Zwei Landwirte stehen in einem Getreideacker und begutachten die Pflanzen.
Meinung | Jan-Gerd Ahlers | am

Niedersachsens Landwirte müssen die Reserven jetzt ausloten

Die Unternehmensergebnisse der Betriebe in Niedersachsen sinken 2018/19 auf breiter Front. Ein Kommentar von Jan-Gerd Ahlers.

In Niedersachsen sinken die Unternehmensergebnisse landwirtschaftlicher Betriebe 2018/19 auf breiter Front. Nur die Ackerbauern waren dank guter Preise fein raus. Kartoffelanbauer konnten Ernteeinbußen dank sehr guter Preise mehr als ausgleichen.

Der wirtschaftliche Erfolg zwischen den Betrieben schwankt in allen Betriebsformen enorm, nicht nur wegen der Preisschwankungen am Markt. Schweinehalter hatten im vorigen Wirtschaftsjahr wegen der niedrigen Schlacht- und Ferkelpreise kaum Chancen, Geld in die Betriebskasse zu spülen.

Und jetzt werden zwei Euro/kg für Mastschweine gezahlt, dank dem florierenden Absatz von Schweinefleisch nach China aufgrund der ASP.

Erholung nicht in Sicht

Futterbaubetriebe gehörten zu den großen Verlierern: Viele Grünland- und Maisflächen waren von Trockenheit betroffen und rückläufige Preise für Milch und Rindfleisch sorgten für Einbußen von 40 %. Erholung ist nicht in Sicht.

Hohe Deckungsbeiträge werden hauptsächlich im Ertragsbereich entschieden und weniger über Einsparungen bei den Direktkosten. Nach wie vor gibt es eine hohe Spannbreite in der Leistungsqualität zwischen den Landwirten.

Da kein Betrieb „alles richtig“ oder „alles verkehrt“ macht, ist die Kenntnis der eigenen Zahlen Grundlage für den Betriebserfolg. Dabei geht Qualität vor Quantität. Kostensenkungen durch eine weitere Steigerung von Effizienz und Arbeits- und Flächenproduktivität sind auszuloten.
Bessere Milchviehbetriebe haben z.B. eine höhere Milchleistung, brauchen dafür weniger Futter je kg Milch, füttern ihre Kühe günstiger, haben eine geringere Remontierung und kommen mit geringeren Tierarztkosten aus.

Nun heißt es immer öfter: Besser werden

In den vergangenen Jahrzehnten stand das betriebliche Wachstum im Vordergrund, es ging um Wachsen oder Weichen. Und nun heißt es immer häufiger: „Besser werden“, also mit den bereits vorhandenen Produktionseinheiten eine höhere Wertschöpfung erzielen, Klasse statt Masse.

Auch die (baurechtlichen) Rahmenbedingungen lassen wenig Spielraum. Insofern findet Wachstum kaum noch auf dem eigenen Hofgelände statt, sondern vielmehr über Pacht oder Zukauf von Flächen und Produktionsstätten. Wer bauen möchte, muss wegen der stark gestiegenen Kosten für Flächen, Ställe und auch Nährstoffabgaben die Rentabilität besonders im Blick haben.

Ein hartes Stück Arbeit

Planungssicherheit war gestern, Milch- und Zuckerquoten sind Geschichte. Was sicher ist: Die Auflagen steigen und kosten Geld, dass sich der Erzeuger meistens nicht vom Verbraucher wiederholen kann.

Vor dem Hintergrund geringer Wachstumschancen helfen Dokumentations- und Informationssysteme dem Landwirt. Sie schaffen Transparenz und Sicherheit. Eine tiergerechte Haltung und passgenaue Düngung werden auch für Außenstehende nachvollziehbar.

Wir stehen vor den Herausforderungen, die Umwelt zu schützen, die Sozialverträglichkeit zu gewährleisten und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen. Und das alles in Zeiten von volatilen Märkten, ein hartes Stück Arbeit.

Inhalte der Ausgabe

  • Thema der Woche: Regional und nachhaltig - Neue Wege in der Weizenvermarktung
  • Geld & Recht: Coronahilfe für Schweinehalter - Was ist beim Antrag zu beachten?
  • Pflanzenbau: Neuausweisung Rote Gebiete - Betroffene Landwirte berichten

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Mehrleser-Funktion

✓ Artikel merken und teilen

✓ exklusiv: Audio und Video

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ 3 Endgeräte
✓ Merkliste
✓ Audio und Video
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Thema der Woche: Regional und nachhaltig - Neue Wege in der Weizenvermarktung
  • Geld & Recht: Coronahilfe für Schweinehalter - Was ist beim Antrag zu beachten?
  • Pflanzenbau: Neuausweisung Rote Gebiete - Betroffene Landwirte berichten

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen