Mähdrescher und Traktor bei der Getreideernte

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Dr. Olaf Zinke | am

Landwirte im Nebenerwerb: wirtschaftlich erfolgreich oder rote Zahlen?

Die Hälfte der Bauern arbeitet im Nebenerwerb. Wirtschafteten sie 2021 erfolgreich – oder schrieben sie rote Zahlen? - Lesen sie, was Sache ist!

In Deutschland arbeitet die Hälfte aller Landwirte im Nebenerwerb. Diese Höfe erwirtschaften mehr als die Hälfte ihres Einkommens mit nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeiten. Die Frage lautet nun: Wie erfolgreich waren Nebenerwerbler im Wirtschaftsjahr 2020/2021 mit ihren landwirtschaftlichen Tätigkeiten?

Das lässt sich natürlich am besten an ihren betriebswirtschaftlichen Ergebnissen ablesen: Also an Umsatzerlösen, Kosten, Gewinn und – an den Subventionen. Möglich wird eine solche Analyse durch das Testbetriebsnetz des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL).

Ein erster Blick in Bücher zeigt: Die Umsatzerlöse sind im Nebenerwerb ebenso wie im Haupterwerb zurückgegangen, vor allem wegen der hohen Verluste aus der Veredlung. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass die Umsatzerlöse (bezogen auf die Fläche) bei den Nebenerwerblern in absoluten Zahlen etwa 50 % niedriger sind als im Haupterwerb.

Die landwirtschaftlichen Einkommen (Gewinn + Personalaufwand) sind im Unterschied zum Haupterwerb hingegen nicht geschrumpft, wohl auch wegen des in Relation zu den Erlösen hohen Anteils an Subventionen (Direktzahlungen und Zuschüssen) und wegen der deutlich geringeren Bedeutung der Tierhaltung.

Anderseits ist Betriebsfläche der Nebenerwerbsbetriebe so kräftig gewachsen wie schon lange nicht mehr. Der Zuwachs zum Vorjahr betrug fast fast 3 ha auf durchschnittlich 40,1 Hektar. Dennoch sind die Nebenerwerbstriebe nicht einmal halb so groß wie die Höfe im Haupterwerb mit knapp 100 ha.

Gewachsen sind die Nebenerwerbsbetriebe – wie die Höfe im Haupterwerb auch – hauptsächlich über die Zupacht von Flächen. Dennoch ist der der Pachtlandanteil mit 43 % noch immer erheblich niedriger als bei den Höfen im Haupterwerb mit 59 %. Und die Pachtpreise sind zudem mit 253 Euro je Hektar deutlich niedriger als bei den Landwirten im Haupterwerb mit 372 Hektar – und zudem 2021 sogar leicht zurückgegangen.  

Erlöse schrumpfen – Tierhaltung immer "unwichtiger"

Die Umsatzerlöse betrugen 2021 insgesamt 1.836 Euro je Hektar. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von rund 5 %. Vor allem in der Veredlung schrumpften die Einnahmen um 25 % - und auch die Milch steuerte fast ein Drittel weniger zu den Erlösen bei. Nicht weil die Preise so schlecht waren, wie bei den Schweinen – sondern weil der arbeitsintensive Betriebszweig seit Jahren rasant an Bedeutung verliert und im Nebenerwerb noch weit hinter der Veredlung rangiert.

Zugewinne gab es im wichtigsten Betriebszweig der Nebenerwerbs-Bauern: der Getreideproduktion. Hier stiegen die Erlöse mit den Preisen an und steuerten etwa 20 % zu den Gesamt-Erlösen bei, aus der Veredlung kamen hingegen nur noch 9 % und aus der Milch 5 % der Erlöse. Weitere wichtige Einnahmequellen waren die (extensive) Rinderhaltung und außerdem Dienstleistungen und Lohnarbeit für andere Betriebe.

Anders als im Haupt-Erwerb spielt hingegen die Produktion von Biogas kaum eine Rolle. Über alle Produktionszweige hinweg kamen 2021 etwa 37 % der nebenerwerblichen Erlöse aus der Pflanzenproduktion und ebenfalls 37 % aus der Tierproduktion – der Rest wird mit Lohnarbeit, Weinbau und Gartenbau erwirtschaftet.

Bei den Haupterwerbsbetrieben kommen 22 % aller Erlöse aus dem Pflanzenproduktion und 57 % (!!) aus der tierischen Erzeugung – der Rest sind Dienstleistungen und Biogas. Das ist eine komplett andere Struktur.

Einkommen stabil, aber niedrig - hohe Subventionen

Die landwirtschaftlichen Einkommen je Arbeitskraft lagen im Nebenerwerb im Jahr 2021 bei 15.219 Euro. Das ist nicht einmal halb so viel wie bei den Kollegen im Haupterwerb mit 34.052 Euro. Dabei sind die Haupterwerbs-Einkommen vor allem wegen des Einbruchs in der Veredelung um 9 % gefallen. Für die Nebenerwerbsbetriebe sind die landwirtschaftlichen Einkommen hingegen sogar leicht gestiegen.

Ähnlich groß wie bei den Erlösen und bei den Kosten, sind die Unterschiede auch beim Betriebs-Ergebnis und beim Gewinn. Dabei gibt es eine Sache, die die unterschiedliche wirtschaftliche Konstellation besonders deutlich macht: Nämlich die landwirtschaftlichen Subventionen – also Direktzahlungen und andere Zuschüsse.

Ohne diese Zuschüsse würde es zwar auch für viele Haupterwerbsbetriebe eng. Im Jahr 2021 machten die staatlichen Zuschüsse rund 50 Prozent des Einkommens (Gewinn + Personalkosten) im Haupterwerb aus.

Bei den Nebenerwerbslandwirten würde das betrieblichen Einkommen 2021 – nach Abzug aller Kosten – ohne Subventionen jedoch bei Null oder noch darunter liegen. In den letzten Jahren lagen die Mittelzuflüsse aus Subventionen nämlich über dem nominellen landwirtschaftlichen Einkommen (Gewinn + Personal).

Das bedeutet auch: Sollte es zu größeren agrarpolitischen Veränderungen bei den Kriterien der Vergabe von Subventionen kommen,dann dürfte dies gewaltige Einkommensverluste für die Nebenerwerbslandwirte bedeuten. Das gilt ganz besonders für Regionen wie etwa Baden-Württemberg oder Teile Bayerns, wo bereits zwei Drittel aller Betriebe im Nebenerwerb wirtschaften.

Christian Mühlhausen mit Immo Behr und Volker Lindwedel

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