Zahlreiche Düngemittelhersteller haben ihre Werke aufgrund der hohen Erdgaspreis geschlossen.
Ellen Hartmann | am

Warum die Kosten für Dünger durch steigende Erdgaspreise explodieren

Bereits jetzt haben zahlreiche Düngemittel-Hersteller ihre Werke aufgrund der hohen Erdgaspreise geschlossen. Der Supergau für Landwirtinnen und Landwirte - sie müssen nun doppelt so viel für Stickstoff bezahlen. Doch zusätzlich ist auch unklar, ob sie überhaupt welchen bekommen.

Erdgas ist derzeit so teuer, wie noch nie. Laut dem Handelsblatt sprechen Experten momentan sogar von einem "historischen Allzeithoch". Bisher schwankte der Erdgaspreis zwischen 15 und 20 Euro pro Megawattstunde (MWh), doch derzeit liegt der Preis auf einem Rekordniveau von 65 Euro pro MWH. Für die Chemieindustrie ist Erdgas als Rohstoff und Brennstoff ausschlaggebend. Insbesondere bei der Herstellung von Ammoniak und Stickstoffdüngemitteln ist Erdgas eine essenzielle Energiequelle. Aus diesem Grund wird in Deutschland jetzt auch der Dünger knapp. Denn zahlreiche große Düngemittel-Hersteller haben ihre Produktion wegen der stark gestiegenen Erdgaspreise heruntergefahren. 

Düngerpreiskrise lässt Ackerbauern verzweifeln

Viele Landwirte versetzt diese Situation nun in Panik. Sie kommen nur schwer an Dünger und wenn, dann müssen sie einen erheblichen Aufschlag zahlen. "Viele Ackerbauern sind bereits am Verzweifeln", so Karl-Friedrich Meyer, Vorsitzender des Pflanzenausschusses beim Niedersächsischen Landvolk, gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). "Nur wer Dünger vorbestellt hat, bekommt derzeit überhaupt noch etwas." Nach Angaben des Industrieverbandes Agrar würden die aktuellen Erdgaspreise "eine betriebswirtschaftlich vernünftige Erzeugung von Ammoniak" momentan nicht zulassen. Die Kostensteigerungen könne man nämlich nur "sehr begrenzt" an die Abnehmer weiterreichen. 

Was passiert mit den Erdgaspreisen?

Zwar müssen die Felder erst im Februar gedüngt werden, doch bereits jetzt würden viele Ackerbauern Dünger kaufen und lagern, so das Landvolk Niedersachsen. Das Problem: Niemand könne sagen, wie sich die Situation am Markt in den kommenden Monaten entwickelt. Händler müssen aufgrund der knappen Ware auch Kunden abweisen. "Wir verkaufen nur noch an Bestandskunden", macht Geschäftsführer Stephan Weiterer, vom gleichnamigen Landhandel in Algermissen im Landkreis Hildesheim, deutlich. Weiterer appelliert daher an alle Landwirte, nicht gleich Dünger für das ganze Jahr zu kaufen. Er hofft, dass die Preise für Gas und Dünger nicht weiter steigen. Irgendwann sei die Grenze erreicht, dann mache auch die Produktion von Getreide keinen Sinn mehr. Laut dem Landvolk würden die derzeitigen Preise für Betriebe im Durchschnitt Zusatzkosten in Höhe von 10.000 Euro bedeuten. 

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Ammoniak: Droht bald der komplette Produktionsstopp?

Vor gut zwei Wochen hatte der US-Hersteller CF Industries zwei Werke in Großbritannien geschlossen, kurz darauf erklärte der norwegische Yara-Konzern, 40 Prozent der europäischen Ammoniak-Kapazität abzuschalten. Der Yara-Konzern ist einer der größten Hersteller von Stickstoffdünger in Europa. Neben CF Industries und Yara, hat auch der Chemiekonzern BASF seine Produktion in den Werken in Antwerpen (Belgien) und in Ludwigshafen heruntergefahren. Von SWK Piesteritz, dem größten deutschen Ammoniak-Hersteller, heißt es, dass das Unternehmen seine Produktion um ein Fünftel reduzieren wolle. Unternehmenschef Per Cingr: "Ohne staatliche Maßnahmen droht in Kürze ein Produktionsstopp."

Stickstoffdünger: Wie hoch sind die Preise?

Nach Informationen der HAZ seien in deutschen Häfen zuletzt für Kalkammonsalpeter, dem wichtigsten Stickstoffdünger für Landwirte, beim Import etwa 475 Euro je Tonne berechnet worden. Für Harnstoffe seien es 750 Euro pro Tonne gewesen. 

Ihre Felder können Landwirte im Durchschnitt zur Hälfte mit Gülle aus der Viehhaltung und mit Substraten aus Biogasanlagen düngen. Was sie darüber hinaus benötigen, müssen sie zukaufen. In den vergangenen Jahren hätten die Bauern mit 80 Cent für das Kilogramm Stickstoff kalkulieren können, rechnet Karl-Friedrich Meyer vom Landvolk vor. Im Sommer hätten die Preise bei 1,20 Euro gelegen, mittlerweile sogar bereits bei 2 Euro. "Früher haben wir mit 200 bis 300 Euro an Düngerkosten pro Hektar gerechnet, jetzt droht uns mehr als das Doppelte."

Mit Material von NDR, HAZ & Handelsblatt
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