Wolf steht auf einer Wiese

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Wolf: Nutztierrisse oder Nutztierrasse?

Bilder von zerfetzten Weidetieren bekommen wir leider immer häufiger zu sehen. Dieses Gemetzel muss ein Ende haben, sagt Maren Diersing-Espenhorst, Chefredakteurin LAND & FORST.

Moin liebe Leserinnen und Leser, ich liebe die wunderschöne Lüneburger Heide. Durch diese Kulturlandschaft zu streifen, wenn das Heidekraut blüht, ist herrlich. Kein Wunder, dass diese traumhafte Szenerie viele Künstler zu Gedichten, Liedern und Gemälden inspiriert hat.

Albtraumhaft finde ich hingegen die Bilder von zerfetzten Tieren, die von Wölfen gerissenen wurden. Diesen grauenhaften Anblick bekommen wir leider immer häufiger zu sehen. Die Tierkörper sind oft furchtbar zugerichtet und blutverschmiert.

Ein reich gedeckter Tisch für den Wolf

Ja, ich weiß, das ist der Lauf der Natur: Fressen oder gefressen werden. Aber Herden auf eingezäunten Flächen sind für Wölfe das, was für uns Menschen Buffets sind: Das reinste Schlemmerangebot! Für die Schafe, Rinder oder Pferde gibt es dabei kaum ein Entkommen.

Dieses Gemetzel muss ein Ende habe – für die Weidetiere und auch deren Besitzer. Wir brauchen endlich eine gesetzliche Regelung, wie mit dem Wolf in unserem Land umgegangen werden soll. Weiter so wie bisher ist keine Option.

Begrenzung des Wolfes keine Option

Auch die Begrenzung auf 500 Wölfe in Niedersachsen, wie von Umweltminister Olaf Lies gefordert, halte ich für keine wirkliche Option! Wir haben diese Tierzahl noch nicht erreicht und die Anzahl an Nutztierrissen ist bereits unerträglich hoch. Die neue Wolfsverordnung ist derzeit in der Verbandsbeteiligung. Dieser Prozess soll, so berichtet das Umweltministerium in Hannover, nahezu abgeschlossen sein. Danach werden alle eingegangenen Beiträge ausgewertet und bewertet. Wie lange das alles noch dauert, fragen Sie?

Wolf-Welpen-fressen.jpg

Uns läuft die Zeit davon

Das ist leider ungewiss. Ich bin überzeugt, dass uns die Zeit davonläuft. Wir können so herrliche Landschaften wie die Lüneburger Heide nur erhalten, wenn wir Schafe für deren Beweidung haben. Sie sind die Landschaftspfleger der Heide. Ohne sie würden sich dort Büsche, Birken und Kiefern breitmachen und die schöne Kulturlandschaft wäre dahin.
Aber nicht nur die Heide, auch die Deiche wären ohne Schafe in Gefahr. Und damit auch wir Menschen und unser Lebensraum. Denn die Deiche schützen uns vor Überflutungen und unsere Schafe schützen eben diese Schutzwälle.

Keine Chance für kleine Betriebe

Hinzu kommt, dass Schafe häufig in kleinen Betrieben gehalten werden, die mit der Arbeit für die Errichtung wolfsabweisender Zäune völlig überlastet sind. Zudem sind diese Zäune teuer und werden nicht vollständig gefördert. Das können sich die Tierhalter finanziell nicht mehr leisten. Wird aber auf einen solchen Zaun verzichtet, ist das ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, der für Prämienempfänger cross-compliance-relevant werden kann.

Artenschutz nicht nur für eine Art

Noch absurder ist, dass mit der Schafhaltung vielerorts vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen erhalten werden. Dazu gehören zum Beispiel das Leineschaf und – so schließt sich der Kreis – die weißen und grauen gehörnten Heidschnucken, die unter anderem zur Landschaftspflege in der Lüneburger Heide eingesetzt werden. Wir müssen uns also entscheiden, was wir wollen: Nutztierrisse oder Nutztierrassen. Artenschutz darf, meiner Meinung nach, jedenfalls nicht nur für eine Art gelten.

Inhalte der Ausgabe

  • Tag des offenen Hofes
  • Hitzestress bei Kühen vermeiden
  • Digitalisierung im Ackerbau
  • Gärreste: Techniken zur Aufbereitung
  • Herbizidstrategien im Spargel

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Tag des offenen Hofes
  • Hitzestress bei Kühen vermeiden
  • Digitalisierung im Ackerbau
  • Gärreste: Techniken zur Aufbereitung
  • Herbizidstrategien im Spargel

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen