Hofübergabe

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Christina Lüllmann, LWK Niedersachsen | am

Hofübergabe ist nicht nur ein Datum

Die Hofübergabe ist eine wichtig Entscheidung für die Zukunft des Betriebs – und ein Prozess, der eine Weile dauert. Und was, wenn die Kinder gar nicht weitermachen wollen? Die LWK berät Übergeber und Übernehmer.

Zweimal im Leben hat in der Regel jede Landwirtin und jeder Landwirt mit einer Hofübergabe zu tun: einmal als Übernehmer und einmal als Übergeber. War früher die Betriebsübernahme durch eines der Kinder selbstverständlich, steht die Übergebergeneration zunehmend vor der Frage, ob die eigenen Kinder den landwirtschaftlichen Betrieb tatsächlich übernehmen. Denn die Berufsentscheidung junger Menschen wird immer öfter unabhängig vom familiengeführten Betrieb getroffen. Gleichzeitig steigt das Interesse junger Menschen ohne betrieblichen Hintergrund, einen Hof zu übernehmen und selbstständig zu führen.

Übergabe ist ein Prozess

Unabhängig davon, ob es sich um eine inner- oder außerfamiliäre Hofübergabe handelt, durchlaufen sowohl Übergeber als auch Übernehmer in diesem Prozess, der durchaus Jahre dauern kann, unterschiedliche Phasen. Während dieser Zeit werden Fragen aufgeworfen, Ideen gesammelt, Bedürfnisse entdeckt, Themen diskutiert und vielerlei umgesetzt. Dabei spielen Faktoren, wie zum Beispiel der Ausbildungsstand des Übernehmers oder kurzfristige Entscheidungen zur Betriebsentwicklung, eine große Rolle.

Die Suche nach dem Hofnachfolger

Zu Beginn des Übergabeprozesses ist es wichtig, dass der Hofübergeber sich mit den eigenen Zielen auseinandersetzt. Fragen wie „Wer wird den Betrieb übernehmen?“, „Wie soll mein Alltag nach der Betriebsübergabe aussehen?“ oder „Wann soll die Übergabe stattfinden?“ sowie „Wie werden die weichenden Erben abgefunden?“ sollten anfänglich von ihm beantwortet werden. Ist eine familiäre Hofnachfolge nicht absehbar, stellt sich zudem die Frage „Wo finde ich einen Hofnachfolger, der zu mir und meinem Betrieb passt?“ Gleichzeitig sollte sich auch der Übernehmer Gedanken über seine beruflichen Ziele auf dem Betrieb machen und darüber, wie sich diese mit weiteren Lebenszielen vereinbaren lassen. Bei einer Hofübergabe müssen außerdem bisherige Tätigkeits- und Verantwortungsfelder umorganisiert werden.

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Möglichkeiten der Hofübergabe

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Hofübergabe zu gestalten. Oft werden Zwischenlösungen oder Vorschaltungen wie eine Vater-Sohn/Tochter-GbR oder eine Verpachtung an den Nachfolger anvisiert. Aber auch das Wachstum der Betriebe hin zu mehr gewerblichen Einkünften ist immer wieder ein Punkt. Dabei gilt es, alle Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen. Dazu sollten ein geeigneter Steuerberater und gegebenenfalls ein Fachanwalt für Höferecht hinzugezogen werden.

Wichtig: Künftige Wohnsituation

Den Hofübergabeprozess begleiten außerdem noch weitere Themen wie Altenteilsleistungen, Abfindungen der weichenden Erben oder Pachtzahlungen. Wichtig ist auch die künftige Wohnsituation aller Beteiligten. Denn der Betrieb ist nicht nur die Arbeits-, sondern häufig auch die Wohnstätte sowohl des Übergebers als auch des Übernehmers, womit das Bedürfnis nach Wahrnehmung und Respekt unterschiedlicher Lebensentwürfe entsteht. Das Sicherheitsbedürfnis der übergebenden Generation steigt häufig mit der Abgabe der Verantwortung, was zu Unverständnis auf der übernehmenden Seite führen kann. Nicht zu vergessen ist auch das Informationsbedürfnis der weichenden Erben.

Vor- und Nachteile prüfen

Letztlich gelingt eine nachhaltige Hofübergabe dann, wenn die Visionen, Wünsche und Bedürfnisse aller Beteiligten bekannt sind, bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden und steuerliche und erbrechtliche Fragestellungen mit allen Vor- und Nachteilen sorgfältig abgewogen und umgesetzt werden. Die Sozioökonomische Beratung der LWK Niedersachsen unterstützt Sie bei der Hofübergabe.

Seminare zu Hofübergaben

Außerdem lädt die LWK Niedersachsen alle Interessierten, besonders aber Hofübergeber und Hofübernehmer, zu Hofübergabeseminaren ein. Dabei geht es darum, über den Tellerrand zu blicken, eigene Wünsche zu formulieren und erste steuerliche und erbrechtliche Basisinformationen zu erhalten. Denn: Die Hofübergabe ist nicht nur ein Datum.

Weitere Infos unter www.lwk-niedersachsen.de

Podcast: Tipps zur Hofübergabe

Tipps und Informationen zur Hofübergabe können Sie in unserem LAND & FORST-Podcast „Die Wegweiser“ unter anderem auf unserer Webseite www.landundforst.de und bei allen gängigen Podcast-Anbietern wie etwa Spotify (nach-)hören.

Ein Junglandwirt mit einem Ferkel auf dem Arm.

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