Bildbeschreibung: Bäckereien in der Krise: Die energieintensive Branche kämpft seit Monaten mit den steigenden Energiepreise. Brot und Brötchen werden dadurch teurer.

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Viktoria Hoffmann | am

Handwerk schrumpft: Warum schließen so viele Bäckereien?

Derzeit schließen immer mehr Traditionsbäckereien, die ihre treuen Kunden teilweise schon seit 90 Jahren mit Brot, Brötchen und Kuchen versorgen. Während manche Kunden mit den Tränen kämpfen, fragen sich andere, warum genau die Bäckereien schließen müssen. Hier die Antworten.

Während der Corona-Pandemie gab es Gewinner und Verlierer – große Supermärkte und Bringdienste konnten den Ansturm kaum bewältigen, während kleinere Handwerksbetriebe, unter anderem auch Bäckereien, unter dem Lockdown litten. Als im Februar diesen Jahres der Ukraine-Krieg begann, wurden Rohstoffe wie Weizen schnell knapp und teuer. Zeitgleich schossen die Preise für Öl, Gas und Strom in die Höhe.

Ukraine-Krieg, Rohstoffmangel und hohe Energiepreise ruinieren Bäckereien

Der Teufelskreis aus den sich gegenseitig verstärkenden Krisen macht den Bäckereien enorm zu schaffen. Einige können dem Kostendruck nicht mehr standhalten und entschließen sich dazu, ihre Bäckerei für immer zu schließen. So erging es auch der Traditionsbäckerei Schlechtrimen in Köln.

Auf Facebook schreibt die Bäckerei: „Verschiedene, sich gegenseitig verstärkende Krisen machen es nötig, kurzfristig die endgültige Betriebsschließung zu erklären.“ In ihrem Schreiben erklärt die Bäckerei auch, dass sie seit einiger Zeit mit mehren Krisen jongliere: „offene Stellen, fehlendes Personal, Schließungen wegen der Corona-Pandemie, extreme Erhöhung der Rohstoffkosten.“

Dazu käme noch die aktuelle Explosion der Energiekosten und die weiteren Kostensteigerung beim Personal. Gleichzeitig erlebt die Bäckerei auch eine bis dahin unbekannte Kaufzurückhaltung.

Kostensteigerungen seit Anfang 2022

Seit Anfang des Jahres steigen die Preise unaufhörlich. Die Bäckerei Schlechtrimen erklärt, dass sie bei den Rohstoffen eine Kostensteigerung von 45 Prozent verzeichnet. Zudem stiegen die Personalkosten um 14 Prozent. Und die Preise für Energie hätten sich um 70 Prozent erhöht.

Um die gestiegenen Kosten zu kompensieren, könnte die Bäckerei Materialkosten sparen, Butter durch Margarine ersetzen, TK-Croissants anstelle von handgemachten anbieten, die Stückzahlen reduzieren, das Licht runterdrehen oder beim Personal sparen – doch das kommt für die Bäckerei Schlechtrimen nicht in Frage. Daran denke die Bäckerei nicht, weil es sich dabei nicht um Marginalitäten handele.

„Das aufwendige Geschäftsmodell der handwerklichen Herstellung mit einem 1:1 Bedienungsverkauf kann einfach nicht billig sein. Wir werden trotzdem versuchen, unserem Slow-Baking Versprechen zum Schluss treu zu bleien und unsere Mitarbeiter nicht zu überlasten.“

Härtefallfonds: Bäckerverband fordert Unterstützung von der Regierung

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e. V. geht davon aus, dass viele Unternehmen die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise bald nicht mehr stemmen können. Prognosen des Verbands sagen für 2023 voraus, dass sich die Strompreise verdreifachen und die Gaspreise verfünffachen könnten.

Diese wurden zwar angekündigt, aber nicht konkretisiert. Bis dato sind keine Details bekannt oder liegen verbindliche Beschlüsse der Bundesregierung zu einer Gas-, Strompreisbremse oder Härtefallregelung vor.

„Die bisherigen Entlastungspakete und der Vorschlag der Expertenkommission bringen unseren Betrieben keine ausreichenden Entlastungen. Deutschland verliert gerade wertvolle Zeit. Unsere Betriebe und ihre rund 250.000 Beschäftigte benötigen jetzt eine schnelle, parteiübergreifende und zielführende Strategie. Wir fordern kurzfristig einen Härtefallfonds für unsere Betriebe, mit dem schnell, effektiv und unbürokratisch Hilfen gewährt werden!“, sagte Michael Wippler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks in einem Gespräch mit Wirtschaftsminister Robert Habeck.

Bäcker brauchen konkrete Verfahren

Aus Sicht des Bäckerhandwerks reicht der Vorschlag der Expertenkommission nicht aus. So weist Geschäftsführer Dr. Friedemann Berg darauf hin, dass zwar rund 70 Prozent der Handwerksbäcker mit Gas backen, die übrigen Betriebe jedoch andere Energieträger nutzen. Diese sehen sich ebenfalls enormen Energiekosten ausgesetzt, für die jedoch bislang keine Hilfen vorgesehen seien:

„Wir brauchen jetzt sowohl konkrete Details zur Gaspreisbremse als auch eine ausgearbeitete Strompreisbremse, die in einem beschleunigten Gesetzgebungsverfahren umgesetzt werden.“

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