Teilnehmer der Zukunftskommission Landwirtschaft
Christel Grommel | am

"Zukunftskommission Landwirtschaft" tritt erstmals zusammen

Die 32 Mitglieder aus den Bereichen Landwirtschaft, Wirtschaft und Verbraucher, Umwelt und Tierschutz sowie Wissenschaft sollen Empfehlungen für eine produktive und ressourcenschonende Landwirtschaft erarbeiten.

Zudem soll es darum gehen, einen Ausgleich zwischen den Interessen entstandener Fronten zu schaffen. Mehr Tierwohl, Biodiversität, Klima- und Umweltschutz mit der Sicherung von Ernten und der ökonomischen Tragfähigkeit der heimischen Betriebe müssen zusammengebracht werden.

Beraten werden soll über zahlreiche Themen: die Agrarförderung, die "Kräfteverhältnisse" in der Lebensmittelkette, die Rolle der Verbraucher, die Globalisierung und Handelsabkommen, Düngung, biologische Vielfalt und Pflanzenschutz, Klimawandel, erneuerbare Energien, Tierschutz und Vorgaben für die Tierhaltung sowie die Kennzeichnung von Fleisch im Supermarkt.

Das Gremium kann dabei auf Grundlagen wie den Vorarbeiten der Borchert-Kommission sowie vom BMEL in Bezug auf Ackerbaustrategie und Förderung von Tierwohlställen aufbauen. Einen Zwischenbericht soll die Kommission im Herbst 2020, einen Abschlussbericht im Sommer 2021 vorlegen. 

Am Treffen nahmen auch die Bundeskanzlerin, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sowie Bundesumweltministerin Svenja Schulze teil.  
 

Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft

Julia Klöckner sieht die Einsetzung der Kommission als klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft. "Wir wollen, dass eine wirtschaftlich erfolgreiche und gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft in unserem Land eine gute Zukunft hat. Damit die junge Generation bereit ist, auch weiterhin die Höfe ihrer Eltern und damit viel Arbeit zu übernehmen, brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens."

Sie betonte, dass man sich jedoch darüber klar werden müsse, in höhere Standards mehr Geld investieren zu müssen. Das könne nicht allein durch die Familienbetriebe in der Landwirtschaft getragen werden. Die Bereitschaft zum Kompromiss statt einseitiger Maximalforderungen müsse entstehen. Hier solle die Kommission für einen Ausgleich zwischen den Protagonisten sorgen. "Landwirtschaft und Gesellschaft müssen sich respektvoll einander begegnen, denn sie sitzen in einem Boot."

Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sieht eine große Veränderungsbereitschaft bei den Bauern. Auch sie betonte, dass diese Veränderungen nicht von den Landwirten allein getragen werden könnten. Sie sieht im breiten Spektrum der Kommissionsmitglieder eine Chance für einen breit getragenen Konsens. Die AbL will sich für einen "Gesellschaftsvertrag" einsetzen. Für einen Umbau zu mehr Natur- und Tierschutz müsse die Kommission Ziele, einen Zeitrahmen und eine ausreichende Finanzierung erarbeiten.

Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes sah ebenfalls Veränderungsbereitschaft und bilanzierte: "Wir spüren eine große Unterstützung der Bundesregierung. Es ist der Kompromiss des heutigen Tages, sich dazu zu bekennen, auf einander zuzugehen. Ich halte es für richtig, Zukunftspfade zu erarbeiten, die den Landwirten eine Bandbreite bieten, in denen sie sich bewegen können und die auch von der Gesellschaft anerkannt und getragen werden. Wir sind zu Veränderungen bereit - diese müssen aber vor allem für unsere Betriebe, für unsere Familien finanziell darstellbar sein."

Der Bund Ökologische Lebesmittelwirtschaft (BÖLW) sieht die Kommission als Chance für die biologische Land- und Ernährungswirtschaft und plädiert für eine Ernährungswende. Man wolle die Erfahrung in diesem Bereich konstruktiv in die Arbeit der Zukunftskommission einbringen. 

Umweltschützer wollen Wandel

Umweltministerin Schulze betonte die Notwendigkeit des Wandels in der Branche. "Dass unsere Land- und Ernährungswirtschaft umweltverträglicher werden muss, daran führt kein Weg vorbei. Das ist nicht nur aus Sicht des Umweltschutzes notwendig, das wird auch von der Gesellschaft immer vehementer eingefordert." Es sei aber zu diskutieren, wie eine bessere Agrarpolitik das ermöglichen könne. Dazu wolle man "mit und in den bestehenden Betrieben Veränderungen ermöglichen und umsetzen."

Umwelt- und Verbraucherschützer forderten zum Start der Kommission neue übergreifende Lösungen. "Deutschland braucht eine ökologisch, sozial und ökonomisch zukunftsfähige Landwirtschaft. Nur so wird sie breite gesellschaftliche Akzeptanz erfahren", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). "Es muss Konsens darüber geben, dass grundlegende Herausforderungen wie der Klimawandel, der Verlust der Biodiversität, aber auch das Höfesterben und die wirtschaftlichen Probleme vieler Landwirte gelöst werden müssen."

Eine andere Verteilung der Agrarsubventionen sieht Grünen-Chef Habeck als entscheidend an. Dies sei die Grundlage für alles Weitere. Aufsetzend darauf brauche es einen Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland mit größeren Ställen und weniger Tieren, der über eine Abgabe, einen "Tierwohl-Cent" finanziert werde, und einen Kaufanreiz "durch eine klare, verbindliche Haltungskennzeichnung für alle".

Der Geschäftsführer von Greenpeace will sich dafür einsetzen, die Landwirtschaft ökologisch auszurichten und umweltschädliche Subventionen abzubauen. "Die dafür benötigte Finanzierung für die Bäuerinnen und Bauern muss schnell auf den Weg gebracht werden."

Mit Material von dpa, BMEL

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