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Norbert Lehmann | am

Landwirte erzielten 2021/22 deutlich bessere Einkommen

Hohe Preise für Milch, Getreide und Raps haben den Landwirten im vergangenen Wirtschaftsjahr bessere Einkommen beschert.

Die Hausse am Milchmarkt, aber auch steigende Preise für viele Feldfrüchte haben die Einkommenssituation der Landwirte im Wirtschaftsjahr 2021/22 deutlich verbessert, allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Das zeigt eine getrennte Auswertung der ersten Buchführungsergebnisse von über 1.500 konventionellen und 59 ökologisch wirtschaftenden Betrieben in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland durch die Landwirtschaftskammern. Ein Großteil der Haupterwerbsbetriebe erzielte trotz steigender Kosten höhere Gewinne. Die wirtschaftliche Lage der Sauenhalter ist hingegen weiterhin existenzbedrohend. Die Schweinehaltung bleibt das Sorgenkind der deutschen Landwirtschaft.

Niedersächsische Betriebe setzen sich an die Spitze

Nach Angaben des Verbandes der Landwirtschaftskammern konnten die Haupterwerbsbetriebe in Niedersachen ihr Unternehmensergebnis 2021/22 mehr als verdoppeln. Die Buchführungsergebnisse der ausgewerteten Betriebe zeigen einen Anstieg des Ergebnisses von 50.383 Euro im Vorjahr auf 103.091 Euro je Unternehmen. Damit wurde auch der fünfjährige Durchschnitt der Jahre 2016/17 bis 2020/21 in Höhe von 63.420 Euro weit übertroffen. Die niedersächsischen Betriebe setzten sich damit an die Spitze der Höfe aus den fünf einbezogenen Bundesländern. Für Schleswig-Holstein errechneten die Kammern einen Anstieg des Unternehmensergebnisses um 98 % auf 92.959 Euro. In Nordrhein-Westfalen betrug das Plus knapp 59 % und das Unternehmensergebnis im Mittel 71.553 Euro.

Milchbauern erwirtschaften endlich einen Gewinn

Der Verband der Landwirtschaftskammern weist darauf hin, dass die positive Entwicklung in der Milchviehhaltung die Durchschnittswerte für alle Betriebe mit nach oben zog. Die Milchbauern erlösten zum Beispiel in Niedersachsen im betrachteten Zeitraum 42 Cent und in Schleswig-Holstein 43 Cent je kg Milch. Der Rohstoff Milch ist weltweit knapp, sodass der Milchpreis 2021/22 nach einer fast dreijährigen Seitwärtsbewegung zu einem Höhenflug angesetzt habe, berichtet die Dachorganisation der Kammern. Die eingesetzten Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital hätten vollständig vergütet werden können. Das Ziel, darüber hinaus einen Unternehmergewinn zu erwirtschaften, sei erreicht worden.

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Höhere Preise für Marktfrüchte übertreffen Kostensteigerung

Dank deutlich besserer Preise für Getreide, Raps und Kartoffeln als im Vorjahr konnten auch spezialisierte Ackerbaubetriebe ihre Gewinne steigern. In Niedersachsen verbuchten die Betriebsleiter einen Zuwachs um 24 %, in Nordrhein-Westfalen sogar um 47 %. Die absoluten Beträge der Unternehmensergebnisse bewegten sich zwischen 64.006 Euro im Saarland und 90.652 Euro in Rheinland-Pfalz. Die höheren Erlöse glichen den Anstieg der Kosten zum Beispiel für Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Diesel mehr als aus.

Lage der Schweinehalter weiter existenzbedrohend

Die Veredlungsbetriebe blickten im vergangenen Wirtschaftsjahr auf ein besseres Ergebnis als im desaströsen Vorjahr zurück, erlitten nach Darstellung der Landwirtschaftskammern aber weitere Substanzverluste. Da die Schweinepreise auf niedrigem Niveau verharrten, machten die höheren Kosten für Futtermittel und Energie den Mästern und Ferkelerzeugern zu schaffen. Die Schweinehalter in Nordrhein-Westfalen verbuchten mit 47.000 Euro einen dem Verband zufolge noch immer existenzbedrohend niedrigen Gewinn. Bei einer Nettorentabilität von 55 % konnte nur gut die Hälfte der Faktoransprüche vergütet werden. Noch schlechter war die Lage in der Ferkelerzeugung mit einer Nettorentabilität von 42 % und einem durchschnittlichen Gewinn von 39.000 Euro. Die Landwirtschaftskammern gehen daher davon aus, dass der Strukturwandel in der Veredlung anhalten wird.

Vorallem Schweinehalter, die frühzeitig in einer besser Tierhaltung investiert haben, geraten in der aktuellen Schweinekrise unter Druck. Viele, wie Dr. Holger Hennies, steigen aus.

Ergebnisse der Biobetriebe sind rückläufig

Die Biobetriebe im Einkommensvergleich der Kammern verzeichneten im vergangenen Wirtschaftsjahr im Durchschnitt deutlich rückläufige Gewinne. Das Unternehmensergebnis verschlechterte sich 2021/22 im Mittel um 21,4 Prozent auf nur noch 53.467 Euro. Eine der Ursachen: Die Naturalerträge der Betriebe fielen schlechter aus als noch im Vorjahr. Immerhin verzeichneten die ökologisch wirtschaftenden Ackerbauern beim Unternehmensergebnis ein Plus von 24 % auf 81.249 Euro. Hingegen ging das Resultat der Bio-Futterbaubetriebe um rund ein Zehntel auf 54.281 Euro zurück.

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