Traktor auf dem Acker in Niedersachsen
Simon Michel-Berger | am

Zukunftskommission Landwirtschaft: Wie Bauern künftig Geld verdienen

Die Zukunftskommission Landwirtschaft hat sich vergangene Nacht auf Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft geeinigt. Mit am Tisch Vertreter von Landwirtschaft, Umweltschutz, Handel, Wissenschaft und Verbrauchern. Wohin geht die Reise?

Wie sieht eine verlässliche, von allen wichtigen gesellschaftlichen Akteuren getragene Veränderungsperspektive für die kommenden 10 oder mehr Jahre für die Landwirtschaft aus? Über diese Frage haben die Vertreter der Zukunftskommission Landwirtschaft unter dem Vorsitz von Prof. Peter Strohschneider seit September 2020 diskutiert. Vergangene Nacht haben sie sich auf einen Abschlussbericht geeinigt, der die wichtigsten Details aufzählt, wie die Landwirtschaft aus der aktuellen Krise kommen soll. Dessen Grundsatz: Das bisherige Agrar- und Ernährungssystem kann aus ökologischen, tierethischen und ökonomischen Gründen nicht weitergeführt werden. Dessen Umbau sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Wörtlich sagte Prof. Strohschneider, Vorsitzender der Zukunftskommission Ladwirtschaft: "Wir alle müssen jetzt anfangen, in diese Zukunft zu investieren. Wer zuwartet, wird das teuer bezahlen müssen und gegenüber der jungen und kommenden Generationen nicht verantworten können. Ökologisch verantwortliche Landwirtschaft kann betriebswirtschaftlich attraktiv und volkswirtschaftlich vorteilhaft sein."

Umweltschutz stärken

Die Zukunftskommission Landwirtschaft empfiehlt, die staatliche Förderung der Landwirtschaft an gesamtgesellschaftlichen Zielen auszurichten. Dazu gehören Verbesserungen beim Schutz der Biodiversität, bei der Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen, beim Tierschutz und beim Erhalt vielfältiger Landschaftsstrukturen. Regionale Wirtschaftskreisläufe, betriebliche Nährstoffkreisläufe sowie insgesamt eine Diversifizierung der Betriebe werden dazu beitragen, das Landwirtschafts- und Ernährungssystem in seiner Gesamtheit resilienter auszurichten. Für besseren Klima-, Umwelt- und Tierschutz sollten kooperative Ansätze nicht nur das Miteinander der Landwirte, sondern auch die Zusammenarbeit mit Partnern aus dem Naturschutz stärken.

EU-Direktzahlungen schrittweise abschaffen

Die europäischen Agrarbeihilfen will die Zukunftskommission Landwirtschaft ab 2023 schrittweise und bis spätestens 2030 abgeschafft werden. Stattdessen sollen Maßnahmen gefördert werden, die konkrete Leistungen für die Gesellschaft honorieren. Dieser Prozess solle möglichst stetig und in klar definierten Schritten verlaufen, um Planungssicherheit zu gewährleisten und Brüche zu vermeiden. Zudem empfiehlt die Zukunftskommission Landwirtschaft der Bundesregierung und der Politik allgemein, die bisher inputorientierte Förderung so weit wie möglich auf Ergebnisorientierung umzustellen und öffentliche Mittel entsprechend einzusetzen.

Ernährung gesünder machen

Die Ernährung soll umgestellt und weniger tierische Produkte verzehrt werden. Gesteigert werden soll hingegen der Verzehr von pflanzlichen Erzeugnissen. Die Zukunftskommission Landwirtschaft geht davon aus, dass dadurch der Tierbestand reduziert wird. Erreicht werden soll die Umstellung durch "verbindliche Instrumente zur Erhöhung von Markttransparenz und zur Förderung nachhaltiger und gesunder Ernährungsstile".

Teurere Lebensmittel als Ausgleich für weniger Produktivität

Die Zukunftskommission Landwirtschaft geht davon aus, dass durch die obigen und weitere Maßnahmen die Produktivität in der Landwirtschaft sinken und die Produktionskosten steigen werden. Dies soll aus öffentlichen Mitteln "zweckgebunden und betriebswirtschaftlich attraktiv" ausgeglichen werden. So soll auch die Verlagerung von landwirtschaftlicher Produktion ins Ausland verhindert werden. Die zusätzlichen Kosten sollen "gesamtgesellschaftlich fair" aufgeteilt werden, die Lebensmittelpreise werden also voraussichtlich steigern. Einkommensschwache Haushalte sollen dafür sozialpolitisch entlastet werden.

Wie geht es weiter?

Die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft sollen am 6. Juli 2021 an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben werden. Rechtsverbindlich sind sie nicht. Beobachter erwarten jedoch, dass sie, angesichts der Breite der an der Erarbeitung beteiligten Organisationen, in die Koalitionsverhandlungen für die nächste Bundesregierung mit einfließen werden.

Otte-Kinast: Dialog war erfolgreich

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast lobt den eingeschlagenen Weg: "Die Zukunftskommission Landwirtschaft hat eindrücklich gezeigt, dass ein Dialog auf Augenhöhe zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren mit ihren vielfältigen Interessen und Anliegen erfolgreich sein kann. Dafür danke ich allen Beteiligten sehr!"

Otte-Kinast wies darauf hin, dass sie sich schon lange für einen neuen Gesellschaftsvertrag für die Landwirtschaft stark mache. Bausteine davon bildeten etwa der "Niedersächsische Weg" oder die Niedersächsische Ackerbau- und Grünlandstrategie.

"Ich bin sicher, die Empfehlungen des von der Bundeskanzlerin eingesetzten Gremiums können uns auf dem in Niedersachsen bereits eingeschlagenen gemeinsamen Weg Rückenwind geben. Wir werden diese mit großem Interesse aufnehmen und prüfen. Schon jetzt ist klar: Wenn Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz zusammengeführt werden müssen, sind Landwirtinnen und Landwirte Teil der Lösung!"

Klares Bekenntnis zum Zukunftsstandort Deutschland

Als klares Bekenntnis zum Zukunftsstandort Deutschland werteten der Deutsche Bauernverband (DBV) und weitere Verbände den Abschluss der ZKL. Dies sei ein wichtiger Meilenstein und Grundlage für die Gestaltung des weiteren nachhaltigen Transformationsprozesses.  

Alle Beteiligten an der ZKL hätten ihre Dialog- und Kompromissbereitschaft unter Beweis gestellt. Der Abschlussbericht solle nicht als Ende, sondern als Grundstein und Auftakt zu weiteren Gesprächen verstanden werden.

Das sagt der Verband der Landwirtschaftskammern e.V.:

"Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) hat einen gemeinsamen Weg in ein nachhaltiges, klimaneutrales Agrar- und Ernährungssystem aufgezeigt", heißt es von Ute Volquardsen, Vizepräsidentin des Verbandes der Landwirtschaftskammern. "Ich bin sehr froh über die gemeinsam entwickelte Aussage, dass ausreichende Wertschöpfung eine der entscheidenden Komponenten für den anstehenden Prozesse ist. Die Landwirtschaftskammern wollen diese betrieblichen und persönlichen Veränderungsprozesse mit ganzheitlichen Bildungs- und Beratungsangeboten begleiten und die praktische, betriebsindividuelle Umsetzung mit Erkenntnissen aus ihren praxisnahen Versuchen unterstützen."

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