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Karin Alzinger, Bayerischer Bauernverband | am

Was kommt nach der Hofübergabe? Tipps zur Alterskasse

Nach der Hofübergabe werden Unternehmer und ihre Ehepartner alterskassenpflichtig. Bei Aufnahme einer anderen Tätigkeit oder Kindererziehung kann man sich befreien lassen. Das sollte aber gut überlegt sein.

Die Landwirtschaftliche Alterskasse (LAK) ist die Rentenversicherung der Landwirte. Es besteht eine Versicherungspflicht für Unternehmerinnen und Unternehmer, ihren Ehegatten und mitarbeitende Familienangehörige (Mifas), wenn der Betrieb eine bestimmte Größe hat. Die Mindestgröße liegt für eine "normale" Landwirtschaft bei 8 ha, für Spezialkulturen bei 2,2 ha und für reine Forstbetriebe bei 75 ha. Einen Mindestgrößenrechner mit weiteren Produktionsverfahren findet man auf der Homepage der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). 

Reform bringt Befreiungsoptionen

Der LAK-Beitrag beträgt für den Unternehmer und seinen Ehegatten jeweils 258 € im Monat. Der vom Unternehmer zu zahlende Beitrag für einen mitarbeitenden Familienangehörigen beträgt die Hälfte des Unternehmerbeitrages und somit 129 €. Der Gesetzgeber hat 1995 bei der Reform der Alterskasse aber die Möglichkeit geschaffen, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen, wenn eine andere Altersabsicherung gegeben ist oder der Landwirt erst so spät versicherungspflichtig wird, dass er nicht mehr genügend Beiträge für eine spätere LAK-Altersrente aufbauen kann. Die häufigsten Befreiungsgründe sind:

  • Außerlandwirtschaftliches Einkommen aus einer abhängigen Beschäftigung oder selbstständigen Tätigkeit von mehr als 4.800 €/Jahr,
  • Kindererziehung, solange dafür Beiträge in der gesetzlichen Rentenversicherung gutgeschrieben werden (3 Jahre) oder
  • Pflege eines Pflegebedürftigen, solange dafür Pflichtbeiträge von der Pflegekasse in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt werden.

Besonders häufig machen Frauen von der zweiten und dritten Möglichkeit Gebrauch, wenn sie in jüngeren Jahren Kinder haben oder später die Eltern bzw. Schwiegereltern pflegen. In beiden Fällen zahlt entweder der Staat oder die Pflegekasse Beiträge auf das Versichertenkonto der Frau bei der Deutschen Rentenversicherung ein.

Welche Leistungen bietet die Landwirtschaftliche Altersklasse?

Die Landwirtschaftliche Alterskasse ist weit mehr als nur eine Versicherung für eine Altersrente. Ihr Leistungsspektrum ist breit gefächert.

  • Regelaltersrente: Die reguläre Altersrente erhalten Landwirte, deren Ehegatten und mitarbeitende Familienangehörige, wenn sie die Regelaltersgrenze (derzeit in der Übergangsphase von 65 auf 67 Jahre) erreicht haben und die Wartezeit von 15 Jahren erfüllen.
  • Vorzeitige Altersrente: Altersrente ab dem 65. Lebensjahr und 35 Beitragsjahren.
  • Vorzeitige Altersrente für Ehegatten: Die Rente kann bis zu zehn Jahre vor Erreichen der Altersgrenze in Anspruch genommen werden, wenn der Ehepartner bereits Anspruch auf eine Altersrente hat.
  • Rente wegen Erwerbsminderung: Die Rente wird bei eingeschränkter Erwerbsfähigkeit auch schon in jungen Jahren gezahlt. Es müssen in den letzten fünf Jahren mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge zur Alterskasse gezahlt worden sein. Wird als teilweise oder volle Erwerbsminderungsrente gezahlt, abhängig von Umfang der Erwerbsminderung.
  • Witwer-/Witwenrente: Die Rente wird gezahlt, wenn der überlebende Ehegatte älter als 47 Jahre ist oder ein Kind erzieht und der verstorbene Ehegatte die Wartezeit von fünf Jahren erfüllt hat.
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  • Waisenrente: Kinder eines verstorbenen Versicherten erhalten eine Waisenrente. Der Verstorbene muss die Wartezeit von fünf Jahren erfüllt haben. Die Waisenrente wird längstens bis zum 27. Lebensjahr des Kindes gezahlt, wenn es sich in Ausbildung befindet oder wegen einer Behinderung nicht selbst für seinen Unterhalt sorgen kann.
  • Zuschuss zum Beitrag: Einen Zuschuss erhalten Landwirte, wenn ihr jährliches Einkommen unter 23 688 € liegt. Bei Verheirateten liegt die Einkommensgrenze bei 47 367 €. Je geringer das Einkommen, desto höher der Zuschuss.
  • Betriebs- und Haushaltshilfe: Die Alterskasse leistet Betriebs- und Haushaltshilfe bei Tod eines Landwirts, bei Arbeitsunfähigkeit, Schwangerschaft und medizinischen Reha-und Vorsorgekuren.
  • Überbrückungsgeld: Bei Tod des Landwirts kann der überlebende Ehegatte Überbrückungsgeld erhalten. Voraussetzung ist, dass der überlebende Ehegatte den Betrieb weiterführt, im Haushalt ein waisenrentenberechtigtes Kind lebt und der verstorbene Unternehmer einen Anspruch auf Beitragszuschuss hatte.
  • Leistungen zur Teilhabe: Darunter versteht man Maßnahmen zur Prävention, medizinischen Rehabilitation und Nachsorge. Während dieser Maßnahmen kann auch Betriebs-und Haushaltshilfe erbracht werden.

Beitrag und Rentenhöhe in der Alterskasse

Die landwirtschaftliche Altershilfe ist eine Pflichtversicherung. Sie beginnt für viele nicht erst mit der Übernahme des Betriebes, sondern schon vorher als sogenannte Mitarbeitende Familienangehörige (MiFa), zum Beispiel, wenn der zukünftige Übernehmer bzw. die Übernehmerin nach der Ausbildung im Betrieb mitarbeitet. Der Beitrag für MiFa ist nur halb so hoch; gezahlt wird er vom Unternehmer.

Monatlicher Beitrag:

  • Unternehmer: 258 €
  • Ehegatte: 258 €
  • MiFa: 129 €

Wie hoch ist der monatliche Rentenanspruch?

Für jedes Jahr der Beitragszahlung als Unternehmer oder Ehegatte gibt es derzeit einen monatlichen Rentenanspruch von 15,79 €; für MiFa die Hälfte. Das mag manchem auf den ersten Blick wenig erscheinen. Doch eine Rente aus der Deutschen Rentenversicherung wäre für den gleichen Beitrag um ca. 10 % niedriger. Wenn sich Rentner aus der Landwirtschaft mit gesetzlich Versicherten vergleichen, vergessen sie dabei oft, dass bei den Arbeitnehmern die Hälfte des Beitrags der Arbeitgeber bezahlt. Ein Vergleich mit Selbstständigen, zum Beispiel Handwerkern, wäre hier eher angebracht. Und schon ist die Rente aus der Alterskasse gar nicht mehr so schlecht.

Den ganzen Beitrag inklusive Beispielen für eine Befreiung von der LAK wegen Kindererziehung oder einer Anstellung finden Sie in der aktuellen Ausgabe der LAND & FORST 49/21. 

Inhalte der Ausgabe

  • Ziegenmast als Nische
  • Gestiegene Betriebskosten abfedern
  • Wir findet man Mitarbeiter?
  • Kettensägenlehrgänge für Frauen
  • Grunddüngung im Herbst

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