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Christian Mühlhausen | am

Einbeck: Hof Wolpers und das Standbein "Wiesenhenne"

Aus einer fixen Idee ist bei Familie Wolper aus Einbeck im Kreis Northeim ein bedeutendes Standbein für den Hof geworden. Ihr „Salzderheldener Wiesenei“ ist bei Vermarktern in der Region so gefragt, dass der Betriebszweig noch immer weiter wächst.

Die Frauen waren schuld“, sagt Hendrik Wolper (25) und lächelt verschmitzt. Die Frauen, das sind seine Freundin und die seines Bruders. Vor gut drei Jahren, als ihr alter Hühnerstall im niedersächsischen Einbeck (Landkreis Nordheim) entkernt wurde, frotzelten sie: „Da können doch wieder Hühner rein. Nur ein paar, für den eigenen Bedarf.“

Aus der Idee ist drei Jahre später ein echtes Standbein des Hofes Wolper geworden und der Betrieb heute mit „Salzderheldener Wiesenei“ einer der größten Mobilstall-Legehennenhalter in der Region.

2009 verließen die Kühe den Hof

Senior-Chef Heinz-Hermann Wolper (55) prognostizierte 2009, als die Kühe den Hof verließen: „Tiere wird es nicht wieder auf dem Betrieb geben.“ Der Klassiker: 30 Kühe, Anbindehaltung, arbeitswirtschaftlich schon lange grenzwertig.

Frühere Pläne der Wolpers zum Bau eines Boxenlaufstalls mit Biogasanlage scheiterten an einer Baugenehmigung.

In der Fachschule geplant

Während seiner zweijährigen Fachschule Agrarwirtschaft an der Michelsenschule in Hildesheim beschäftigte sich Hendrik Wolper dann jedoch mit Geflügel als möglicher Variante einer Betriebserweiterung. Denn ihm war klar: 100 Hektar Acker, davon 60 Prozent Pachtland, bieten langfristig keine Perspektive für zwei Familien, die vom Hof leben müssen.

Der Lohnbetrieb mit Rundballenpressen stagniert aufgrund des Rückgangs der Milchvieh- und Mutterkuhhaltung in der Region, ein Flächenwachstum über Pacht ist ebenfalls kaum möglich angesichts der Pachtpreise.

Rückhalt im Dorf

Die Geflügelhaltung hingegen erschien ihm als eine der wenigen Tierhaltungsbereiche lukrativ und mit guter Zukunft. Die Idee, einen klassischen Maststall mit Biogasanlage zu bauen, verwarfen Wolpers schnell: „Im Dorf haben wir Rückhalt, das ist kein Problem. Aber wir haben Bedenken gehabt, dass Außenstehende unser Vorhaben torpedieren.“

Das Geflügel blieb trotzdem aktuell: „Je mehr Freunden und Bekannten wir davon erzählt haben, desto mehr Interesse hatten wir geweckt an Freilandeiern“, erinnert sich Wolper. Doch mit wie viel Tieren anfangen? 30? Oder 50? Reicht das? Oder kann man da nicht gleich 200 Tiere füttern?

Weil bereits ein Laden auf dem Hof nahe der Bundesstraße ist, wagten Wolpers einen größeren Schritt: Auf der Eurotier 2016 schauten sie sich beim Hersteller Weiland einen Mobilstall an, parallel bildete sich Hendrik Wolper in Seminaren bei der Landwirtschaftskammer weiter und informierte sich im Internet.

Kombistall für alle Fälle

Im März 2017 stand der erste Stall in Salzderhelden auf dem Hof, bereit, 350 Hennen zu beherbergen. „Wir haben uns damals für einen Kombistall entschieden, in dem man auch mästen kann – falls es mit der Eiervermarktung nicht läuft“, sagt Wolper und schmunzelt.

Denn dass er heute 3.250 Legehennen in sechs Mobilställen hält, hätte er damals nicht gedacht. Allein 2019 wurde die Haltung mit dem Kauf von zwei 900 er Ställen verdoppelt. Die Vermarktung lässt das Wachstum zu, noch immer kann er nicht alle Anfragen von regionalen Märkten und interessierten Wiederverkäufern bedienen, wenngleich der Großteil der Eier an Endkunden ab Hof (0,35 Euro/Ei) sowie in einem der sieben belieferten Märkte abgesetzt wird.

Der Markt wird bald gesättigt sein, prognostiziert Hendrik Wolper. Dann wolle man die Produktion optimieren, auch arbeitswirtschaftlich, und Ställe „repowern“ sowie sich an 100 Prozent hofeigenes Futter wagen. „Gentechnikfrei“ biete er heute bereits an.

Mehr über den Hof Wolpers lesen Sie in der LAND & FORST 49/19.

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