Landwirt mit Tablet im Kuhstall
Christel Grommel | am

DBV-Marktbericht 2020: Angespannte Lage für Bauern

DBV-Präsident Rukwied ist angesichts der Marktdaten 2020 besorgt. Er fordert von Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und Politik eindeutige Signale.

Joachim Rukwied zieht Bilanz: "Zum Ende dieses Jahres sehen wir in zahlreichen Betrieben eine sehr schwierige wirtschaftliche Situation. Viele sehen ihre Zukunft gefährdet und haben wichtige Investitionen aufgeschoben. Die Erzeugerpreise für Fleisch sind derzeit ruinös, für die meisten anderen Erzeugnisse nicht zufriedenstellend."

Vom LEH und anderen Teilen der Lieferkette fordert Rukwied, die Bauern an den Gewinnen zu beteiligen. Zudem will er von der Politik ein klares Bekenntnis zu einer Landwirtschaft in Deutschland. Geplante und teilweise umgesetzte gesetzliche Änderungen und Auflagen seien so einschneidend, dies für einige Bereiche den Entzug der wirtschaftlichen Grundlage bedeute. 

Schweinemarkt

Für den Schweinemarkt war 2020 das Jahr der Extreme. Das Jahr begann hervorragend mit einem Spitzenpreis von über zwei Euro pro Kilo Schlachtgewicht und Ferkelpreisen von über 80 Euro je Ferkel. 

Mit Beginn der Coronakrise startete jedoch der Preisverfall. Ursache war die lockdownbedingte Schließung der Gastronomie im Frühjahr und zum Jahresende - und vor allem das seit Frühjahr andauernde Verbot von Großveranstaltungen. Gleichzeitig stieg der Preisdruck durch zunehmende Coronafälle in Schlacht- und Zerlegeunternehmen. Die Schließung von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück führte zu erheblichem Druck im Markt. Der entstandene "Schweinestau" hält bis heute an. 

Im September kam der Ausbruch der ASP in Deutschland hinzu, wodurch der preisstabilisierende Export wegfiel. Im Ergebnis liegt der Schweine- und Ferkelpreis zum Jahresende bei ruinösen 1,19 Euro/kg Schlachtgewicht bzw. weniger als 25 Euro je Ferkel.

Das Wichtigste werde zu Beginn des Jahres 2021 sein, den Schweinestau aufzulösen. Gleichzeitig werde man in den Folgemonaten die Anpassungsreaktionen beobachten müssen. Laut Einschätzung des DBV sollte sich der Markt im Frühjahr erholen.

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Getreidemarkt

Die Erträge fielen höher aus als im Vorjahr, trotzdem wurden rund 1,1 Millionen Tonnen weniger geerntet. Auch in der EU-27 fiel die Getreideernte kleiner aus, vor allem Weizen und Mais stehen weniger zur Verfügung. 

Für das laufende Wirtschaftsjahr 2020/21 ließen laut DBV diese reduzierten Ernten wichtiger Erzeugungsregionen sowie eine verstärkte globale Nachfrage höhere Erzeugerpreise erwarten. Anfang Dezember 2020 lag in Deutschland das Preisniveau für Brotweizen mit 187 Euro pro Tonne rund 15 Prozent über dem Vorjahreszeitpunkt, Gerste mit 164 Euro pro Tonne rund neun Prozent.

Noch herrsche aber Besorgnis über mögliche Angebots- bzw. Lieferbeschränkungen, wie es sie im Frühjahr 2020 aufgrund von Corona bereits gegeben hatte. 

Milchmarkt

Im Jahresmittel lag der durchschnittliche Erzeugerpreis für konventionelle Kuhmilch im Bundesschnitt bei ca. 32,4 Ct/kg und damit leicht unter dem langjährigen Mittelwert. Das Vorjahresergebnis wurde um ca. 1 Ct/kg verfehlt.

Allerdings habe das Corona-Geschehen auch im Milchsektor wirtschaftliche Einbußen verursacht. Zuvor konnten sich die Milchviehhalter berechtigte Hoffnung auf deutlich höhere Erzeugerpreise im Jahr 2020 machen. 

Kurz vor den Feiertagen konnte man sich über Warenterminkontrakte Erzeugerpreise für das Jahr 2021 in Höhe von durchschnittlich 32,7 Ct/kg absichern. Ein deutliches Plus bei den Erzeugerpreisen ist so nicht zu erwarten. Bei überdurchschnittlichen Produktionskosten ist deshalb ein weiteres wirtschaftlich herausforderndes Jahr wahrscheinlich. 

Verlässliche Prognosen für das Jahr 2021 seien aber auch aufgrund des Brexit nicht möglich.

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Rindermarkt

Auch in diesem Jahr hat sich der bereits in der Vergangenheit zu beobachtende Trend sinkender Tierzahlen fortgesetzt. Nach aktuellem Stand werden bundesweit rund 11,4 Mio. Rinder gehalten und somit 1,3 Mio. Rinder weniger als noch vor sechs Jahren. Mit Blick auf die Zusammensetzung zeige sich laut DBV deutlich, dass die Milchkuh- und Jungviehbestände überproportional stark zurückgegangen seien, ein klares Indiz dafür, dass der Strukturwandel dort besonders tiefgreifend sei.

Die gegenwärtige Pandemiesituation hat auch den Rindfleischmarkt in besonderem Maße getroffen. Rindermäster erleben im Jahr 2020 nun das zweite Jahr in Folge mit einem wirtschaftlich nicht tragbaren Preisniveau. 

Die Schlachtpreise für R3-Bullen dotierten ganzjährig auf ihrem Vorjahresniveau und lagen somit knapp 0,22 Euro/Kg Schlachtgewicht (SG) unter dem Jahresdurchschnitt aus 2018. Noch angespannter war die Preissituation für Schlachtkühe. Die Schlachtkuhpreise für O3-Kühe lagen mit durchschnittlich 2,67 Euro/Kg SG rund 0,13 Euro/Kg SG unter Vorjahresniveau.

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