Männer zerteilen Schweine im Schlachthof
Maren Diersing-Espenhorst | am

Zukunft der Fleischbranche: Bund, Länder und Branche diskutierten

Mehr Tierwohl, faire Preise und bessere Arbeitsbedingungen - das sind die Ergebnisse des heutigen (26. Juni) Gesprächs zur Situation in der Fleischbranche.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner sowie Ursula Heinen-Esser und Barbara Otte-Kinast, die Landwirtschaftsministerinnen aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, hatten zum "Branchengespräch Fleisch" nach Düsseldorf geladen. Im Mittelpunkt stand die Situation in der Fleischbranche.

Dass es Veränderungen geben muss, darin waren sich Politik, Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Verbrauchervertreter nach Wahrnehmung der Ministerinnen einig. Mehr Tierwohl in Ställen, höhere Sozialstandards in Schlachtbetrieben, Preiswahrheit im Handel und verantwortungsvolle Verbraucher seien die Grundlage eines Neustarts im Fleischgeschäft, insbesondere in der Schweinehaltung. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen beherbergen mit etwa 12.000 schweinehaltenden Betrieben und circa 15,1 Mio. gehaltenen Schweinen rund 60 Prozent der Betriebe und Tiere in Deutschland.

Bessere Preise für Fleisch

Julia Klöckner betonte, dass bessere Preise für Fleisch notwendig seien. "Preise, die möglich machen: Eine Haltung im Stall mit mehr Tierwohl, möglichst kurze Transportzeiten, faire Arbeitsbedingungen und vor allem ein nachhaltiges Einkommen für unsere Bauern. Deshalb müssen wir die gesamte Kette unter die Lupe nehmen."

Barbara Otte-Kinast ergänzte, dass Niedersachsen sich klar zur Tierhaltung bekenne. "Aber nur zu einer Tierhaltung, die Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards in der Erzeugung und der nachgelagerten Verarbeitung einhält. So soll sie unserer Landwirtschaft den Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft ebnen. Genau deshalb haben wir den Tierschutzplan zu einer "Niedersächsischen Nutztierstrategie – Tierschutzplan 4.0" weiter entwickelt. Einen weiteren Schritt machen wir jetzt mit der Förderung einer Modellregion für nachhaltige Nutztierhaltung. Damit setzt Niedersachsen ein starkes Zeichen für eine Tierhaltung, in der Mensch und Tier im Mittelpunkt stehen!“

Weg für eine zukunftsfähige Fleischwirtschaft

Neben Eckpunkten für eine nachhaltige Zukunft der Nutztierhaltung wurden bei dem Treffen auch Lösungen besprochen, um eine akute Fleischkrise durch einen längeren Lockdown in Schlachtbetrieben abzuwenden beziehungsweise zu überbrücken.

In einem Perspektiven-Papier "Fleischwirtschaft vom Stall bis zum Teller" haben die drei Ministerinnen wesentliche Eckpunkte benannt auf dem Weg hin zu einer zukunftsfähigen Fleischwirtschaft, die neben einer hohen Lebensmittelsicherheit auch Umwelt-, Tierschutz- und Sozialstandards und damit die Zukunft der Branche sicherstellt.

Das sagt die ISN

"Kurzfristig einberufen, viel im Vorfeld gescholten und doch hat er etwas gebracht", so lautet das Resümee von ISN-Geschäftsführer Torsten Staack.

"Der heutige Branchengipfel war aus unserer Sicht trotz aller Kritik im Vorfeld wichtig und nötig. Auch wenn die Aktivitäten von Tierschutzplan und Nutztierstrategie in den beiden wichtigen Schweineländern Niedersachsen und NRW bereits zuvor auf die Ziele der Nutztierstrategie ausgerichtet wurden, so war es doch ein bedeutsames Signal, dass sich die drei zuständigen Ministerinnen heute klar für die gleiche Zielrichtung bekannt haben. Sie positionierten sich nicht nur bewusst für eine Zukunft der Schweinehaltung in Deutschland, sie stellten auch gemeinsam Eckpunkte für eine zukünftige Fleischwirtschaft vor." 

Besonders erfreulich sei, dass man nun auf ein Gesamtkonzept schaue. Dabei gebe es eine breite Zustimmung dafür, dass man nicht bei Null anfangen müsse, sondern das Papier der sogenannten Borchert-Kommission als Basis für die weiteren politischen Diskussionen und Umsetzungsschritte gesetzt sei.

Mit Material von ML, ISN
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