Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Wolfspopulation: Wir brauchen endlich eine Zahl

Moin liebe Leserinnen und Leser, eine Ziege, die mit raushängenden Gedärmen über eine Weide läuft, ist ein fürchterlicher Anblick. Aber es ist keine Szene aus einem Horrorstreifen, sondern real.

Ein Film mit dieser Szene verbreitete sich in der vergangenen Woche über die Sozialen Medien. Es ist nur ein Video von vielen, das die Folgen von Wolfsübergriffen auf Weidetiere zeigt. Solche Bilder sind nur schwer zu ertragen.

Die niedersächsische Wolfsverordnung soll dazu beitragen, dass solche Ereignisse in Zukunft vielleicht seltener auftreten. Doch über diesen kleinen Lichtblick legt sich ein Schatten.

Nabu reicht Beschwerde ein

Der Naturschutzbund (Nabu) hat gegen die niedersächsische Wolfsverordnung eine EU-Beschwerde in Brüssel eingereicht, da der Schutz des Wolfes mit der Verordnung massiv aufgeweicht werde. Zudem würden bundesweite Empfehlungen eines zumutbaren Herdenschutzes nach unten korrigiert, erklärte Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Nabu Niedersachsen.

Chance nicht wahrgenommen

Dass dieses Vorgehen sowohl im Landwirtschafts- als auch im Umweltministerium auf Unverständnis stößt, verwundert nicht. Schließlich gab man den Verbänden die Chance, angehört zu werden. Dabei sei vom Nabu nicht viel gekommen, heißt es aus dem Umweltministerium. Der Nabu konterte, dem sei nicht so, es wären konstruktive Vorschläge gemacht worden, auf die nicht eingegangen worden sei.

Wie gehabt

Mir scheint, dass es sich hier im Prinzip um eine Wiederholung dessen handelt, was wir beim Niedersächsischen Weg erlebten: Auch dabei hat man gemeinsam an der Lösung einer Herausforderung gearbeitet und dann schert der Nabu aus und startete gleichzeitig ein Volksbegehren.

Ein solches Verhalten ist für mich kein partnerschaftliches Miteinander; schlimmer noch, hinsichtlich des Wolfs verkennt es die bedrohliche Lage der Weidetiere und deren Halter. Die derzeitige Situation ist für sie unerträglich. Sie brauchen endlich praktikable Lösungen. Und die kann nicht sein, dass die „wolfsabweisenden“ Zäune immer höher gebaut werden müssen.

Schutz der Weidetiere

Es müssen Vergrämungsmöglichkeiten her, die die Weidetiere schützen. Die Wölfe müssen lernen, dass eingezäunte Schafe, Ziegen, Pferde oder Rinder für sie tabu sind. Das hier der Zaunbau nicht ausreicht, haben uns die vergangenen Monate und Jahre schmerzhaft gezeigt.

Es bringt Weidetierhaltern und ihren Tieren nichts, wenn sich auf Verbands- und politischer Ebene gestritten wird. Sie brauchen Maßnahmen!

Klare Verhältnisse

Dazu gehört, dass der günstige Erhaltungszustand für Deutschland festgelegt wird. Dieser ist erreicht – und ehrlich gesagt schon längst überschritten. 350 Wölfe in Niedersachsen sorgten nicht nur dafür, dass wir im vergangenen Jahr über 200 Nutztierrisse hatten, sondern auch eine der höchsten Wolfsdichten weltweit. In einer so dicht besiedelten Region wie Niedersachsen, halte ich das für inakzeptabel.

Wir brauchen eine Zahl, die den günstigen Erhaltungszustand definiert, nur dann kann die Wolfspopulation reguliert und für alle Seiten sinnvoll gemanagt werden.

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