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Albert Spreu, RKL | am

Hygienisch sauber durch die Lagerzeit

Wer bis jetzt noch Getreide lagert oder dieses überjährig lagern will, geht bewusst ein höheres Risiko in der Lagerhaltung ein. Wie Sie gesundes und handelsfähiges Getreide über die Lagerperiode hin schädlingsfrei halten.

Der Klassiker unter den Lagerschädlingen ist der Getreidekäfer, der als Synonym für eine ganze Reihe von unterschiedlichen Arten steht. Der wohl bekannteste Schädling ist der Kornkäfer. Er befällt nahezu alle Druschfrüchte, wobei er an Hülsenfrüchten zugrunde geht. Da dem Kornkäfer eine Vielzahl an Pflanzen als Reservoir dient, kann er mit der Erntekette ins Getreidelager gelangen. Der Käfer ist 2 bis 5 Millimeter groß, dunkelbraun und hat einen rüsselförmigen Kopf.

Das typische Schadbild:

Das typische Schadbild sind angefressene Körner im Bereich des Mehlkörpers. Neben der Schädigung des Korns steigt infolge der Aktivität der Tiere die Temperatur und Luftfeuchtigkeit an, sodass es zu Sekundärschäden durch Milben und Schimmelpilze kommen kann. Werden mehrere Früchte gelagert, bevorzugt der Kornkäfer stets den Roggen. Der Kornkäfer braucht eine Temperatur von mindestens 13°C, die Weibchen legen 200 bis 300 Eier. Wird die Erntetemperatur von etwa 25°C im Getreidestapel nicht unverzüglich herunter gekühlt, beträgt die ganze Entwicklung vom Ei bis zum Käfer etwa einen Monat. Auch wenn ein Getreidelager auf unter 10°C gekühlt wird, kann dieser Käfer bis zu zwei Jahre überleben. Dies heißt: bei Befall ist nicht nur das Lagergut zu behandeln, es muss auch eine gründliche Leerraumbehandlung stattfinden.

Der Getreideplattkäfer

Der Getreideplattkäfer ist mit 2 bis 3 Millimeter etwas kleiner als der Kornkäfer, aber nicht weniger schädlich. Im Unterschied zum Kornkäfer ist der Getreideplattkäfer flugfähig - allerdings nur bei Temperaturen von über 18°C. Er besitzt Mundwerkzeuge und bevorzugt bereits angefressene Körner und Bruchkorn. Der Befall mit diesen Käfern spricht für eine nicht fachgerechte bzw. technisch nicht ausreichende Kühlung. Kühlvorgänge mit Außenluft, wie sie bei uns üblich sind, erzeugen immer eine Aroma-Fahne. Diese kann von einem Getreideplattkäfer im Umkreis von zwei Kilometern wahrgenommen werden. Jedoch nur bei Außenlufttemperaturen über 18° C ist er in der Lage, das Getreidelager, aber auch Rundsilozellen, anzufliegen und zu besiedeln.

Der Getreidekapuziner:

Der dritte Schädling ist der Getreidekapuziner, dessen Halsschild, über den Kopf, wie eine Art Kapuze herüber ragt. Er ist 2,5 bis 4 Millimeter groß, hat eine zylindrische Gestalt und ist rotbraun gefärbt. Im Gegensatz zu den anderen Käfern ernährt sich dieser von den eiweißhaltigen Bestandteilen des Korns und ist für eine Qualitätsminderung verantwortlich. Der Getreidekapuziner ist relativ unempfindlich gegenüber den handelsüblichen Kontaktinsektiziden, jedoch benötigt er eine Temperatur von über 20°C, sodass bei einer guten fachlichen Praxis ein Befall im Getreidelager unwahrscheinlich ist.

Der Mehlkäfer

Vorwiegend in älteren Speichern mit einem großen Anteil an Holzbauten findet man den Mehlkäfer. Er ist mit bis zu 18 Millimetern relativ groß. Eine der häufigsten Besiedelungswege erfolgt über bereits befallene Ware oder aber über ein Eindringen von Vögeln ins Getreidelager, die im Federkleid Eier oder Puppen transportieren. Das bedeutet: ein Getreidelager sollte vogeldicht sein. Die Bekämpfung ist relativ schwierig, da durch Kontaktinsektizide meist nur die adulten Käfer erreicht werden. Der Entwicklungszyklus beträgt etwa ein Jahr, was die Behandlung erschwert. Als nachhaltige Lösung hat sich gerade in Getreidespeichern eine Kieselgurbehandlung in Kombination mit Pheromonfallen bewährt.

Die Lösungen:

Alle Käfer sorgen dafür, dass durch eine fachgerechte Kühlung eine Besiedelung und Etablierung in unseren Lagergütern schlecht gelingt. Daher sollte die Getreidekühlung auf den Standort, das Lagersystem und das Lagergut abgestimmt werden. Kommt es zu einem Befall, sollte die Art bestimmt und danach die Bekämpfungsstrategie gewählt werden. 

Eine Begasung mit Phosphorwasserstoff ist weit verbreitet, aber nur in geschlossenen Räumen möglich. Da ein Befall auch im Flachlager stattfinden kann, werden die zu behandelnden Partien mit Folie luftdicht verschlossen. Dieses Verfahren ist sehr aufwendig und wird nur von professionellen Schädlingsbekämpfern angewandt. Eine mehrmalige Behandlung ist immer notwendig, da die Larven der beschrieben Käfer eine sehr geringe Atemfrequenz haben und die Mortalität pro Behandlung nur bei etwa 50 Prozent liegt.

Lösungen für akuten Befall:

Bei akutem Befall ist eine Behandlung mit Kontaktinsektiziden, wie K-Obilo EC 25, möglich. Eine standardisierte Applikationstechnik ist flächendeckend nicht im Einsatz. Oftmals findet man in der Praxis Eigenkonstruktionen mit fragwürdiger Applikationssicherheit. Das behandelte Getreide sollte möglichst noch einige Tage in der Lagerzelle verweilen, da eine Behandlung mit Kontaktinsektiziden den Feuchtegehalt um etwa 0,5 Prozent anhebt und dieser durch einen neuerlichen Kühlvorgang wieder entzogen werden kann. Eine Reinigung des behandelten Getreides über einen scharf eingestellten Windsichter ist ratsam, jedoch nicht zwingend notwendig. 

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