Erntemaschinen bei der Maisernte auf einem Feld.
Dr. Olaf Zinke, agrarheute | am

Kosten fressen Erlöse: Bauern stehen mit leeren Händen da

Eine gewaltige Kostenlawine überrollt die Landwirtinnen und Landwirte. Zwar sind auch die Erlöse für viele Produkte kräftig gestiegen, doch der Kostenanstieg macht diesen Zuwachs fast komplett wieder zunichte.

Und das Schlimme daran ist: Ein Ende der Kostenexplosion ist noch gar nicht abzusehen. Deshalb sind viele der aktuellen Kostensteigerungen– wie etwa für Dünger, Diesel, Heizöl sowie für viele andere Vorprodukte und Betriebsmittel noch gar nicht richtig in der Kostenkurve des Statistischen Bundesamtes abgebildet – denn die Zahlen der Statistiker reichen nur bis Juli.

Doch auch das ist schon ein ziemlicher Horror, denn bereits seit Januar befinden sich die Kosten auf Rekordstand und steigen seitdem immer weiter. Eine vergleichbar starke Kostenexplosion hat es bislang nur vor der Finanzkrise 2007/08 und dann 2012/13 gegeben.

Doch diese Werte wurden von den laufenden Produktionskosten längst übertroffen. Auch für Investitionen, Bauten und Maschinen dreht sich die Kostenspirale immer weiter und befindet sich auf einem Allzeithoch.

Nach der Finanzkrise ging es mit den Kosten dann zwar deutlich nach unten. Davon ist bislang aber nichts zu spüren. Alle wichtigen kurzfristigen Indikatoren, wie etwa die gerade explodierende Energiepreise – Gas, Strom, Kohle und Erdöl – und die weiter steigende CO2-Steuer, treiben die Kosten für Herstellung, Transport und Verarbeitung fast aller Güter und Produkte weiter steil nach oben.

Hohe Erlöse und hohe Kosten für Ackerbauern

Dabei sieht es von der Erlösseite gar nicht so schlecht aus, sagen jedenfalls die Statistiker – wenn man einmal die katastrophale Preise für die Schweine und die Kartoffeln ausnimmt. Vor allem im Ackerbau sind die Erlöse so hoch wie seit Jahren nicht. Gleichzeitig haben die Preise für die meisten tierischen Erzeugnisse das Tal der Tränen, in das sie während der Coronakrise abgestürzt waren, wieder verlassen – mit Ausnahme der Schweine und Ferkel.

Fakt ist: Für pflanzliche Produkte waren die Erzeugerpreise im Juli knapp 11 Prozent höher als im vorigen Jahr. Angetrieben wurde dieser Preissprung von  Getreide und Raps. Dort waren die Erzeugerpreise knapp 21 Prozent und 37 Prozent höher als im Jahr zuvor. Allerdings muss man noch Getreide und Raps zu verkaufen haben. Am stärksten nach oben ging es bei Getreide – immer im Vergleich zum vorigen Jahr – beim Mais mit über 40 Prozent sowie dann bei Futtergerste, Braugerste und Brotweizen.

Berücksichtigt man die Entwicklung ab Juli, sind die Preise insbesondere Weizen– aber auch bei Gerste, Hafer sowie bei Raps erneut kräftig gestiegen – während es für Mais etwas nach unten ging. Deutlich schlechter als im vorigen Jahr wurden hingegen Kartoffeln bezahlt – dort lag der Preisabschlag im Juli bei minus 23 Prozent.

Auch die Obstpreise für Erzeuger lagen fast 7 Prozent niedriger als im Jahr zuvor –  offenbar vor allem wegen der schlechten Erdbeerpreise. Dagegen konnten die Gemüsebauern sich über etwa 9 Prozent höhere Erlöse freuen.

Schweine im Minus – andere Tierprodukte im Plus

Die Erlöse für tierische Erzeugnisse lagen im Juli knapp 8 Prozent über dem Vorjahreswert.  Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Erzeugerpreise für viele tierische Erzeugnisse – wie Milch sowie Rind- und Schweinefleisch im Coronajahr drastisch abgestürzt waren.

Zudem hat sich die Situation der Schweinebauern seit Juli dramatisch verschärft, denn die Preise für Schweine und Ferkel sind nochmals drastisch gefallen – während die Kosten immer weiter steigen.

Erfreulich ist: Die Milchpreise lagen im Juli 14 Prozent höher als im zugegebenermaßen sehr schwachen Corona-Jahr. Doch im Moment sieht alles nach weiter steigenden Milchpreisen aus.

Besonders gut kommen die Rinderhalter und Bullenmäster weg: Hier liegen die Erlöse für Schlachttiere 17 Prozent höher als im vorigen Jahr und für Schlachtkühe gab es sogar 26 Prozent mehr wie im Jahr zuvor. Und die Preise für Schlachtrinder, Kühe sind danach weiter gestiegen und dürften sich durchweg nahe ihrem Allzeithoch befinden.

Erfreulich auch: Für Schlachtkälber bekamen die Bauern ebenfalls 25 Prozent mehr als im Coronajahr. Über höhere Preise konnte sich auch die Hähnchenmäster freuen – hier gab es 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im Minus bewegten sich – neben den Schweinen – lediglich noch die Eierpreise – nämlich um etwa 7 Prozent.

Kostenspirale dreht sich immer weiter

Trotz der guten Preisentwicklung auf Erzeugerseite gibt es für die Bauern in ökonomischer Hinsicht keinerlei Entwarnung. Denn das Problem ist: Die Kosten steigen noch viel schneller und seit Juli ging es mit vielen wichtigen Kostenarten noch einmal deutlich nach oben. Ein Ende der Kostenspirale ist also nicht in Sicht.

Derzeit brechen die Düngerpreise fast jeden Tag eine neue Rekordmarke und ein Ende des Preisanstiegs ist nicht abzusehen. Ein Grund: Große Düngerhersteller wie Yara haben aufgrund der explodierenden Gaspreise ihre Produktion in Europa drastisch gekürzt. Andere Unternehmen ziehen nach.

Auch in anderen Sektoren wirkt der massive Energiepreiseanstieg preissteigernd aus: Dafür reicht schon ein Blick auf die Diesel und Holzpreise und auf die rekordhohe Stromrechnung. Diese Woche hat zudem erstmals seit 3 Jahren der Preis für das Nordseeöl Brent die 80-USD-Marke nach oben durchbrochen. Ein fatales Signal für die ohnehin überhitzten Energiemärkte.

An dieser Stelle kann man nur hoffen, dass die extrem hohen Energiepreise auch die Produktion ankurbeln und das Angebot erhöhen – so dass die Kostenspirale sich wieder etwas langsamer dreht und die Energiepreise so bald wie möglich wieder fallen.

Vielleicht stimmt die alte Analysten-Weisheit ja doch: "Die besten Medizin gegen zu hohe Preise (Kosten) sind hohe Preise." Denn dann wird die Produktion angekurbelt und das Angebot wächst.

Noch ist es aber nicht so weit und die Landwirte müssen zusehen, wie sie trotz der extrem hohen Kosten überhaupt produzieren können. Das wird in den nächsten Monaten sicher schwer genug sein.

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