EuroTier und EnergyDecentral finden in diesem Jahr als digitale Messe statt.
Meinung | Renate Bergmann | am

Zukunft Landwirtschaft: Digital oder weg?

Digitalisierung – ein Begriff, der uns auf Schritt und Tritt verfolgt. Stets wird vermittelt, dass "Digitalisierung" etwas wahnsinnig Neues ist.

Dabei ist es für die meisten Landwirte eher Alltag. Sensorfütterung im Schweinestall? War vielleicht vor 30 Jahren revolutionär. Tierindividuelle Brunsterkennung im Kuhstall? Ein alter Hut. Und auf jeder EuroTier und Agritechnica werden Innovationen vorgestellt, die helfen, hochwertige Nahrungsmittel zu produzieren und gleichzeitig mehr für Tier-, Umwelt und Naturschutz zu tun.

Landwirte nutzen Digitalisierung

Die meisten Landwirte nutzen daher gerne die mit der Digitalisierung einhergehenden neuen Chancen, im Stall oder auf dem Acker. Oder sie würden gerne, wenn, ja wenn… Denn so ganz unproblematisch ist der Einsatz ja nicht.

Ein großes, aber lösbares Problem sind die vielen "weißen Flächen" in Niedersachsen. Orte, wo Menschen schon froh sind, ab und zu mal Handyempfang zu haben, falls der Wind gerade günstig steht. Bis zu GPS-gesteuerten autonom fahrenden Schleppern ist es dort noch ein weiter Weg.

Chance oder Risiko

Aber wo Chancen sind, sind auch Risiken. Zum Beispiel Risiken, die mit dem Wust an Daten einhergehen. Jede digitale Technik arbeitet nur so gut, wie die von ihr erfassten Daten es hergeben. Auf vielen Betrieben nehmen heute Ordner mit Betriebsdaten regalweise die Wände im Büro ein. Doch zumindest bleiben diese physisch beim Betriebsleiter.

Und digitale Zahlen? Die lassen sich prima durch die Gegend schicken. Ohne Frage, der Datenaustausch zwischen Praktiker und Technikhersteller ist notwendig, aber was passiert weiter damit? Wofür kann der Hersteller diese noch verwenden, oder gar ein Hacker? Es müssen klare rechtliche Regeln her!

Skeptisch bleiben

Noch wichtiger ist für mich der skeptische Umgang mit den eigenen Daten. Hier ist die Kompetenz jedes einzelnen Betriebsleiters gefragt. Doch wo soll die herkommen? Gibt es neutrale Schulungen? Schult der Hersteller, der meine Daten benötigt? Muss ich mir das selbst beibringen und aus Fehlern lernen? Das kann teuer werden. Ebenso teuer kann es werden, wenn die Software eines Agrarroboters gehackt wird und er sich bei Nacht und Nebel auf den Flächen des Nachbarn austobt. Wer zahlt?

Was sagt der Verbraucher

Und last but not least: Vergessen wir bitte nicht die Verbraucher. Verbraucher, die Schnappatmung bekommen, wenn sie erfahren, dass der gute alte Bauernhof ein Hightech-Unternehmen ist. Wie machen wir ihnen klar, dass wir diese Technik zum Wohl von Tier- und Umwelt nutzen und nicht, weil wir Tiere als seelenlose Produktionsfaktoren sehen?

Digital oder weg?

Vergessen sollten wir auch nicht diejenigen, die mit der schönen neuen Welt überfordert sind, die die technischen Voraussetzungen nicht haben oder sich den Hightech-Kram aufgrund ihrer Betriebsgröße nicht leisten können. Damit aus dem "wachsen oder weichen" der vergangenen Jahre kein "digital oder weg" in den kommenden Jahren wird.

AdobeStock_165575540.jpeg

Inhalte der Ausgabe

  • Die Zuckerrübenernte ist gestartet!
  • Vorstellung der Waldstrategie 2050
  • Kartoffelfeldtag in Dorstadt: Anbauverfahren und Pflanztechnik
  • Digitalisierung im Kuhstall

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen
Produkte entdecken

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel merken und teilen

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert

Mehr zu diesem Thema

 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Die Zuckerrübenernte ist gestartet!
  • Vorstellung der Waldstrategie 2050
  • Kartoffelfeldtag in Dorstadt: Anbauverfahren und Pflanztechnik
  • Digitalisierung im Kuhstall

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen