Amos-Venema
Maren Diersing-Espenhorst | am

Ostfriesland: Landwirt in Reha - ein Erfahrungsbericht

Unruhig und im Gedankenkarussell – so beschreibt Milchviehhalter Amos Venema aus Ostfriesland seinen Zustand, als er sich dazu entschloss, eine Reha zu machen. Wie er diese Auszeit erlebt hat, erzählte er der LAND & FORST.

Wie sieht Ihr Tagesablauf normalerweise aus?

Amos Venema: Ich stehe um 4.15 Uhr auf und um 4.30 Uhr bin ich im Stall und beginne mit dem Melken unserer 160 Kühe. Zwischen 6.00 und 6.30 Uhr bin ich fertig und frühstücke dann mit meiner Familie. Wenn meine Frau und mein Sohn zur Arbeit gehen, bin ich wieder auf dem Betrieb und mittags koche ich.

Wieso beantragten Sie eine Reha?

Amos Venema: Ich war nicht krank, aber ich habe mich unruhig und angespannt gefühlt. Ich merkte, dass sich etwas in mir veränderte. Meine Gedanken fuhren Karussell. Ich habe zwar gut geschlafen, aber ich wollte es nicht zu einem Burnout kommen lassen. Deshalb habe ich mit Unterstützung meiner Frau die Reißleine gezogen. Sie sagte mir häufiger, dass ich eine Auszeit bräuchte. Das habe ich dann auch umgesetzt, um Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen. In anderen Branchen ist es schließlich auch Gang und Gäbe, dass man sich coachen lässt und Unterstützung sucht.

Wer erledigte die Arbeit während Ihrer Abwesenheit?

Amos Venema: Mein Bruder Jan und ich bewirtschaften den Betrieb gemeinsam. Während meiner Abwesenheit hatte er Unterstützung durch einen Betriebshelfer, der uns von der Rentenkasse bezahlt wurde.

Was machten Sie in der Reha?

Amos Venema: Die Therapie begann mit Untersuchungen. Danach wurde ein Behandlungsplan erstellt, der meinen Tagesablauf regelte. Das war für mich eine Umstellung. Denn eigentlich können wir Landwirte unsere Tage ja frei gestalten und die Arbeit entsprechend einteilen. Diese Fremdbestimmung war für mich nicht ganz einfach. Ich hatte Massagen, Sport, Einzel- und Gruppengespräche mit Therapeuten und sogar eine Kunsttherapie, der ich sehr skeptisch gegenüberstand.

Was ist eine Kunsttherapie?

Amos Venema: Uns wurde eine Geschichte erzählt und einen Teil dieser Geschichte musste man malen. Anschließend wurde das dann in der Gruppe diskutiert. Es ging also gar nicht um das Malen, sondern darum, sich mit einer bestimmten Situation genauer zu befassen. Das Malen war nur das Mittel zum Zweck.

Was hat Ihnen in der Reha gut gefallen?

Amos Venema: Es war gut, einmal für einige Wochen aus dem Betrieb und der gewohnten Umgebung raus zu sein. Ich hatte Zeit nachzudenken, mich mit mir selbst zu beschäftigen und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es war dabei hilfreich, von Personen unterstützt zu werden, die eine neutrale Sichtweise haben. Es tut zwar auch gut, mit Familienmitgliedern zu reden, aber hier ist man gewissen Zwängen unterworfen, die es in der Kurklinik nicht gab. Man ist dadurch viel freier und muss keine Rücksicht auf die Gefühle oder Belange einer anderen Person nehmen.

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