Olaf Lies im Landtag
Christel Grommel | am

Umweltministerkonferenz erzielt keine Einigung zu Wölfen

Die Umweltministerkonferenz hat am Freitag (23. April) in einem Beschluss gefordert, eine neue Gemeinschaftsaufgabe für den Naturschutz in Deutschland aufzusetzen. Kein Konsens konnte zur Kontroverse Wolf erzielt werden.

Umweltminister Lies fordert eine Milliarde Euro für eine neue Gemeinschaftsaufgabe zum Naturschutz: "Der heute gefasste Beschluss ist ein elementarer Wegweiser für den Naturschutz in Deutschland. Nach der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz ist es nur folgerichtig, dass wir jetzt auch dem Naturschutz mit einer eigenen Gemeinschaftsaufgabe Rechnung tragen."

Aus den Mitteln könne Niedersachsen zusätzliche Maßnahmen für die Natura 2000 Gebiete umsetzen, wie beispielsweise die Ausweitung von Managementplänen sowie Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen, Flächenankäufe sowie auch die Kontrolle und Evaluation von Maßnahmen. Auch der Niedersächsische Weg könne hier profitieren.

Für diese Aufgaben benötige man eine entsprechend solide Finanzausstattung für diese neue Gemeinschaftsaufgabe von mindestens einer Milliarde Euro jährlich. Dies müsse einhergehen mit einer entsprechenden personellen Ausstattung, um Maßnahmen zu planen und durchzuführen und so einen guten Abfluss der Mittel zu gewährleisten.

Kein Praxisleitfaden Wolf

Die Länderumweltminister konnten sich bei ihrer Online-Konferenz am Donnerstag und Freitag nicht auf einen bundesweiten Praxisleitfaden für die Behörden zum Abschuss von Problemwölfen einigen.

Das Bundesnaturschutzgesetz ermöglicht seit einer Änderung im Februar die Tötung von Wölfen, die Nutztiere reißen. Umstritten ist jedoch, wann genau ein Wolf als Problemwolf betrachtet werden darf.

Lies forderte eine rasche Einigung und verwies auf das Wachstum der Wolfspopulation in Deutschland von 30 Prozent jährlich. "Man kann nicht wegsehen und abwarten", sagte er. Die Behörden müssten handlungsfähig sein, sonst könne es passieren, dass Betroffene selbst handelten. In Niedersachsen seien in letzter Zeit viele Begegnungen mit Wölfen gemeldet worden. Es seien auch schon Wölfe in Städten gesichtet worden.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus schätzt die aktuelle Zahl der Wölfe in Deutschland auf rund 1.400. Die meisten leben in Ostdeutschland und Niedersachsen. Im vergangenen Jahr rissen Wölfe bundesweit nachweislich 2.891 Nutztiere - nicht nur Schafe, auch Rinder und Pferde waren betroffen. 

"Leid der Weidetiere wird sich verlängern"

Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers ist enttäuscht vom Ergebnis. Mit dem Leitfaden hätte es die Chance gegeben, dass die Entscheidungen der Behörden zur Entnahme auffälliger Problemwölfe bundesweit einheitlich erfolgen. Nun werde weiter jedes Land das Bundesnaturschutzgesetz und die darin genannten Gründe zur Erteilung einer Artenschutzausnahme selbst interpretieren.

"Ohne Praxisleitfaden wird sich das Leid der Weidetiere und der Weidetierhalter verlängern", ist Ehlers überzeugt und hofft, dass letztere nicht resigniert aufgeben.

Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern stünden als hauptsächlich betroffene Bundesländer mit einer Forderung nach bundesweit einheitlichen Regelungen zum Wolf "ziemlich allein" da, so Ehlers. Letztlich sei dies aber nur eine Frage der Zeit, denn noch nicht stark betroffene Bundesländer würden durch die rasante Steigerung der Wolfspopulation "auch noch drankommen". 

"Die Frage der Akzeptanz ist eine Frage der Regulierung. Wir brauchen klare Regelungen zum Abschuss von Wölfen, die am Ende vor Gericht Bestand hat. Dies ist für ein Miteinander von Wolf, Weidetieren und Gesellschaft unerlässlich", so Ehlers abschließend.

 

Mit Material von MU, dpa, LPD
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