jahrelanges Ignorieren der Problematik selbst eine Schuld tragen.

Streitpunkt Tierwohl – Auflagenflut

Landwirte sehen sich einer widersprüchlichen Auflagenflut ausgesetzt. Diese gehe laut Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft zulasten der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Bauern. Die für artgerechtere Haltung nötigen Umbauten könnten nicht gemacht werden, weil dem Auflagen aus dem Bau- und Immissionsrecht entgegenstünden.

Zudem müsse der höhere Aufwand für artgerechtere Tierhaltung durch eine staatliche Tierwohlprämie ausgeglichen werden. Andernfalls würden immer mehr Landwirte aufgeben und der Importanteil aus Ländern mit geringeren Auflagen steigen. Der Zentralverband fordert politische Entscheidungen, die Tierhaltern die Zukunft sichern.

Schweinehaltung – Ferkelkastration

Schweine-Ferkel

Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration wurde bis Anfang 2021 aufgeschoben. Bei der Ebermast und der Immunokastration habe es schon gute Fortschritte als Reaktion auf das Verbot gegeben, so die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands. Allerdings brauche man mehr Abnehmer, die diese Alternativen zur betäubungslosen Kastration akzeptierten.

Auch beim Thema Kupieren von Ringelschwänzen sei viel Bewegung entstanden. Stillstand herrsche allerdings bei der Problematik von Haltung der Muttersauen in Kastenständen, weil sich Bund und Länder nicht auf gemeinsame Regeln einigen konnten.

Frage nach Zukunft der Landwirtschaft

Negativschlagzeilen wie Grundwasserbelastung, Insektensterben oder Bilder aus der Tierhaltung und die schlechte Ertragslage vieler Höfe – hat die Landwirtschaft in Deutschland noch eine Zukunft? Sowohl Funktionäre der Landwirtschaft als auch des Umweltschutzes sprechen sich deutlich dafür aus.

BUND-Agrarexperte Uhlenhaut sieht positive Aspekte: „Nicht jeder Schweinemäster ist der große Umweltverschmutzer, wir haben ganz viele Betriebe, die wir unbedingt brauchen, um eine vielgestaltige Kulturlandschaft zu erhalten.“ Er wünsche sich außerdem einen Trend zur regionalen Vermarktung der Produkte.

Geflügelwirtschafts-Präsident Ripke sieht hier ebenfalls einen Vorteil, „Regionalität, Produktion unter den Augen der Verbraucher“ gebe Sicherheit. Deutschland gehöre bei den Tierwohlstandards und der Lebensmittelsicherheit zu den führenden Ländern und dürfe sich nicht von anderen Ländern abhängig machen.

Mit Material von dpa
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