Geld-Steuern-2020
Cornelia Krieg | am

Das kommt 2020 steuerlich auf Sie zu

Neuregelungen Zum 1. Januar haben sich wieder viele Steuervorschriften geändert; neue sind hinzugekommen. Wir haben einige für Sie herausgesucht, die 2020 wirksam werden. Nennenswerte Entlastungen lassen weiter auf sich warten.

Untätigkeit kann man dem Gesetzgeber sicherlich nicht vorwerfen. In den letzten Monaten des alten Jahres hat die Berliner Gesetzesmaschinerie ein ganzes Feuerwerk an steuerlichen Neuregelungen beschlossen. Nahezu alle Steuerzahler müssen sich auf geänderte Spielregeln einstellen:

  • Höherer Grundfreibetrag: Der Grundfreibetrag steigt für 2020 um 240 Euro auf 9.408 Euro pro Steuerzahler. Verheiratete können damit im neuen Jahr 18.816 Euro steuerfrei verdienen. Der Grundfreibetrag stellt das steuerliche Existenzminimum pro Bürger, bis zu dessen Höhe der Staat keine Steuern verlangt.

    Tipp: Unterstützen Sie nahe Angehörige finanziell, können Sie diese Zahlungen bis zur Höhe des Grundfreibetrages in der Steuererklärung für 2020 als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.
     
  • Kinderfreibeträge: Die Steuerfreibeträge für Kinder in Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr steigen von 7.620 Euro auf 7.812 Euro.

    Tipp: Das Finanzamt prüft bei Abgabe einer Steuererklärung automatisch, ob mit dem Kindergeld oder den alternativ möglichen Steuerfreibeträgen für den Nachwuchs eine optimale Entlastung der Familie erreicht wird.

Dürreversicherung: Aussicht auf Senkung der Versicherungssteuer

  • Tarifglättung kommt: Die Betriebsergebnisse in der Land- und Forstwirtschaft können – nicht zuletzt durch unkalkulierbare Wetterkapriolen – stark schwanken. Im Ergebnis fallen in einem Jahr vielleicht hohe Steuern an, während im nächsten Jahr nahezu keine Gewinne übriggeblieben sind und der Fiskus leer ausgeht. Um diese Schwankungen auszugleichen, können Sie nun künftig über einen Zeitraum von drei Jahren eine Gewinnglättung beim Finanzamt beantragen. Das senkt unter dem Strich die Gesamtsteuerlast.
     
  • Dürreversicherung wird billiger: Während für die Schadrisiken Hagel, Sturm, Starkregen und Überschwemmungen bereits seit 2013 ein ermäßigter Steuersatz von 0,03 Prozent der Versicherungssumme zu zahlen ist, galt für das Risiko Dürre (Trockenheit) bisher ein Steuersatz von 19 Prozent der Versicherungsprämie. Der Bund peilt einen Verzicht auf den vollen Steuersatz für mitte des Jahres an. Die Beiträge für Trockenheitsversicherungen könnten sinken, wenn die Anbieter den Steuervorteil an ihre Kunden weiterreichen.

Mehr Geld für Minijobber


  • Weiterbildung und Gesundheit: Weiterbildungsleistungen der Firma sind jetzt auch dann steuerfrei, wenn sie nicht arbeitsplatzbezogen sind, sondern den Beschäftigten ganz allgemein in seinem beruflichen Kompetenzen voranbringen. Damit kann der Chef ab 2020 auch Sprach- und Computerkurse steuer- und sozialabgabenfrei spendieren. Auch die Grenze für steuerfreie Leistungen des Arbeitgebers zur Gesundheitsförderung seiner Mitarbeiter wurde um 100 Euro auf 600 Euro jährlich angehoben.
  • Mindestlohn für Minijobber: Die Anhebung des Mindestlohnes auf 9,35 Euro je Stunde gilt auch für Minijobber. Im neuen Jahr muss bei vielen Beschäftigungsverhältnissen also der Lohn angehoben werden. Vorsicht: Die bisher gültige Verdienstgrenze von 450 Euro monatlich gilt auch im neuen Jahr weiter. Wird diese Grenze überschritten, wird der Minijob steuer- und sozialversicherungspflichtig. Tipp: Will man höhere Steuern und Sozialabgaben vermeiden, bleibt als Ausweg nur, die Arbeitszeit zu verringern.

Klimapaket: Energetische Sanierung begünstigt

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  • Klimaschutzprogramm: Zur Erreichung der Klimaschutzziele 2030 hat die Bundesregierung im Herbst 2019 ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen. Der Ausstoß von Kohlendioxid soll ab 2021 mit zunächst 25 Euro je Tonne besteuert werden. Das wird fossile Heiz- und Kraftstoffe zunächst um bis zu 8 Cent je Liter verteuern – gleichzeitig sollen die Einnahmen aus dieser Abgabe zur Förderung erneuerbarer Energien eingesetzt werden und damit dem Bürger über niedrigerer Strompreise wieder zu Gute kommen. Die Steuer soll dann bis 2025 schrittweise auf 55 Euro je Tonne erhöht werden. Sprit und Diesel werden dann bis zu 16 Cent je Liter teurer. Für Hausbesitzer und Pendler wurden deshalb diverse Entlastungen beschlossen.
     
  • Steuerbonus für energetische Sanierung: Eigentümer selbstgenutzter Immobilien erhalten vom Finanzamt ab 2020 Steuergutschriften, wenn sie energetische Gebäudesanierungsmaßnahmen vornehmen. Gefördert werden
  1. die Heizungsumrüstung,
  2. der Einbau neuer Fenster und Türen,
  3. die Dämmung von Dächern, Geschossdecken und Außenwänden sowie
  4. der Einbau digitaler Systeme zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung.

    Die Förderung besteht aus einer direkten Steuergutschrift von 20 Prozent der Aufwendungen, maximal insgesamt 40.000 Euro. Der Steuerbonus wird verteilt auf drei Jahre ausgezahlt - im Erst- und Zweitjahr gibt es 7 Prozent der Aufwendungen zurück – maximal jeweils 14.000 Euro. Im Drittjahr gibt es dann noch einmal 6 Prozent, maximal 12.000 Euro.

    Wer den vollen Rabatt ausschöpfen will, muss mindestens 200.000 Euro investieren. Die genauen Förderbedingungen werden in einer speziellen Verordnung haarklein definiert. Auf jeden Fall werden nur selbst genutzte Immobilien gefördert, die bei Beginn der Sanierung älter als zehn Jahre sind.

    Der Bonus wird nicht gewährt, wenn die Baumaßnahme mit steuerfreien Zuschüssen oder zinsverbilligten Krediten gefördert wird. Außerdem gilt die Förderung nur für Sanierungen, die nach dem 31. Dezember 2019 begonnen und vor dem 1.Januar 2030 abgeschlossen werden
  • Abwrackprämie für Ölheizungen: Für alte Ölheizungen gibt es eine Austauschprämie. Bis zu 40 Prozent der Kosten will der Staat als Zuschuss übernehmen. Für Gebäude, in denen eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist, wird ab 2026 der Einbau von Ölheizungen verboten.

Sonderabschreibung für Wohnungen

  • Sonderabschreibung für Vermieter: Vermieter können neue Mietwohnungen, die maximal 3.000 Euro pro Quadratmeter kosten, jeweils mit 28 Prozent in den ersten vier Jahren abschreiben. Gefördert werden nur Neubauten,
  1. für die der Antrag auf Baugenehmigung ab dem 1. September 2018 gestellt wurde
  2. oder noch bis zum 31. Dezember 2021 eingereicht wird.

    Die Sonderabschreibung gibt es außerdem nur bei langfristig angelegter Vermietung. Der Eigentümer muss sie im Jahr der Fertigstellung und den folgenden neun Jahren vermieten. Wer innerhalb dieser Frist die Wohnung verkauft, selbst einzieht, sie leer stehen lässt oder auf eine kurzfristige Vermietung an Feriengäste umsattelt, verliert die Förderung rückwirkend.

    Die Sonderabschreibung gibt es für das Fertigstellungsjahr und die folgenden drei Jahre. Ende 2026 ist aber definitiv Schluss, auch wenn der Eigentümer den Förderzeitraum von vier Jahren dann noch nicht ausgeschöpft haben sollte. Das Risiko trifft vor allem Bauherren, die zwar rechtzeitig bis Ende 2021 eine Baugenehmigung beantragt haben, deren Objekt dann aber beispielsweise erst in 2024 bezugsfertig wird.

Aktien: Verluste schwerer zu verrechnen

  • Wertpapierverluste: Besitzer von Aktien, Anleihen und Optionen müssen sich auf eine deutliche Verschärfung der Spielregeln zur Verrechnung von Verlusten einstellen. Werden Aktien und Anleihen nach einer Firmenpleite wertlos, dürfen Anleger die erlittenen Totalverluste ab Neujahr nur noch bis zur Höhe von 10.000 Euro mit übrigen steuerpflichtigen Kapitalerträgen verrechnen. Nicht genutzte Verluste werden auf künftige Jahre vorgetragen.

    Ab 2021 realisierte Verluste aus Termingeschäften dürfen dann ebenfalls nur noch mit gleichartigen Gewinnen und nur noch bis maximal 10.000 Euro jährlich Steuer sparend verrechnet werden.

    Der Gesetzgeber kassiert mit dieser Gesetzesänderung anlegerfreundliche Urteile des Bundesfinanzhofs durch die Hintertür wieder ein, in denen die obersten Steuerrichter deutlich bessere Verlustverrechnungsmöglichkeiten eröffnet hatten.
Mit Material von Michael Degethof

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