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Christel Grommel | am

Erntezeit: So klappt es mit den Nachbarn

In der Erntezeit ist viel zu tun, auch abends und am Wochenende. Wie Sie Konflikte mit Anwohnern vermeiden können.

Fest geregelte Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr - das gibt es in der Landwirtschaft nicht. Landwirtinnen und Landwirte arbeiten auch spätabends und am Wochenende. Das gefällt Anwohnern zum Teil aber nicht, die kein Verständnis für die ungewöhnlichen Arbeitszeiten aufbringen, wenn zum Beispiel auch Lärm involviert ist. Wir haben einige Tipps, wie man Konflikte mit Anwohnern vermeiden kann.

Bei der Ernte drängt die Zeit

„Wir sind dann aktiv und müssen unser Korn von den Feldern ernten, wenn es erstens reif und zweitens trocken ist. Dieses Zeitfenster ist nicht unbegrenzt vorhanden. Weil Regen schnell die Qualität des Getreides beeinträchtigt, ernten wir bis in den späten Abend und auch notfalls auch wochenends – sollten sich Regen oder Gewitter ankündigen“ erklärt Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr. Er propagiert gegenseitige Rücksichtnahme. Mit einigen Erntegeräuschen und Staub müssen die Anwohner aber leben.

Tipps: Ärger zwischen Landwirten und Anwohnern vermeiden

  • Viele Landwirte kündigen ihren Nachbarn unmittelbar bevorstehende Arbeiten an. Dafür kann man zum Beispiel auch WhatsApp-Gruppen einrichten.
  • Wer ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis pflegt, dem wird oft mehr Verständnis entgegengebracht. Löhr nimmt Nachbarn auch schon mal auf dem Mähdrescher mit - das wirke Wunder.
  • Viele wissen nicht, warum die Arbeiten zu ungewöhnlichen Zeiten notwendig sind. Ein aufklärendes Gespräch kann da helfen.
  • Im Straßenverkehr gegenseitig Rücksicht nehmen und vorsichtig agieren, Landmaschinen werden oft von anderen Verkehrsteilnehmern in Länge und Geschwindigkeit unterschätzt.

Nacht- und Wochenendarbeit: Was ist erlaubt?

Bei Unvermeidbarkeit, zum Beispiel bei einem Wetterumschwung, ist Nachtarbeit im Rahmen rechtlich zulässig. Diese Regelungen gelten:

  • Das Immissionsschutzgesetz schreibt zu bestimmten Zeiten Lärmgrenzwerte vor.
  • Von 22 bis 6 Uhr herrscht Nachtruhe
  • Auch an Sonn- und Feiertagen gilt: Lärmintensive Arbeiten müssen ruhen. Samstag ist hingegen ein normaler Werktag.

Landwirte sind von vielen Bestimmungen ausgenommen. Sie unterliegen der bundesdeutschen Gewerbeordnung (GewO). Die Landwirtschaft fällt in den Bereich der Urproduktion und ist daher gewerbe- und damit genehmigungsfrei. Demzufolge müssen auch Anlagen (wie Mähdrescher), die einer Urproduktion dienen, im Sinne der Gewerbeordnung nicht genehmigt werden. Diese nicht genehmigungsbedürftigen Anlagen genießen wiederum im Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) eine besondere Stellung. Beim Einsatz solcher genehmigungsfreier Anlagen müssen „unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen (Lärm) auf ein Mindestmaß beschränkt werden“. Das ist bei Erntemaschinen der Fall, die zu ungewöhnlichen Zeiten eingesetzt werden müssen. Diese Ausnahmen gelten:

  • Können landwirtschaftliche Arbeiten nicht verschoben werden, verkürzen einige Bundesländer die Nachtruhe um zwei Stunden, auf 23.00 bis 5.00 Uhr. Rheinland-Pfalz hebt in solchen Fällen die Nachtruhe ganz auf.
  • Einzelne Gerichtsurteile erlauben nächtlichen Erntelärm bis zu zehn Tage im Jahr.
  • Das gilt auch für Sonn- und Feiertage.
Mit Material von LPD, hna.de

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