Wolf im Wald
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Wolfsdebatten: Es ist zum Heulen

Die Wolfsdebatten drücken auf die Stimmung, sagt Chefredakteurin Maren Diersing-Espenhorst. Dabei gäbe es Lösungen.

Moin liebe Leserinnen und Leser, ich kann Ihnen sagen: Ich habe Herbst. Das mag vielleicht daran liegen, dass die ganze Welt aufgrund der Coronapandemie geschlossen zu sein scheint oder weil mir das Tageslicht fehlt.

Wie dem auch sei, auf jeden Fall habe ich Herbst und meine Stimmung ist gedrückt. Sie wird auch nicht besser, wenn ich mir die unendlichen Debatten um den Wolf anhöre.

Viel Ideologie, wenig Sachverstand bei der Wolfsdiskussion

Ich frage mich jedes Mal aufs Neue, wie so viel Ideologie und so wenig Sachverstand in Diskussionen sein können und vor allen Dingen zugelassen werden. Denn eigentlich könnte man dieses Thema rein rational abhandeln und sich dann der nächsten Herausforderung stellen. Aber so funktioniert Politik wohl schon lange nicht mehr – wahrscheinlich hat sie das auch nie.

Wolfsbestand: Dies gilt zu klären

Rational betrachtet, gibt es hinsichtlich des Wolfs sechs Punkte, die es meines Erachtens zu klären gilt:

  • Wie viele Wölfe leben in Deutschland und Europa?
  • Wie viele Wölfe wollen wir haben?
  • Wie können wir diese Anzahl sicherstellen?
  • Was geschieht, wenn die Anzahl überschritten wird?
  • Wie wird vorgegangen, wenn ein Einzeltier auffällig wird?
  • Wo liegen die Zuständigkeiten?

In der Wolfsdebatte fehlt die Sachlichkeit

Schon bei dem ersten Punkt scheitert es mit der Sachlichkeit. Denn die erfassten Daten der Wolfsbestände sind nicht aktuell. Sie sind bereits bei ihrer Veröffentlichung veraltet und spiegeln nicht die tatsächlichen Wolfsbestände wider.

Die deutschlandweiten Daten werden jeweils Ende April übermittelt und im Oktober veröffentlicht. In der Zwischenzeit erblicken bestimmt einige Jungtiere das Licht der Welt. Somit ist die Bestandsgröße im Zweifelsfall 1,5 Jahre alt. Bei einer Reproduktionsrate von 30 Prozent liegen zwischen den veröffentlichten und den tatsächlichen Daten einige hundert Tiere.

Einen günstigen Erhaltungszustand des Wolfes definieren

Das Datenproblem ist lösbar. Schwieriger wird es bei der Frage, wie viele Wölfe wir in Deutschland beziehungsweise Europa haben wollen. Denn hier kochen die Emotionen über. Es gilt auf Bundesebene, einen günstigen Erhaltungszustand des Wolfes zu definieren. In diesem Fall hat man eine bestimmte Wolfspopulationsgröße, die nicht unterschritten werden darf.

Von den Nachbarn lernen

So machen es zum Bespiel die Franzosen. Sie haben festgelegt, dass sich der günstige Erhaltungszustand bei ihnen auf 500 Individuen beläuft. Reguliert werden kann diese Bestandsgröße durch die Festlegung von Entnahmequoten.

Von den Schweden können wir lernen, wie sich mit auffälligen Tieren umgehen lässt. Treten vermehrt Weidetierrisse auf, besteht die Möglichkeit eine Schutzjagd zu beantragen. Dies ist auch deshalb sinnvoll, um zu verhindern, dass der Wolf zum Kulturfolger wird.

Koexistenz mit dem Wolf wäre möglich

Mit einer solchen Herangehensweise könnte eine Koexistenz mit dem Wolf in unserer dichtbesiedelten und intensiv genutzten Kulturlandschaft vorstellbar sein. Aber statt einer sachlichen Betrachtung der Fakten, stimmen zu schnell zu viele Gruppen ins Geheul der Wölfe ein. Das wiederum finde ich zum Heulen.

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