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Norbert Lehmann | am

Monsterinflation frisst Hilfen aus EU-Agrarhaushalt für Landwirte auf

Die Flächenprämien schmelzen wie Schnee in der Sonne. Bis 2027 verlieren sie real ein Drittel an Wert.

Die Ausgleichszahlungen der EU verlieren aufgrund der galoppierenden Inflation drastisch an Wert. Darauf hat jetzt die Denkfabrik „Farm Europe“ hingewiesen. Die Experten fordern dringend politische Korrekturen, damit die EU-Förderung nicht an Wirkung verliert. Der Haushalt der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für die aktuelle Förderperiode bis 2027 wurde noch auf Basis des Inflationsziels der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent festgelegt. Tatsächlich beträgt die Inflationsrate in der EU derzeit laut Eurostat durchschnittlich etwa 10 Prozent. In Deutschland waren es im August 8,8 Prozent, in Österreich 9,2 Prozent und in den Niederlanden 13,7 Prozent.

Direktzahlungen verlieren fast 70 Milliarden Euro an Kaufkraft

Farm Europe hat – basierend auf aktuellen EZB-Prognosen für die künftige Inflationsentwicklung – berechnet, dass der EU-Agrarhaushalt in der Förderperiode 2021 bis 2027 real um insgesamt 84,57 Mrd. Euro schrumpfen wird. Allein die erste Säule des GAP-Haushalts, aus dem die Betriebsprämien bezahlt werden, verliert inflationsbedingt 68,6 Mrd. Euro. Das ist reale Kaufkraft, die den landwirtschaftlichen Betrieben entzogen wird. In der zweiten Säule der GAP, aus der die ländliche Entwicklung unterstützt wird, fehlen deflationiert 15,97 Mrd. Euro.

Folgen des Green Deal sind aus GAP-Budget nicht zu kompensieren

Die extrem hohe Inflation wird nach Einschätzung von Farm Europe dazu führen, dass der gesamte EU-Agrarhaushalt für die laufende Förderperiode rund 22 Prozent an Wert verliert. Im Zieljahr 2027 werden die EU-Hilfen inflationsbereinigt gut ein Drittel weniger Wert sein als 2020. Die Haltung der Europäischen Kommission, dass die Folgen des Green Deal für die Landwirte einschließlich der geplanten Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes aus dem EU-Agrarhaushalt kompensiert würden, lässt sich somit aus Sicht der Denkfabrik Farm Europe nicht länger vertreten.

Farm Europe fordert Inflationsausgleich und Investitionsfonds

Angesichts dieser Entwicklung fordert Farm Europe die EU-Kommission auf, einen neuen politischen Weg zu finden, um den „Green Deal“ zu verwirklichen. Dabei müsse die bisher verfolgte regulierungsbasierte Strategie, die auf eine Senkung der Produktivität abziele, durch eine echte Investitionsstrategie abgelöst werden. Eine Neuausrichtung der Agrarpolitik müsse Innovationen fördern und die Landwirte auf einen positiven Weg für Wirtschaft und Klima bringen. Konkret schlägt die Denkfabrik eine jährliche Anpassung des EU-Agrarhaushalts an die Inflationsrate vor. Außerdem sollte ein EU-Investitionsfonds für strategische Sektoren wie Landwirtschaft und Energie eingerichtet werden. Farm Europe verweist darauf, dass die Steuereinnahmen der Mitgliedstaaten mit der Inflation stiegen. Das sollte auch für Beihilfen der Fall sein.

Mit Material von AgE

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