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Sabine Leopold | am

Kaninchenmast in der Landwirtschaft: Bestes Fleisch mit wenig Aufwand

Kaninchen können auf fast jedem Hof günstig gehalten werden. Denn die kleinen Proteinlieferanten sind wenig anspruchsvoll.

Wer auf dem Dorf lebt, kann in den meisten Fällen auch Kaninchen halten. Die Kleinsäuger sind vor allem auf Landwirtschaftsbetrieben relativ einfach unterzubringen und zu unterhalten. Die Selbstversorgung mit schmackhaftem und gesundem Kaninchenfleisch, eventuell aber auch eine Direktvermarktung, wird daher für viele Haupt- und Nebenerwerbslandwirte immer interessanter. Auf den meisten Höfen findet sich ohne Weiteres Platz für Kaninchenställe. Möglicherweise lassen sich auch leer stehende Gebäudehüllen umnutzen. Der Einstieg in die Haltung ist nicht schwer.

Für Einsteiger: Warum Kaninchen?

Kaninchenfleisch ist sehr fettarm. Mit einem Fettgehalt von nur rund drei Prozent enthält es weniger Kalorien als Hähnchen- oder Putenfleisch, ist aber ebenso reich an Proteinen und B-Vitaminen. Dazu kommen vergleichsweise hohe Gehalte an gesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sowie Vitamin E. Das zarte Fleisch erinnert im Geschmack leicht an Wild. 1 kg Kaninchenfleisch (ausgenommen und bratfertig) wird im Handel für etwa 10 Euro angeboten.

Dieses Fleisch stammt überwiegend aus dem europäischen Ausland. Wenn das Kaninchen von einem örtlichen Kaninchenzüchter oder einem biozertifizierten Mastbetrieb kommt, kann das Fleisch ungefähr doppelt so viel kosten. An diesen Preisen kann man sich als Selbstvermarkter ebenfalls orientieren.

Haltung: Grundbedürfnisse beachten

Kaninchen können einzeln oder in Gruppen gehalten werden. Bei Einzelhaltung ist abzusichern, dass die Tiere sich sehen und riechen können. Stehen die Ställe in einem Gebäude, ist für ausreichend Tageslichtzufuhr zu sorgen. Die Öffnung für natürlichen Lichteinfall muss mindestens fünf Prozent der Gebäudegrundfläche ausmachen und den ganzen Raum ausleuchten.

Der Boden ist so zu gestalten, dass die Kaninchen nur so weit wie unvermeidbar mit Kot und Harn in Verbindung kommen. Auch die Luftqualität, vor allem im Bezug auf Ammoniak und CO2, sollte der Halter stets im Auge behalten. Für die Haltung von einem oder mehreren Kaninchen sind Mindestgrundflächen einzuhalten.

Zu entnehmen sind diese Werte, aufgeschlüsselt auf Rassegrößen, Haltungs- und Nutzungsformen, der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV), Abschnitt 6. Auch Freilandhaltung ist möglich. Kaninchen verkraften auch kaltes Wetter, brauchen allerdings einen Schutz gegen Hitze/Sonne, Nässe, tiefen Frost und Wind sowie einen sicheren Schutz vor Fressfeinden.

Seit einigen Wochen gab es im Kreis Minden-Lübbecke ein mysteriöses Kaninchensterben.

Fütterung: Kaninchen sind einfach zu versorgen

Kaninchenfutter dürfte auf jedem Landwirtschaftsbetrieb zur Genüge abfallen. Wichtig ist vor allem Raufutter, also Gras und Heu. Alle Kaninchen müssen jederzeit an Raufutter herankönnen. Das ist wichtig, da die Verdauung bei Hasenartigen nur dank ständigem Nachschub am Laufen gehalten wird. Neben frisch geschnittenem Gras und pilzfreiem Heu sind vor allem Gemüsereste als Kaninchenfutter geeignet. Die sprichwörtliche Möhre fällt ebenso darunter wie Sellerie, Chicoree, diverse Salatsorten oder Futterrüben.

Nur in Maßen sollten Kohlarten, Kartoffeln und Mais gefüttert werden. Meerrettich, Rhabarber, Zwiebeln, Bohnen und Erbsen dürfen bestenfalls in Kleinstmengen oder besser gar nicht verfüttert werden. Wer seine Kaninchen schneller mästen möchte, kann Fertigpelletts aus dem Handel füttern/zufüttern. Das ist allerdings deutlich kostspieliger.

Weide: Im Freiland Kleinstflächen nutzen

Kaninchen sind in der Vegetationszeit prinzipiell gut für eine Weidehaltung geeignet. So lassen sich zum Beispiel Kleinstflächen auf der Hofstelle nutzen. Am besten verwendet man für diese Zwecke ein versetzbares Gatter, entweder fertig aus dem Handel oder in Eigenbau beispielsweise aus Hühnerdraht. Wichtig ist, dass das Gehege nicht von Füchsen und Mardern zerbissen oder unterlaufen oder von Greifvögeln zerrissen werden kann.

Der mobile Weidekäfig muss regelmäßig versetzt werden, um frisches Futter zu bieten und eine Überdüngung der Fläche zu vermeiden. Besonders geeignet sind Grasflächen mit Löwenzahn. Auch Klee wird gut gefressen und vertragen. Allerdings sind aprupte Futterumstellungen zu vermeiden.

Wasser: Nicht mit Frischwasser geizen

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Kaninchen müssen jederzeit Zugang zu frischen, sauberem Wasser haben. Das gilt für die Stall- wie für die Freilandhaltung. Die Behauptung, die Tiere würden sich weitgehend über Saftfutter mit Wasser versorgen, gehört ins Reich der Märchen. Am besten eignen sich verschmutzungssichere Selbsttränken. Im Winter ist darauf zu achten, dass das Wasser nicht einfriert.

Züchtung: Kaninchenrassen für jeden Anspruch

Welche Rasse in Frage kommt, hängt von den persönlichen Ansprüchen ab. Als Mastkaninchen eignen sich vor allem mittlere und große Rassen. Wer nur robuste, fruchtbare und schnellwüchsige Tiere sucht, ist aber mit Hybriden ebenfalls gut beraten. Eine Häsin kann mehrfach im Jahr werfen. Durch eine physiologische Besonderheit kann sie sogar bereits wieder aufnehmen, obwohl sie noch trächtig ist und somit zwei verschieden alte Würfe tragen.

Ein Wurf umfasst je nach Rasse zwischen drei und zehn Jungtiere. Nach etwa 31 Tagen Trächtigkeit werden die Jungen geboren. Sie sind Nesthocker und öffnen erst nach zehn bis vierzehn Tagen ihre Augen. Nach zwei bis drei Wochen verlassen die jungen Kaninchen ihr Nest und beginnen, zusätzlich zur Muttermilch selbstständig Futter aufzunehmen. Eine Häsin säugt bis zu sieben Wochen lang. Danach können die Jungtiere abgesetzt werden.

Erfahrene Halter helfen meist gerne weiter

Wer neu in die Kaninchenhaltung einsteigen möchte, kann sich Hilfe bei erfahrenen Haltern suchen. Eine gute Möglichkeit ist der Kontakt zu einem nahegelegenen Kaninchen- oder Kleintierzuchtverein. Eine entsprechende Adressenliste für Interessenten hält der Zentralverband Deutscher Rassekaninchen-Züchter e. V. (ZDRK) bereit. Auch im Netz finden sich zahlreiche Informationsportale (kaninchen-haltung.com, kaninchenwiese.de), die sich allerdings vornehmlich auf die Hobbyhaltung als Streicheltier beziehen.

Ein Wildkaninchen auf einem Feld

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