Rinderherde in Südamerika

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Christel Grommel | am

Argentinische Bauern protestieren gegen Rindfleisch-Exportstopp

Die Landwirtinnen und Landwirte reagieren mit einem totalen Verkaufsstopp gegen das von der Regierung verhängte Exportverbot. Die Folgen könnten auch in Deutschland zu spüren sein.

In Argentinien stehen die Regierung und die Landwirte im Konflikt: Die Regierung stoppt alle Fleischexporte ins Ausland. Das wird seitens der Landwirte und Fleischindustrie wütend mit einem Stopp aller Verkäufe im Inland gekontert: Vom 20. bis 28. Mai soll überhaupt kein Rindfleisch mehr verkauft werden, kündigte der Agrarverband CRA am Dienstag an.

Die Regierung hatte angekündigt, die Ausfuhr des berühmten argentinischen Rindfleischs für einen Monat zu verbieten. Man will verhindern, dass die hohe Nachfrage aus dem Ausland die Fleischpreise auch im Inland immer weiter in die Höhe treibt. Durch den Exportstopp soll das Angebot im Inland steigen und der Fleischpreis sinken. Die Fleischindustrie will die Fleischmenge für den inländischen Markt jedoch nicht erhöhen. 

Präsident Alberto Fernández sagte dazu, die Regierung könne den Preisanstieg für Rindfleisch nicht hinnehmen – das Land leide bereits unter drei Jahren Rezession und den Folgen der Corona-Einschränkungen. "Das Fleischproblem ist außer Kontrolle geraten", so der Präsident. Der Preis steige jeden Monat "ohne Grund". 

Schwierige Wirtschaftslage in Argentinien

Argentinien hat aktuell eine der höchsten Inflationsraten der Welt, die Preise stiegen im April im Vorjahresvergleich um 46,3 Prozent. Der Preis für Rindfleisch stieg laut dem Institut für die Förderung von Rindfleisch sogar um 65,3 Prozent im Vergleich zum April 2020.

Rindfleisch macht etwa fünf Prozent der gesamten Exporte Argentiniens aus. Im März verkauften die argentinischen Bauern Rindfleisch im Wert von rund 225 Millionen US-Dollar ins Ausland. Hauptabnehmer sind China, Israel, Chile und Deutschland.

In Argentinien besitzt Rindfleisch einen hohen Stellenwert. Der Pro-Kopf-Konsum sank zwar in den letzten Jahren, aber die Argentinier gehören noch immer zu den größten Rindfleischessern der Welt. 50 Kilo pro Person im Jahr werden dort verzehrt. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Pro-Kopf-Verbrauch zuletzt bei knapp zehn Kilo.

Die Preise steigen

"Der Exportstopp könnte für die deutschen Rindfleischerzeuger durchaus positiv sein", sagt Dr. Albert Hortmann-Scholten von der LWK Niedersachsen. "Die Preise steigen gerade leicht. Gute Bullen gehen in Richtung vier Euro je Kilogramm Schlachtgewicht." Allerdings tun sich die deutschen Schlachthöfe schwer, die Preissteigerung durchzureichen.

"Die Schlachtbetriebe können diese höheren Preise beim Lebensmitteleinzelhandel kaum umsetzen, da sie häufig vertraglich an eine niedrigere Grundnotierung gebunden sind", berichtet Hortmann-Scholten gegenüber der LAND & FORST. "Zudem haben sich durch die Abschaffung der Werksverträge in den Schlachthöfen die Lohnkosten deutlich erhöht. Des Weiteren wurde coronabedingt in Hygienekonzepte investiert, was die Produktionskosten zusätzlich steigert." 

Dennoch liegt die Notierung der Bullen deutlich über der Vorjahresnotierung. "Ich bin optimistisch, was die Marktentwicklung des deutschen Rindfleischs angeht. Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage steigt, sobald der Lockdown gelockert wird und die Gastronomie wieder starten kann", betonte der Marktexperte. "In diesem Fall müssten die Gastronomen, bei einem weiteren Exportstopp der Argentinier, auf heimisches Rindfleisch zurückgreifen. Dies sollte die Rindfleischpreise weiter steigen lassen."

Mit Material von dpa, Spiegel

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