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Christel Grommel | am

Coronavirus: Das sollten Landwirte im Quarantänefall beachten

Die Corona-Krise trifft auch die landwirtschaftlichen Betriebe. Was Landwirte und insbesondere Tierhaltungsbetriebe jetzt beachten sollten, lesen Sie im Ratgeber.

Das Corona-Virus hält derzeit alle in Atem. Das wird vermutlich auch vorerst so bleiben: Der Chefvirologe der Berliner Charité hält es für wahrscheinlich, dass sich 60 bis 70 Prozent der Menschen infizieren können.  

Landwirte – insbesondere Tierhaltungsbetriebe – sollten so frühzeitig wie möglich klären, wie sie ihre Tiere weiterversorgen, wenn Betriebsleiter oder Arbeitskräfte ausfallen. Sind Personen infiziert, werden diese sowie alle möglichen Kontaktpersonen 14 Tage unter Quarantäne gestellt.

Was bedeutet dies für Tierhaltungsbetriebe?

Laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass sich Nutztiere mit Corona-Virus infizieren können. Daher sollten eine Versorgung der Tiere oder andere Arbeiten auf dem Hof auch möglich sein, wenn eine Person unter Quarantäne gestellt ist. Die entsprechenden Hygienemaßnahmen müssen unbedingt konsequent umgesetzt werden! Zudem gilt dies nur unter Vorbehalt, solange die zuständige Gesundheitsbehörde keine anderen Auflagen oder Anordnungen erteilt hat.

 

Die Betriebe werden aufgefordert, selbst organisatorische Vorkehrungen für einen Quarantänefall zu treffen. An erster Stelle steht dabei immer die Isolierung der Menschen. Entsprechende Maßnahmen sind mit dem Gesundheitsamt zu klären.

  • Erstellen eines Notfallplans
  • Angepasste Personal- und Schichtplanung: Ausschließlich die gleichen Kollegen sollten Kontakt haben.
  • Unterschiedliche Eingänge und separate Räume nutzen, wenn es möglich ist. Das Virus kann sich bis zu neun Tage auf Oberflächen halten.
  • Die Mitarbeiter eindringlich dazu anhalten, grundsätzlich auch ihre privaten Kontakte, beispielsweise nach Feierabend, einzuschränken.
  • Rechtzeitiges Organisieren von Ersatzarbeitskräften. Diese könnten in einer Tierhaltung eingesetzt werden, in der zuvor positiv getestete Mitarbeiter tätig waren. Wichtig: Die allgemeinen Hygieneregeln müssen genau eingehalten und diese Schritte mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden.

 

Werden alle oben aufgeführten Punkte konsequent durchgeführt, muss im Ernstfall unter Umständen nicht die gesamte Belegschaft unter Quarantäne gestellt werden. Unter bestimmten Umständen seien laut Gesundheitsämtern Ausnahmen von der Quarantäne möglich – zum Beispiel, wenn die Mitarbeiter den gleichen Status hätten und als geschlossenes Team arbeiten würden.

Was bedeutet dies für Betriebe mit Saisonarbeitskräften?

Die für Sonderkulturbetriebe besonders drängende Frage nach Saisonarbeitskräften ist derzeit ungeklärt. Der Deutsche Bauernverband (DBV) setzt sich zusammen GLFA, ZVG und anderen Verbänden dafür ein, dass Regelungen gefunden werden, die einen Arbeitsantritt arbeitsbereiter ausländischer Saisonkräfte ermöglicht. 

Höchstwahrscheinlich werden ausländische Saisonarbeitskräfte fehlen. Weitere Maßnahmen, die der DBV gegenüber der Politik erreichen will, sind daher folgende:

  • Befristete Lockerung des Arbeitszeitgesetzes
  • Befristete Erweiterung der Möglichkeit einer kurzfristigen Beschäftigung
  • Befristete Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten für Arbeitslose, Asylbewerber, Bezieher einer vorzeitigen Altersrente

Was ist bei Betriebshilfen und Lohnfortzahlung zu beachten?

Bei Lohnfortzahlungen:

  • Für Arbeitnehmer gelten die normalen Regeln für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
  • Bei Quarantäne zahlt der Arbeitgeber den Lohn weiter, diesen Betrag kann er aber später von der Behörde zurückholen, welche die Quarantäne angeordnet hat.
  • Selbstständige und Freiberufler unter Quarantäne erhalten Verdienstausfall nach § 56 IFSG.
  • Der Antrag auf Entschädigung muss schriftlich und innerhalb von drei Monaten nach Ende der Quarantäne bei den Ländern in den hier zuständigen Einrichtungen eingehen.

Bei Betriebshilfen: Die Bundesregierung hat zum Schutz von Unternehmen ein umfassendes Hilfspaket beschlossen. Es gelten erleichterte Zugangsvoraussetzungen von Kurzarbeitergeld sowie folgende steuerliche Maßnahmen:

  • Gewährung von Steuer-Stundungen wird erleichtert.
  • Steuervorauszahlungen können leichter angepasst werden.
  • Auf Säumniszuschläge und Vollstreckungsmaßnahmen wird bis 31.12.2020 bei Betroffenen von Corona-Auswirkungen verzichtet.
  • Über Hausbanken erhalten Unternehmen erleichterten Zugang zu Krediten bei der staatlichen KfW-Bank.

Was ist bei Quarantäne zu beachten?

  • Betroffene müssen zu Hause bleiben.
  • Sie dürfen NICHT zur Arbeit gehen, einkaufen, spazieren gehen oder Besuch empfangen.
  • Im eigenen Garten darf sich nur aufgehalten werden, wenn dieser eingegrenzt ist und sich niemand auf dem Nachbarsgrün aufhält.
  • Der Gesundheitszustand muss protokolliert werden: Symptome notieren und zwei Mal täglich Fieber messen.
  • Während der Quarantäne werden Betroffene von speziell geschulten Mitarbeitern des Gesundheitsamtes betreut.
Mit Material von DBV

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