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Norbert Lehmann, Kristina Wienand | am

Rukwied warnt vor 30 Prozent weniger Ertrag wegen Gasengpässen

Die Energiekrise beschäftigt die Landwirtschaft stark: Bauern warnen vor Ertragseinbrüchen durch einen möglichen Düngemittelmangel.

Der Deutsche Bauernverband warnt vor einem Einbruch der landwirtschaftlichen Erträge infolge von Gasengpässen. Sollten Düngemittel nur noch eingeschränkt verfügbar sein oder wegfallen, würden die Erträge sofort um 30 bis 40 Prozent einbrechen, sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied vor der heute (15.9.) beginnenden zweitägigen Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern. „Um stabile Ernten zu gewährleisten, ist die Verfügbarkeit von Düngemitteln essenziell.“

„Ohne Gas keine Milch, keine Butter, kein Joghurt.“

Gas ist notwendig, um Stickstoffdünger zu erzeugen. „Wir brauchen eine Priorisierung beim Gas für den gesamten Landwirtschafts- und Ernährungssektor - und auch für die Düngemittelhersteller“, sagte Rukwied der Deutschen Presse-Agentur. Die gesamte Ernährungswirtschaft sei abhängig von Gas, etwa Zuckerfabriken oder Molkereien. „Ohne Gas keine Milch, keine Butter, kein Joghurt.“

Der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Sven Schulze (CDU), hatte zuletzt einen Energiepreisdeckel für die Ernährungswirtschaft gefordert. Die hohen Preise schränkten die Wettbewerbsfähigkeit ein und sorgten dafür, dass die Preise bis in den Lebensmitteleinzelhandel stark stiegen, sagte Schulze. Er rechnet mit einem erhöhten Druck auf den Bund.

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Verbändeallianz fordert politisches Umdenken

Ein Bündnis von sieben Agrarverbänden vom Bauernverband Sachsen-Anhalt über die Freien Bauern bis zu LSV fordert in einem gemeinsamen Positionspapier ein politisches Umdenken. Sämtliche Restriktionen, die zu einer Verknappung der Produktion von Lebensmitteln und Energie führten, seien auszusetzen, so die Organisationen.

„Wir benötigen eine Ausrichtung hin zu einer intensiven nachhaltigen Agrarproduktion und Waldbewirtschaftung“, heißt es in dem Papier. In einer Gunstlage das Produktionspotenzial nicht auszuschöpfen sei moralisch bedenklich. Sie pochen auf einen Krisen-Notfallplan zur Entlastung der Agrar- und Forstwirtschaft von der Energieknappheit und Energieverteuerung.

AMK spricht auch über Umbau der Nutztierhaltung

Heute und morgen (16.9.) treffen sich die Agrarminister von Bund und Ländern in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. Neben dem übergeordneten Thema zu den Auswirkungen und Folgen des Ukraine-Kriegs wollen die Minister etwa über den Umbau der Nutztierhaltung beraten.

Mehrere Seiten dringen auf einen möglichst zügigen Umbau hin zu mehr Tierwohl. Auch der Bauernverband fordert Klarheit: „Seit Jahren sind sich alle Parteien einig, noch mehr Tierwohl in die Ställe zu bringen. Jetzt muss das auch endlich umgesetzt werden und dabei dürfen unsere Bauern nicht im Regen stehen gelassen werden“, erklärte Rukwied. Noch nicht endgültig geklärt sind Finanzierungsfragen.

Borchert-Kommission Symbolbild

Was wird aus Borchert-Kommission-Vorschlägen?

Die sogenannte Borchert-Kommission, eine wichtige Expertenkommission, hatte den Stillstand bei der nötigen Finanzierung kritisiert. Die FDP stimmte demnach bisher keiner der vorgeschlagenen und machbaren Optionen zu. Die Experten hatten bereits 2020 ein Konzept für einen schrittweisen Umbau der Tierhaltung zu deutlich höheren Standards vorgelegt.

Die Pläne von Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) zur staatlichen Tierhaltungskennzeichnung stoßen allerdings auf Widerstand aus den Ländern.

Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) sagte der Rheinischen Post, dass die Pläne nachgebessert werden müssten. Das Konzept entspreche „weder den breit abgestimmten Beschlüssen der Borchert-Kommission und auch nicht der Beschlusslage vergangener Agrarministerkonferenzen“, sagte Gorißen.

Mit Material von dpa

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