Saisonkräfte auf einem Spargelfeld
Janina Schuster | am

Corona: erneut weniger Saisonkräfte als üblich

Gewerkschaft und Arbeitgeber rechnen wieder mit weniger ausländischen Saisonarbeitskräften. Schuld daran ist auch die Ausbreitung der neuen mutierten Variante des Virus.

Bereits letztes Jahr blieb die Zahl der Saisonkräfte unter 300.000. Dieses Jahr dürften die Betriebe erneut mit weniger Arbeitskräften für die Saison rechnen, prognostizieren Nicole Spieß, Hauptgeschäftsführerin des Gesamtverbandes der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) und Jörg Heinel, Abteilungsleiter Forst und Agrar beim Bundesvorstand der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Spieß erinnerte daran, dass es aufgrund weitreichender Infektions- und Arbeitsschutzmaßnahmen nur zu geringen Corona-Ausbrüchen in den landwirtschaftlichen Betrieben gekommen sei. Dieses Jahr kommen zusätzlich Coronatests hinzu, die eine weitere Eindämmung möglich machen. 

Unterkünfte der Arbeiter oftmals unzureichend

Heinel kritisiert die unzureichend klaren Regelungen, deren Einhaltung nur bedingt kontrolliert und durchgesetzt werde. Dabei denkt er insbesondere an die Unterkünfte der Arbeiter, deren Zustände der Gewerkschafter teilweise als prekär bezeichnet. Nicole Spieß bezeichnete die Bedingungen in den landwirtschaftlichen Betrieben als "im Großen und Ganzen in Ordnung" und widerspricht dem Bild der Branche in den Medien. Kontrollen im letzten Jahr bestätigten dies, so Spieß.

IG Bau fordert umfassenden Gesundheitsschutz

Die Forderung der IG Bau nach verpflichtenden Regelungen rund um den Gesundheitsschutz der Arbeitskräfte bekräftigt Heinel. Dies würde eine kostenfreie Teststrategie, strengere Hygieneanforderungen vor, während und nach der Arbeit, ausreichend viele Sanitäreinrichtungen und die Unterbringung der Saisonkräfte in Einzelzimmern ohne Lohnabzug beinhalten. Letzteres wies Spieß zurück, da dies auf höhere Lohnkosten hinausliefe, die kaum weitergereicht werden könnten. 

Höfe schließen häufig Privatkrankenversicherung ab

Auch hält sie die Kritik an mangelndem Krankenversicherungsschutz für nicht gerechtfertigt. Häufig schließen die Betriebe eine private Krankenversicherung, sogenannte Erntehelferversicherungen, ab. Diese decken alle notwendigen Behandlungen ab. Heinel hingegen weist auf das Unwissen vieler Saisonbeschäftigten hin, die häufig gar nichts über eine Absicherung im Krankheitsfall wüssten. "Warum sollen Menschen, die saisonal arbeiten, im Krankheitsfall schlechter abgesichert sein als Menschen, die dauerhaft beschäftigt sind", fragt der Gewerkschafter.

Keine Einigkeit bei 70-Tage-Regelung

Eine Ausdehnung der 70-Tage-Regelung hält Heinel hingegen nicht für zielführend: "Damit wird Tür und Tor geöffnet, die Sozialversicherungspflicht zu umgehen!" Spieß nennt die Verlängerung auf 115 Tage "sachgerecht", auch um das Infektionsrisiko zu senken. 

Mit Material von AgE
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