Bauerndemo Hannover
Maren Diersing-Espenhorst | am

Schwetje: Anliegen der Landwirtschaft sind in Berlin angekommen

Im Interview mit der LAND & FORST sprach Gerhard Schwetje,
Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, über den Agrargipfel in Berlin.

Wie haben Sie den Agrargipfel empfunden?

Schwetje: Ich werte es als großen Erfolg, dass der Agrargipfel überhaupt stattgefunden hat. Diesen Erfolg haben wir den Landwirtinnen und Landwirten zu verdanken, die in den zurückliegenden Wochen in Oldenburg, in Hannover und in vielen anderen Städten Niedersachsens für die Zukunft ihres Berufsstandes auf die Straßen gegangen sind. Die Bundeskanzlerin war, das ist mir während des Gipfels positiv aufgefallen, in vielen Punkten sehr gut informiert. Sie hat uns den Eindruck vermittelt hat, dass sie die Anliegen der Landwirtschaft versteht und ernst nimmt.

Welche Ergebnisse des Gipfels stimmen Sie zuversichtlich?

Schwetje: Dass die dringenden Anliegen der Landwirtschaft ganz oben in der Berliner Politik angekommen sind – nicht nur im Bundeslandwirtschaftsministerium, sondern auch im Kanzleramt. Mit der Union und der SPD wollen wir in den kommenden Monaten intensiv über Details sprechen. Vor allem an kurzfristigen Lösungen für die Betriebe bin ich sehr interessiert, zum Beispiel was die Düngeverordnung, das Aktionsprogramm Insektenschutz oder die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft angeht. Die Arbeit einer Zukunftskommission kann bestenfalls langfristig positive Folgen für die Landwirtschaft und die Gesellschaft haben.

Welches Thema konnten Sie beim Agrargipfel gegenüber der Bundeskanzlerin anbringen?

Schwetje: Ich habe mich bei meinem Beitrag auf die Düngeverordnung konzentriert. Hierbei musste ich der Bundeskanzlerin in entscheidenden Punkten widersprechen. Ihr Hinweis, dass die Zahl der gehaltenen Tiere sowie die Menge des eingesetzten Mineraldüngers steige, habe ich mit anderslautenden Zahlen widerlegt. Nicht nur die Zahl der Rinder und Schweine ist rückläufig, auch die Menge des eingesetzten Mineraldüngers. Und das bereits das zweite Jahr in Folge im zweistelligen Prozentbereich. Ich habe der Bundeskanzlerin bestätigt, dass die Belastung des Grundwassers verringert werden muss und dabei betont, dass die Landwirtschaft bereit ist, die Düngung entsprechend dieses Ziels anzupassen. Zugleich stellte ich klar, dass dort, wo die Landwirtschaft keine Verantwortung für Rote Gebiete hat, sie auch nicht für eine Verbesserung sorgen kann.

Welches ist das aus Ihrer Sicht wichtigste Ergebnis des Agrargipfels?

Schwetje: Landwirtinnen und Landwirte werden von Politik, Medien und Gesellschaft nicht mehr einseitig als Verursacher von Problemen angesehen. Sie werden vielmehr als wertvoller Teil der Gesellschaft und Schrittmacher im ländlichen Raum akzeptiert. Das ist für mich das wichtigste Ergebnis. Durch die vielen jungen Frauen und Männer, die sich bei den Protesten engagiert haben, die Probleme ehrlich geschildert und offen mit Kritikern diskutiert haben, hat unser Berufsstand stark an Ansehen gewonnen.

Was kann die Landwirtschaft jetzt erwarten?

Schwetje: Die Landwirtinnen und Landwirte wollen, bei all den notwendigen Veränderungen, als die gesehen werden, die sie sind. Nämlich diejenigen, die die jahrhundertealte Kulturlandschaft erhalten und die dort qualitativ hochwertige Lebens- und Futtermittel produzieren und außerdem Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. Ich erwarte einerseits, dass die Landwirtschaft sich wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht verschließt und offen ist für Veränderungen. Andererseits hoffe ich, dass Politik, Medien und Gesellschaft nun fairer und konstruktiver mit der Landwirtschaft umgehen, als das früher der Fall war. Bis zum nächsten Gipfel, der für Herbst kommenden Jahres geplant ist, erwarte ich, dass möglichst viele der aktuell diskutierten Fragen beantwortet sind, dass offene Punkte weiterentwickelt werden – denn genau das hilft den Betrieben konkret weiter.

 

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