Gelbe Flaggen vor dem Gebäude der Edeka-Zentrale Hamburg
Christel Grommel | am

Kartellamt prüft Edekas Sonderverhandlungsrunde mit Lieferanten

In einem Schreiben hatte der Konzern seine Lieferanten dazu aufgefordert, "Unterstützung bei der kaufmännischen Abbildung der Übernahme von Real-Standorten" zu leisten.

Das Kartellamt will nun eine Prüfung des Vorgehens einleiten. Auf Nachfrage der LAND & FORST bestätigte das Kartellamt, dass man sich die Sonderverhandlungsrunde mit den Lieferanten genauer anschauen werde.

Man werde die Konditionenforderungen im Hinblick auf Anzapfverbot und Verstoß gegen Vollzugsverbot prüfen und mit Nachdruck verfolgen. Dies sei Edeka in einem Brief mitgeteilt worden. 

CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann hatte das Kartellamt zudem um eine Bewertung gebeten, ob das Vorgehen von Edeka eine Umgehung des Hochzeitsrabattverbotes darstelle.

Edeka fällt im Zusammenhang mit Übernahmen nicht das erste Mal negativ beim Kartellamt auf - bereits bei der Übernahme der Plus-Märkte im Jahr 2008 hatte es Ärger aufgrund einer geforderten Beteiligung der Lieferanten gegeben. 

Sonderverhandlungsrunde mit Lieferanten

Die Lebensmittelzeitung (LZ) berichtete, dass eine Sonderverhandlungsrunde zum Thema in dieser Woche begonnen habe. Edeka-Chef Markus Mosa und Einkaufsgeschäftsführer Florian Decker hatten Lieferanten dazu schriftlich eingeladen. 

Im gleichen Schreiben kündigten sie an, dass nach der Freigabe des Deals die für Edeka vereinbarten Einkaufspreise und Konditionen "grundsätzlich" auf die Real-Märkte übertragen werden sollten. Es seien zudem "weitreichende Aktionen" geplant, "um den Erwerb der Real-Standorte kaufmännisch abzubilden". Die Industrie könne sich daran beteiligen.

ISN: Dreistes Vorgehen

Der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Dr. Torsten Staack, kritisierte dieses Vorgehen scharf.

Er bezeichnete dieses als "besonders dreist", insbesondere mit Blick auf die aktuellen Verhandlungen zu den UTP-Richtlinien. Der Konzern tanze damit auch der Bundesregierung und speziell Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf der Nase herum.

Edeka nutze seine Marktmacht aus und grenze mit diesem "unverschämten Druck auf die Lieferanten" an Nötigung. 

Mit Material von Bundeskartellamt, LZ, ISN
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