Heidi Schulz ist „Schiedsrichterin“, wenn die beiden Gesellschafter nicht auf einen Nenner kommen. Das ist aber eher selten der Fall.

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Petra Witte | am

Die Hofnachfolge mit einer GbR regeln

In Belau im Wendland arbeiten Heinrich Schulz und Hannes Gerstenkorn seit einigen Monaten in einer GbR zusammen. Damit soll auf dem landwirtschaftlichen Betrieb die Nachfolge gesichert werden.

„Wir sind uns noch nicht einig“, sagt Heinrich Schulz mit einem Blick auf das kräftige Bullenkalb. Bei dem Absetzer müssen er und Hannes Gerstenkorn entscheiden, ob sie ihn verkaufen oder als künftigen Deckbullen behalten wollen.

Bis vor einigen Wochen wäre das die alleinige Entscheidung des 60-Jährigen gewesen, doch seit dem 1. Juli bewirtschaften Schulz und sein bisheriger Mitarbeiter in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) als gleichberechtigte Gesellschafter den Bio-Mutterkuhbetrieb in Belau im Süden des Landkreises Lüchow-Dannenberg. „Das heißt, dass wir uns ständig darüber streiten müssen, wer das Sagen hat“, sagt Heinrich Schulz mit einem Lächeln. Seine Frau Heidi Schulz sei in solchen Fällen die „Schiedsrichterin“. Man müsse sich jetzt als Gleichberechtigte „beschnuppern“ und die Aufgabenbereich neu abstecken, fügt Hannes Gerstenkorn hinzu.

Perspektive Betriebsleitung

Dass sie gut zusammenarbeiten, haben die beiden Landwirte in den vergangenen zwei Jahren festgestellt. Seit Sommer 2020 hatte Hannes Gerstenkorn, der eine landwirtschaftliche Lehre absolviert, Landwirtschaft studiert und seinen Meister gemacht hat, in dem Betrieb von Heinrich und Heidi Schulz 25 Stunden in der Woche mitgearbeitet – von Anfang an mit der Perspektive, später die Betriebsleitung zu übernehmen. Das Besondere in diesem Fall ist, dass nicht zwei Vollerwerbsbetriebe mit ihren jeweiligen Besitztümern oder Vater und Sohn zusammengehen, sondern Hannes Gerstenkorn in den Betrieb von Heinrich und Heidi Schulz einsteigt. Statt Kapital bringt er seine Arbeitskraft in die GbR ein und hat vor, künftig in den Betrieb zu investieren.

Ein außerfamiliärer Nachfolger war gefragt

Vor zweieinhalb Jahren hatte der aus dem Landkreis Lüneburg stammende Gerstenkorn einen Bericht über den Belauer Betrieb gelesen, in dem Heinrich Schulz erwähnte, dass er nach einem Nachfolger suche, da keines seiner vier Kinder den Hof übernehmen wolle. Bei Hannes Gerstenkorn war es genau umgekehrt. Zwar kommt seine Familie aus der Landwirtschaft und sein Vater hat einen Nebenerwerbsbetrieb mit Mutterkühen. Doch sein Großvater gab die familiäre Landwirtschaft Ende der 1970er-Jahre auf und verkaufte das Land nach und nach. Dabei war für den 26-Jährigen „im Grunde immer klar, dass ich Landwirt werden will, aber nicht angestellt, sondern zumindest ein Stück weit selbstständig.“

Bauernhaus in Niedersachsen

Die Hilfe war willkommen

Er habe seinen Kindern gesagt, dass der Hof seiner Meinung nach auch in der nächsten Generation noch eine Familie ernähren können würde, und er ihn darum gerne weitergeben würde, erzählt Heinrich Schulz, der den Hof 1989 damals auf Wunsch seines Vaters übernommen hatte. Außerdem fühlte er auch eine Verantwortung den Kollegen gegenüber, deren Wiesen er gepachtet hat und die ausschließlich Ackerbau betreiben. „Als Hannes kam, hatte ich 30 Jahre lang alles alleine gemacht. Das wurde mir langsam zu viel“, sagt der Landwirt. Für die rund 230 Rinder, darunter hundert Mutterkühe, sowie Nachzucht und den Absetzer aus dem vorherigen Jahr bewirtschaftete er – und mittlerweile die GbR – rund 200 Hektar Grünland sowie 40 Hektar Ackerland, auf denen Ackergras und Getreide als Futter angebaut werden.

Suche nach neuen Ideen

Seitdem Hannes Gerstenkorn als Partner eingestiegen ist, gibt es „eigentlich nicht genug Arbeit für uns beide“. Dazu kommt die Unsicherheit, wie sich der Fleischkonsum in der Gesellschaft entwickelt und wie es in den derzeit schwierigen Zeiten bei Naturschutz-Prämien und Ausgleichszahlungen weitergehen wird. „Es ist schwierig zu planen. Der Hof ist sehr abhängig von den politischen Vorgaben“, wissen die Gesellschafter. Trotzdem sind sie auf der Suche nach Ideen für weitere Standbeine. 

Hofuebergabe-Schluessel-lpx_00140487

Inhalte der Ausgabe

  • Messerückblick EuroTier
  • Amtsantritt von Miriam Staudte
  • Biogasanlagen droht Insolvenz
  • Schlepper-Lichterfahrt: Infos zu Führerschein & Co.
  • Adventsrezepte mit Walnüssen

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Messerückblick EuroTier
  • Amtsantritt von Miriam Staudte
  • Biogasanlagen droht Insolvenz
  • Schlepper-Lichterfahrt: Infos zu Führerschein & Co.
  • Adventsrezepte mit Walnüssen

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen