großes Spargelfeld mit Erntehelfern
Christel Grommel | am

Saisonarbeitskräfte - wie ist die aktuelle Situation? (Aktualisiert)

In den nächsten Wochen muss auf deutschen Feldern gepflanzt und geerntet werden. Alleine mit einheimischen Kräften und arbeitswilligen Flüchtlingen sei das aber nicht zu schaffen, warnen die Landwirte.

Unionspolitiker hatten einen Brief an Kanzlerin Merkel geschrieben, in welchem sie eine Lockerung der Einreisebeschränkungen gefordert hatten. Der Brief ging auch an Landwirtschaftsministerin Klöckner, die im Verein mit vielen Unterstützern eine Aufhebung des Einreiseverbots forderte.

"Wir werden auf Saisonarbeiter nicht verzichten können. Wir müssen eine Lösung finden, wir können die Bauern hier nicht hängenlassen", betonte sie. 

Obst-, Gemüse- und Weinbauern betroffen

Nach Zahlen des Bauernverbands arbeiten alljährlich rund 300.000 Saisonarbeitskräfte in den deutschen Agrarbetrieben. 

Das in der vergangenen Woche aufgrund der Corona-Krise erlassene Einreiseverbot für die Arbeitskräfte könnte nun zu einer Versorgungslücke bei Obst und Gemüse mit entsprechendem Preisanstieg führen. 

Deutschland droht in der Corona-Krise zwar kein allgemeiner Lebensmittelmangel, weil in den meisten Bereichen der Landwirtschaft im Inland mehr produziert als konsumiert wird. Bei Obst und Gemüse ist dies jedoch anders, der "Selbstversorgungsgrad" ist hier niedriger als bei Milch, Fleisch und Getreide. 

Bauernverband-Präsident Rukwied forderte deshalb, dass der Einreisestopp "so kurz wie möglich" gehalten werden müsse. Er warnte vor Verknappung und entsprechendem Preisanstieg. Der Deutsche Bauernverband (DBV) schätzt, dass für April und Mai jeweils noch 40.000 Saisonarbeiter aus dem Ausland fehlen.

Was kann unternommen werden?

Die Arbeitsgruppe der Unionsfraktion schlug Fiebertests im Fahrzeug und die Einrichtung besonderer Fahrspuren an den Grenzen vor. So könne sichergestellt werden, dass ausländische Arbeitskräfte die Betriebe "ohne weitere Berührung und ohne Zeitverlust erreichen können".

Möglicherweise könnten die Erntehelfer auch am Arbeitsplatz auf das neuartige Coronavirus getestet werden. Eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums sagte, das Robert Koch-Institut solle helfen, Standards zu erarbeiten. Es gebe bereits Saisonarbeiter, die im Land seien. Auf der vom Landwirtschaftsministerium unterstützten Plattform "Das Land hilft" gibt es aktuell mehr als 41.000 Angebote.

Das Innenministerium plädiert für den Einsatz von Asylbewerbern. Es gebe rund 156.000 arbeitslose Schutzberechtigte, die sofort einsetzbar wären, sagte ein Sprecher. Schätzungsweise gebe es zudem 100.000 Asylbewerber, die prinzipiell arbeiten könnten. Es ist allerdings unklar, wie viele von ihnen schon einen Job haben.

Die Bundesregierung erwägt zudem, ob Menschen, die über die sogenannte Westbalkan-Regelung zum Arbeiten nach Deutschland gekommen waren und jetzt wegen der Corona-Krise von Kurzarbeit oder Jobverlust betroffen sind, als Erntehelfer eingesetzt werden könnten.

Gespräche zwischen Ministern

Am Dienstag gab es zu der Thematik Saisonarbeiter ein Gespräch zwischen Seehofer und Klöckner. In diesem wurden verschiedene Vorschläge diskutiert, aber noch keine Entscheidung getroffen. Am Mittwochabend sollten weitere Beratungen folgen. Sollte dabei ein Kompromiss erzielt werden, könnte das Einreiseverbot für einen Teil der Arbeiter aus Osteuropa gelockert werden.

Aktualisierung: Am heutigen Donnerstag, 2. April, haben Seehofer und Klöckner ein gemeinsames Konzept im Bundeskabinett vorgestellt, das Ausnahmen von den geltenden Einreisebeschränkungen für Saisonarbeitskräfte vorsieht. Unter strengen Auflagen dürfen Saisonarbeiter begrenzt einreisen.

Mit Material von dpa

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