Geschäftsführer und Wirtschaftsleiter Dr. Dirk Augustin
Ellen Hartmann | am

Northeim: Gibt es ein neues Versuchsgut für Schweine?

Im Sommer 2020 hatte es auf dem Versuchsgut der Universität Göttingen in Dassel-Relliehausen gebrannt. Dabei entstand nicht nur ein Schaden von 4 Millionen Euro, auch 1.100 Schweine starben im Feuer. Nun könnte ein neues Schweinekompetenzzentrum gebaut werden.

"Wir brauchen für unsere Versuche Ställe mit maximaler Flexibilität", sagt Dr. Dirk Augustin, Geschäftsführer und Wirtschaftsleiter des Versuchsguts. "Wenn möglich, möchten wir gerade hier in der südniedersächsischen Region ein Schweinekompetenzzentrum etablieren. Die Pläne sind positiv bewertet worden, zu klären bleibt, was wir finanziell und genehmigungsseitig bauen können." Das neue Zentrum solle mit modernster Technik ausgestattet werden und Tierwohl vom Ferkel bis zum Mastschwein erforschen.

Forschungsbedarf ist immens

Gerade die derzeitige Diskussion für mehr Tierwohl in Politik und Gesellschaft zeige, dass der Forschungsbedarf immer wichtiger sei - insbesondere in Bezug auf Nachhaltigkeit und Wertschöpfung für Umwelt und Landwirtschaft. "Wie stark belastet die Schweinehaltung die Umwelt?", fragt Dr. Augustin. "Dazu sind beispielsweise Ammoniakmessungen nötig, Filteranlagen mit Sensoren und ein Haufen Software und Technik, um zu messen, was wie wo mit welcher Fütterung der Tiere, auf welchen Böden und so weiter entsteht."

Relliehausen als "perfekter" Standort

"Mit einem Schweinekompetenzzentrum als Leuchtturmprojekt für Südniedersachsen können wir Seminare zu den verschiedensten Themen wie Tierwohl, Ringelschwanz, Kastration, Geruch oder Fütterung anbieten, denn die Uni Göttingen ist sehr breit aufgestellt", erklärt der Experte. Relliehausen sei darüber hinaus der perfekte Standort, da Südniedersachsen keine Nährstoffüberschüsse aufweise. Auch gebe es hier kurze Wege auf dem Gelände, eine Biogasanlage sowie ein eigenes Versuchsschlachthaus.

Verbesserungen für Schweinehaltung

Vor dem Brand waren in den Ställen rund 150 Sauen untergebracht, 4.000 Schweine wurden gemästet und die weiteren Ferkel verkauft. Diese Größenordnung strebt Dr. Augustin auch für den Neubau an, allerdings in zwei Systemen: Einerseits ein konventioneller Stall mit Spaltenböden und strukturierten Buchen, andererseits ein Außenbereich, welcher dem Biostandard entspreche.

Mit der Idee einverstanden sind Landwirtschafts- und Kultusministerium. Nun solle auf die Freigabe der Gelder gewartet werden, um mit konkreten Planungen beginnen zu können. "Mit Sensortechnik gewinnen wir komplexe Daten, die für die Schweinehaltung Verbesserungen bringen", so Dr. Dirk Augustin. "Das ist es, was Politik und Gesellschaft, aber auch die Landwirtschaft gleichermaßen benötigt, um nachhaltig und tierwohlorientiert wirtschaften zu können."

Mit Material von LPD
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