Gasspeicher in Hamburg - Speicher sind voll

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Dr. Olaf Zinke | am

Gaspreise steigen trotz Kältewelle nicht – Speicher sind proppenvoll

Die Gaspreise bleiben trotz des Kälteeinbruchs am europäischen Spotmarkt niedrig. Jedenfalls für Gasversorger. Auch wenn der Gasverbrauch wegen der aktuellen Kältewelle zugenommen hat.

Am Terminmarkt sind die Preiserwartungen für die nächsten Monate zwar höher als jetzt – jedoch weit von den Höchstpreisen im August entfernt. Auch die LNG-Preise haben sich seit September mehr als halbiert. Die Differenz zwischen Spotmarktpreisen für Gas und den Preisen für Gaskunden ist weiter sehr groß.

Die europäischen Gaspreise bleiben am Spotmarkt sehr niedrig. Trotz Wintereinbruch und Verbrauchsanstieg bleiben die Gaspreise, die Unternehmen und Händler aktuell am Spotmarkt zahlen müssen, unverändert niedrig. Verbraucher müssen derzeit für ihr Gas deutlich höhere Preise bezahlen. Zu Beginn der dritten Novemberwoche lagen die Preise am wichtigsten europäischen Handelsplatz (TTF) bei knapp 114 Euro je MWh bzw. 11,4 Cent je kWh.

Ende August - nach dem Ausfall der Lieferungen aus Russland - hat das Gas an der TTF allerdings auch schon einmal 350 Euro je MWh gekostet bzw. 35 Cent je kWh. Das ist nun Dank prall gefüllter Gasspeicher und einer massiven Marktregulierung vorbei. Die Bundesnetzagentur meldet für den 21. November einen Gesamtspeicherstand in Deutschland von 99,68 %. Der Füllstand des Speichers Rehden beträgt 94,57 %.

„Der Gasverbrauch lag in der 45. Kalenderwoche unter dem durchschnittlichen Verbrauch der letzten vier Jahre, ist aber gegenüber der Vorwoche um fast 10 % gestiegen“, teilte die Bundesnetzagentur mit.

„Tatsächlich wirken sich die aktuell hohen Speicherfüllstände in ganz Europa, die im Verhältnis milde Witterung sowie auch eine gesunkene Nachfrage seitens der industriellen Verbraucher kurz- und mittelfristig auf die aufgerufenen Gaspreise aus“, sagte Lennart Richter vom Branchenverband Zukunft Gas gegenüber dem Vergleichsportal Verivox.

Daher bestehe aktuell ein Überangebot an Flüssigerdgas (LNG) in Europa. „Schiffe können teils nicht mehr entladen werden.“ Richter warnt jedoch: „Insgesamt kann sich die Situation schnell wieder ändern, wenn die Temperaturen anhaltend sinken.“

Deshalb haben die relativ niedrigen Spotmarktpreise offenbar auch bisher keine Auswirkungen auf die Verbraucherpreise – die laut den Erhebungen von Verivox Anfang November bei 20,9 Cent je kWh lagen, und damit deutlich höher als am Spotmarkt oder am Terminmarkt.

Terminmarktpreise knapp über 12 Cent

Am europäischen Terminmarkt EEX (21.11) lag der Erdgaspreis für Dezember (am 21.11.) bei 11,6 Cent je kWh. Für den Januar-Termin kostete das Erdgas 12,2 Cent je kWh und für den Februar mussten 12,4 Cent je kWh gezahlt werden. Damit sind die Terminmarktpreise ähnlich hoch wie die aktuellen Spotmarktpreise. Auch die späteren Termine kosten durchweg um die 12,5 Cent je kWh.

Dennoch sind diese Preise um ein Vielfaches höher als die Preise vor der Gaskrise: 2019 lag der Importpreis für Gas nach Deutschland im Jahresmittel bei 1,5 Cent je Kilowattstunde, berichtet Verivox. 2021, als die Preise bereits deutlich gestiegen waren, wurden 2,5 Cent je KWh gezahlt.

Gleichzeitig sind die aktuellen Terminmarktpreise aber erheblich niedriger als die Gaspreise, die die Verbraucher derzeit mit mehr als 20 Cent je kWh zahlen müssen.

Gashändler und Versorger gehen zudem davon aus, dass sich trotz der großen Preisdifferenz an den Preisen für Haushaltskunden so schnell nichts ändern wird. „Die aktuelle, kurzfristige Entspannung an den Gasmärkten, die sich auch sehr schnell ins Gegenteil umkehren kann, hat wenig Einfluss auf die Verbraucherpreise“, sagte ein Händler gegenüber Verivox.

Erst wenn die Preise über Monate hinweg ein niedriges Niveau haben, werde dies auf den Gasrechnungen der Haushaltskunden zu sehen sein, heißt es weiter.

Bund und Länder hatten Anfang November eine Reihe von Maßnahmen beschlossen. Danach sollen Verbraucher eine Einmalzahlung im Dezember erhalten - auf Basis der Abschlagszahlung vom September 2022. Für Privatkunden und kleine Unternehmen soll außerdem von März an ein Gaspreis von 12 Cent je KWh für 80 Prozent der üblichen Verbrauchsmenge gelten.

Die Bundesländer hatten auf einen früheren Start der Gaspreisbremse zum 1. Januar gedrängt. Nun wird eine Umsetzung für Februar 2023 angestrebt. Gelten soll die Gaspreisbremse dann bis April 2024.

Was, wenn das Gas knapp wird? Die Kommunen in Niedersachsen haben dafür verschiedene Notfallpläne.

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert

Mehr zu diesem Thema

Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Messerückblick EuroTier
  • Amtsantritt von Miriam Staudte
  • Biogasanlagen droht Insolvenz
  • Schlepper-Lichterfahrt: Infos zu Führerschein & Co.
  • Adventsrezepte mit Walnüssen

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen