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Corinna Mayer | am

Direktvermarktung: Kreative Ideen in der Corona-Krise

Für viele Direktvermarkter, Hofläden und Cafés kommt Aufgeben nicht infrage - sie reagieren erfinderisch auf die Corona-Krise.

Wo sonst Kuchengabeln auf hübschem Porzellan klapperten, Kaffeeduft den Raum erfüllte und hektisches Treiben war, ist es zur Zeit mucksmäuschen still und elendig leer. Nur aus der Küche vom Hofcafé Volker in Bad Münder dringen ein paar Geräusche, denn trotz Coronakrise bereiten Stefanie Baade-Volker, die das Hofcafé Anfang des Jahres von ihrer Mutter übernommen hat, und ihr Konditor selbstgebackene Tortenträume zu. "Wir verkaufen momentan alle Kuchen zum Mitnehmen", erzählt die Inhaberin Stefanie Baade-Volker. "Egal, ob als ganze Torte oder nur ein einzelnes Stück."

Torten to go am Wochenende

So öffnet sie jeden Samstag, Sonntag und feiertags von 12 bis 14:30 ihr Hofcafé, damit die Kunden unter Einhaltung der Abstandsregeln nicht auf ihre Portion glücklich machenden Zucker verzichten müssen. Damit sie besser planen kann, bittet sie nur darum, die Torten und auch einzelne Stücke per Email oder Telefon vorzubestellen. "Leider ist die Nachfrage ganz unterschiedlich."

Ein geringer Verkauf von wenigen Torten am Wochenende rentiert sich eigentlich nicht für die Betreiberin, die von den Einnahmen auch noch ihren angestellten Konditor bezahlen muss, der momentan schon in Kurzarbeit ist. Ihren rund 20 Aushilfskräften hat sie schon zwei Tage, bevor die Aufforderung zur Schließung von der Regierung kam, eine Nachricht geschickt. Stefanie Baade-Volker hat Verständnis, dass momentan der Schutz der Menschen an erster Stelle steht, trotzdem wünscht sie sich bald wieder öffnen zu können.

Um bekannt zu machen, dass sie in ihrem Hofcafé einen Torten-Außer-Haus-Verkauf anbietet, hat sie gezielt Werbung bei Facebook, Instagram und im WhatsApp-Status geschaltet. "Ich hoffe, es spricht sich weiter rum, man braucht ja immer etwas Geduld."

Neukunden für den Hofladen

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Deborah und Dirk Faß bewirtschaften zusammen mit Dirks Eltern den "Hof Faß" mit Milchvieh, Bunten Bentheimer Landschweinen, Legehennen und Fleischhühnern. Seit rund vier Jahren gibt es den Selbstbedienungs-Hofladen mit Fleisch und Wurst, Eiern, Käse und Milch vom eigenen Hof sowie Kartoffeln und Gemüse aus der Region.

Sie haben einige Änderungen eingeführt, verkaufen aber weiter. "Zuerst waren wir nervös, wie das alles klappen soll. Aber unsere Kunden machen ganz toll mit." Die Nachfrage nach den Produkten vom eigenen Hof sei insgesamt gestiegen, und es kämen auch mehr neue Kunden: "Gerade jetzt auch durch Empfehlungen unserer Stammkunden", so Deborah Faß.

Neu im Laden sind Spender für Einweghandschuhe und Händedesinfektionsmittel. "Da gab es anfangs einen Engpass, aber zum Glück bekommen wir Desinfektionsmittel nun über die Apotheke im Nachbarort", sagt Deborah Faß. Im Info-Video auf der Facebookseite des Hofladens zeigt sie, was die Kunden an Corona-Neuerungen erwartet. Zum Beispiel sollen immer nur zwei Personen gleichzeitig im Laden sein. Die Oberflächen werden mehrmals am Tag desinfiziert. 

Die Kinderspielecke im Laden wurde leergeräumt. "Aber die Leute bringen ihre Kinder meist gar nicht mehr mit, auch nicht zum Tiere schauen, was früher oft vorkam." Es sei zwar mal jemand unzufrieden, wenn die Regale schneller leer sind als früher, aber die meisten Kunden hätten Verständnis. "Eigentlich läuft alles ganz unspektakulär", findet Deborah Faß.

Spargelhof vermietet die Felder

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Weil Erntehelfer knapp sind, können Bürger seit Ende April auf dem Hof Oelkers in Wenzendorf ihren Spargel selber stechen. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und wurde zum Hit. "Wir hatten unser Angebot bei Facebook eingestellt. Schon wenige Tage später waren wir ausgebucht", sagt Angela Oelkers-Sötje strahlend.

Meistens hätten sich Gruppen, Familien, Freunde oder Nachbarn angemeldet. Es seien aber auch einige Firmen dabei. Das gemeinsame Spargelstechen - natürlich im gebührenden Abstand - fördere den Zusammenhalt.

Das Feld hat 58 Reihen mit einer Länge von jeweils 300 Metern. Pro Reihe beträgt die Miete 222 Euro, die vorab zu zahlen sind. Hinzu kommt ein Ernte-Starterset für 68 Euro. Dieses besteht aus Spargelmesser, Kelle, Handschuhen und einer Kiste.

"Wir drehen jetzt ein Video mit einer detaillierten Anleitung", heißt es auf dem Hof Oelkers. "Auch für Fragen stehen wir natürlich zur Verfügung." Wer es richtig macht, freut sich über einen guten Ertrag.

Wer nicht selbst Spargel stechen will, kann diesen natürlich auch im Hofladen oder an einem der Verkaufsstände erwerben. "Unseren Spargel gibt es übrigens auch im Online-Shop. Wir verschicken ihn europaweit", erklärt Angela Oelkers-Sötje. Sie erwägt sogar, das Angebot zur Miete im nächsten Jahr zu wiederholen.

Dirve-in sichert die Arbeitsplätze

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"Wir haben uns schon früh auf die neue Situation eingestellt und einen Lieferservice für die Risikogruppen ins Leben gerufen", sagt Katja Tegtmeier, Inhaberin von Kochs, einem Hofladen mit Selbstbedienungscafé und Erlebnisspielplatz in Liethe. "Nachdem dieser neue Service super anlief, haben wir ihn für alle ausgeweitet und werden ihn auch nach Corona beibehalten", berichtet sie weiter. Die Bestellungen werden per Telefon angenommen. Dreimal pro Woche wird ausgeliefert. Die Bezahlung erfolgt auf Rechnung oder in bar vor Ort.

Eine weitere Möglichkeit für Kunden, die zwar mobil sind, aber nicht in den Laden kommen wollen, ist der Einkauf am Drive-In-Schalter. Hier kann die Bestellung, nach vorherigem Klingeln, aufgegeben werden. Nach kurzer Wartezeit wird der Einkauf durch die Tür gereicht. Mitarbeiter des nun geschlossenen Selbstbedienungscafés kümmern sich um die eingehenden telefonischen Bestellungen, die Drive-In-Kundschaft und das Abarbeiten der Bestelllisten.

"Es war uns wichtig, dass wir alle Mitarbeiter weiter beschäftigen können und niemand in die Kurzarbeit gehen muss", erklärt die Inhaberin. Tatsächlich vergrößerte sich das Hofladenteam sogar um eine Aushilfskraft. Doch die Pandemie hat auch negative Auswirkungen auf das Geschäft. So sind die Lieferungen von "Bürokisten" an Firmen weggebrochen, da Angestellte sich überwiegend im Home Office befinden, die Obstlieferungen an Schulen mussten eingestellt und das Spielgelände im Außenbereich geschlossen werden.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 19/2020 oder in der digitalen Ausgabe

Mit Material von Antje Wilken, Katja Schukies, Johanna Ritter, Christa-Maria Brockmann

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