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Renate Bergmann | am

Hofübergabe: Familie Hullmann aus Varel hat ihre Lösung gefunden

Eine Hofübergabe außerhalb der Familie? Für viele unvorstellbar. Familie Hullmann aus Varel, Kreis Friesland in Niedersachsen, hat diesen Weg für ihren Milchviehbetrieb gewählt.

Das wollte sich das Ehepaar Hullmann aus Varel im Kreis Friesland nicht antun: Den Betrieb langsam auslaufen lassen, wenn kein Hofnachfolger innerhalb der Familie gefunden wird, keine neuen Maschinen anschaffen, in Ställe nicht mehr investieren, die Gebäude verfallen lassen.

Renke und Traute Hullmann bewirtschaften einen Milchviehbetrieb, direkt am Jadebusen. Der Landwirt erinnert sich: "Da ist man gerade erst 40 Jahre alt und stellt sich die Frage: Lohnt sich der Bau eines neuen Stalles noch? Das ist doch grausam.“Über die Jahre und zwei Generationen  ist sein Hof stetig gewachsen. Heute gehören 240 Milchkühe mit Nachzucht und 90 Mastbullen zum Betrieb, dazu kommen 120 Hektar Grünland und 140 Hektar Ackerbau mit Mais, Getreide Raps und Ackerbohnen.

Frühe Gedanken an die Hofübergabe

Doch obwohl es ein gutgehender, zukunftsträchtiger Betrieb ist, war früh klar, dass keines der Hullmann-Kinder den Hof übernehmen würde. Aber einfach auslaufen lassen? Verkaufen und wegziehen? „Das war keine Option“, so berichtet Traute Hullmann. „Wir lieben den Betrieb, die Gegend und die Arbeit. Hier wegziehen kommt für uns nicht in Frage“.

Und so haben sie sich schon früh mit ersten Überlegungen getragen, den Betrieb außerhalb der Familie zu übergeben. Zu früh, haben einige Kollegen gesagt, als Hullmanns sich 2009 erste Gedanken über das „Wie“ gemacht haben und Seminare zu dem Thema besuchten. Damals waren beide gerade mal Anfang 40. Doch, sie waren sich sicher, dass man damit gar nicht früh genug anfangen kann.

Ein paar Jahre vor der Rente, oder wenn es körperlich vielleicht nicht mehr so gut geht, ist es einfach zu spät. „Wir wollten den Betrieb im vollen Lauf übergeben“, sagt Renke Hullmann. Und dafür müsse man rechtzeitig planen, wo es hin gehen soll.

Romke Kleyhauer gefiel der Milchviehbetrieb

Dieser Gedanke reifte über die Zeit. „Wir hatten einen Mitarbeiter, bei dem sowohl meine Frau als auch ich uns vorstellen konnten, an ihn den Betrieb zu übergeben. Der Mitarbeiter war Romke Kleyhauer. Der heute 31-jährige Romke Kleyhauer besuchte nach der landwirtschaftlichen Ausbildung die Fachschule und absolvierte den praktischen Teil auf dem Betrieb Hullmann.

„Wir hatten schon immer Auszubildende und auch Fremdarbeitskräfte“, erzählt Renke Hullmann. Doch Auszubildende und Mitarbeiter wechseln, Auszubildende sind meist zu jung, um intensiv in Betriebsplanungen einbezogen werden zu können. „Das ist mit älteren, die die Fachschule besuchen, anders“, sagt Renke.Und Romke gefiel es auf dem Betrieb Hullmann. „Ich wollte eigentlich noch mal wechseln, um was anderes zu sehen. Aber hier passte alles, von der Arbeit bis zu den Menschen.“ Romke übernahm immer mehr Verantwortung für „seinen“ Bereich, das Milchvieh, und 2007 machte er seine Meisterausbildung.

Als Nachfolger in die Betriebsführung hineinwachsen

So lernte er den Betrieb nicht nur von der produktionstechnischen, sondern auch von der finanziellen Seite ganz genau kennen. Er wuchs in die Betriebsführung hinein. Genauso wie seine heutige Frau Bente.

Die beiden lernten sich während Bentes Ausbildung kennen. Vor vier Jahren hat auch sie ihren „Meister“ auf dem Hullmann-Hof erfolgreich absolviert. Somit wussten die beiden genau, welche Möglichkeiten der Hof ihnen bot, als Hullmanns mit der Idee, in den Betrieb einzusteigen, an sie herantraten.

„Dadurch, dass wir beide auf dem Hof arbeiten und unsere Meisterausbildung hier gemacht haben“, sagt Bente, „kannten wir den Betrieb, die Betriebszahlen und die Arbeitsabläufe." Sie wussten, was auf sie zukommen würde.

Doch einfach so einsteigen?  Wie regelt man das, denn soviel Geld, den Betrieb mal ebenso abzukaufen, hatten die jungen Leute natürlich nicht. „Wir haben oft und lange darüber gesprochen, und haben uns Hilfe geholt, bei der Landwirtschaftskammer und beim Beratungsring“, sagen Hullmann, und Kleyhauers rückblickend. Das war ihnen enorm wichtig.

Einen Mentor für die GbR

Denn es ging nicht nur um die rechtlichen Fragen. Wichtiger ist, wie kommen die Familienmitglieder untereinander auf Dauer klar. „Der Berater hat auch als Mentor fungiert“, erzählen sie, „wir haben uns über ein Jahr lang mindestens einmal im Monat zusammengesetzt. Das machen wir heute noch so.“

Dabei wird nach wie vor kein Blatt vor den Mund genommen. Es wurde nicht nur angesprochen, was jeden an dem anderen stört, es wurde ganz konkret aufgeschrieben.

Das war, wie die Vier versichern, nicht immer einfach, aber absolut notwendig. Denn jetzt weiß jeder, wie der andere tickt und keiner soll dann in ein paar Jahren darüber meckern. Daran halten sich alle heute, zwei Jahre nach GbR-Gründung, immer noch.

Alle setzen sich weiterhin zusammen und besprechen die Arbeitsabläufe, aber auch das, was ihnen nicht gefällt. "Wir wissen, dass jeder von uns stets daran arbeiten muss, dass es funktioniert. Darum dürfen wir nichts in uns reinfressen“, erklären sie übereinstimmend.

GbR als geeignete Rechtsform

Die rechtlichen Regelungen seien einfacher gewesen. Es zeigte sich sehr schnell, dass eine GbR die geeignete Rechtsform ist. Auch die Aufteilung war klar: Kleyhauers bringen ihre gesamte Arbeitskraft ein, Hullmanns den Hof und ihre Arbeitskraft. Alle Punkte wurden dabei mit externer Hilfe monetär bewertet.

Absolute Offenheit war dabei wichtig. So werden, nach den Lohnkosten, auch die Gewinne aufgeteilt. „Das funktioniert sehr gut. Da jeder den Betrieb voranbringen will, gibt es keinen, der alles Geld einfach rauszieht. Wir investieren in den Betrieb und in die Zukunft. Und die „weichenden Erben“? „Die sind natürlich vorher gefragt worden. Unseren Kindern haben wir nichts verbaut. Und wenn sie wirklich wollten, könnten sie nach uns als GbR–Partner einsteigen“, sagt Renke Hullmann.

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