Kälber fressen in ihrem Stall

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Jan-Gerd Ahlers | am

Kälberfütterung: Tränke- und Absetzphase verlängern?

Wie sollten Milchviehhalter nach der ad libitum-Phase füttern, um reduziertes Wachstum zu vermeiden? Ein Praxisversuch.

Immer wieder taucht die Frage bei Milchviehhaltern auf, wie das Fütterungsregime nach der ad libitum-Phase gestaltet werden kann, um reduzierte Wachstumsraten zu vermeiden. Der nachfolgend beschriebene Praxisversuch gibt Antworten.

Damit in den ersten vier bis fünf Lebenswochen von Aufzuchtkälbern tägliche Zunahmen von mindestens 800 g pro Tag möglich werden, müssen zum einen die trächtigen Kühe bedarfsgerecht gefüttert werden. Zudem werden mit der Erstkolostrumversorgung und der Fütterung von Transitmilch in den ersten drei bis fünf Tagen nach der Geburt die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Kälberaufzucht geschaffen.

Danach ist eine intensive Fütterung innerhalb der ersten drei bis fünf Lebenswochen von mindestens 1 kg Trockenmasse MAT pro Tag für die Wachstumsraten von Kälbern entscheidend.

Kälber in Absetzperiode herausgefordert

Auf Praxisbetrieben werden nach Intensivierung der Kälberaufzucht die Beobachtungen gemacht, dass die jungen Tiere in der Absetzperiode mit einer großen Herausforderung konfrontiert sind – der Entwicklung zum Wiederkäuer.

Mit steigender Intensivierung der Kälberfütterung wird es für Jungtiere schwieriger, den Übergang zum Wiederkäuer zu meistern. Ein Versuch auf einem Praxisbetrieb sollte zeigen, wie eine Absetzstrategie nach der ad libitum-Tränke aussehen muss.

Zwei Versuchsdurchläufe

Dazu wurden 80 Deutsche Holstein-Kälber bereits am fünften Lebenstag von der Einzelhaltung in die Gruppenhaltung mit Automatenfütterung umgestallt. In zwei Versuchsdurchläufen wurden jeweils zwei Gruppen zu je 20 Kälbern nach einer ad libitum-Periode von fünf Wochen in unterschiedlichen Zeiträumen abgetränkt.

Die Kontrollgruppe wurde innerhalb von fünf Wochen, die Versuchsgruppe innerhalb von neun Wochen von 12 auf 2 l MAT-Tränke pro Tag abgesetzt. Daraus ergaben sich Tränkephasen von 10 bzw. 14 Wochen. Die MAT-Konzentration betrug 163 g/l Wasser.

Im Rahmen der Versuchsanordnung wurden die tierindividuelle MAT- und KF-Aufnahme pro Tag per Tränkeautomaten bis zur 16. Lebenswoche erfasst.

Kälber zweimal wöchentlich gewogen

Um die KF-Aufnahme zu den unterschiedlichen Absetzzeitpunkten der zwei Fütterungsvarianten vergleichbar zu machen, wurde die KF-Aufnahme in g TM pro kg LM berechnet. Von jedem Tier wurde das Einstall- und Endgewicht erfasst. Um ein möglichst genaues Bild von dem Wachstumsverlauf der Kälber zu erhalten, wurde jedes Tier zweimal wöchentlich gewogen.

Die MAT-Aufnahme war entsprechend des Tränkeplans bei den 14 Wochen getränkten Versuchstieren um 31,5 kg TM erhöht. Gleichzeitig ist die Kraftfutteraufnahme bei den Versuchstieren um etwa 19 kg TM reduziert gewesen. Daraus resultierten für die 14 Wochen getränkten Tiere im Durchschnitt höhere Energie- und Rohproteinaufnahmen pro Tag.

Aufnahme von Kraftfutter gemessen

Trotz der signifikant geringeren Kraftfutteraufnahme der 14 Wochen getränkten Kälber in den Lebenswochen 6 bis 14 nahmen diese in dieser Zeit signifikant mehr TM aus Kraftfutter und vor allem MAT auf. In den Lebenswochen 15 und 16, in denen beide Gruppen keine MAT-Tränke mehr erhielten, war kein Unterschied bezüglich der Kraftfutteraufnahme festzustellen.

Die Kraftfutteraufnahme pro kg LM war in der Versuchsgruppe zwei Wochen vor dem Absetzen nahezu doppelt so hoch wie die der Kontrolltiere. In der letzten Woche vor dem endgültigen Absetzen steigerten die Kontrolltiere die Kraftfutteraufnahme enorm. So war die Kraftfutteraufnahme der Versuchstiere in dieser Zeit nur tendenziell höher. In den zwei Wochen nach dem Absetzen nahmen die Kontrolltiere signifikant mehr Kraftfutter pro kg LM auf.

Mehr über die Versuchsergebnisse zur Kälberfütterung lesen Sie in der LAND & FORST 50/19.

Mit Material von Christina Kuck, Prof. Dr. Heiner Westendarp (Hochschule Osnabrück), Johannes Kordesee (Potsdam)

Tabellen zum Download

Gesamtaufnahme von Milchaustauscher und Kraftfutter
Effekt des Absetzalters auf die Kraftfutter- und Trockenmasseaufnahme
Effekt des Absetzalters auf die mittlere Kraftfutter-Aufnahme

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