Vier Senioren sitzen auf einer Bank
Laura Schneider | am

Ratgeber: 9 Antworten rund um den Rentenbescheid

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Auch wenn das Rentensystem kompliziert und oft schwer nachvollziehbar ist, sollten Sie Ihren Rentenbescheid genau prüfen.

„Jeder zweite Rentenbescheid ist falsch“ – so titelte der Sender RTL vor Kurzem einen Bericht. Die Berechnung stimmt meist, aber die im Versicherungsverlauf hinterlegten Zeiten können Fehler enthalten. Deshalb ist es wichtig, den eigenen Rentenbescheid eingehend zu prüfen. Dabei sollten Sie sich nicht davon abschrecken lassen, dass das Rentensystem kompliziert und oft nur schwer nachvollziehbar ist. Hier finden Sie einige Antworten auf Fragen rund um den Rentenbescheid.

Was ist der Versicherungsverlauf?

Der Versicherungsverlauf ist Teil der Renteninformation, die alle Versicherten jährlich von der Deutsche Rentenversicherung (DRV) bekommen, sobald sie das 27. Lebensjahr vollendet haben und mindestens fünf Jahre mit Beitragszeiten im Versicherungskonto gespeichert sind. Im Versicherungsverlauf sind alle Zeiten dokumentiert, die für die Rente wichtig sind.

Worauf muss ich bei meinem Versicherungsverlauf achten?

  • Sozialversicherungspflichtige Bruttoverdienste: Daraus ermittelt die DRV die Entgeltpunkte und aus diesen errechnet sie die Höhe der Rente. Gleichen Sie das, was die DRV zum Verdienst gespeichert hat, mit den Versicherungsbescheinigungen des Arbeitgebers bzw. mit den Lohn- und Gehaltsunterlagen ab.
  • Pflichtbeiträge für eine berufliche Ausbildung und Fachschulbesuch: Schulausbildungs- und Hochschulzeiten nach dem 17. Lebensjahr können mit bis zu acht Jahren als Anrechnungszeiten anerkannt werden.
  • Zeiten, für die keine eigenen Beiträge gezahlt wurden (Kindererziehungszeiten, Zeiten für nicht erwerbsmäßige Pflege, Arbeitslosigkeit, Wehrdienst, Schwangerschaft, Krankheit, Reha usw.)

Was mache ich, wenn ich Fehler in meinem Versicherungsverlauf finde?

Wenn Sie auf Fehler stoßen, müssen Sie einen Antrag auf Kontenklärung stellen. Diesen erhalten Sie ab dem 43. Lebensjahr jährlich innerhalb eines Kontenklärungsverfahrens von der Versicherung zusammen mit Ihrem aktuellen Versicherungsverlauf. Auf den Antrag auf Kontenklärung folgt ein Feststellungsbescheid. In der nächsten Renteninformation werden dann die Auswirkungen auf die erworbenen Rentenansprüche sichtbar.

Was ist eine Rentenauskunft?

Wer 54 Jahre alt oder älter ist, bekommt keine Renteninformation mehr, sondern alle drei Jahre eine Rentenauskunft mit den folgenden Informationen:

  • Höhe der jeweiligen Renten
  • Voraussetzungen für den Erhalt dieser Renten und ob diese erfüllt sind
  • Gespeicherte rentenrechtliche Zeiten
  • Wie viele persönliche Entgeltpunkte hat der Versicherte bereits gesammelt?

Worauf muss ich bei meinem Rentenantrag achten?

Renter mit Unterlagen und Geld
  • Rechtzeitig stellen: Bei Altersrenten drei Monate vor dem gewünschten Renteneintritt.
  • Die richtige Rentenart beantragen: Bei Altersrenten wird zwischen Regelaltersrente, Rente für langjährig Versicherte, besonders langjährig Versicherte und Schwerbehinderte unterschieden. Wer die falsche Rentenart beantragt, muss mit einer Kürzung rechnen.
  • Rentenbeginn korrekt angegeben, insbesondere bei Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten. Bei letzterer beträgt die Antragsfrist bis zu zwölf Monate.
  • Sie können den Rentenantrag schriftlich oder online stellen.

Welche Informationen enthält mein Rentenbescheid?

  • Rentenart
  • Beginn der Rente
  • Höhe der Rente
  • Zeitraum der Rente (etwa bei Erwerbsminderung)
  • nachvollziehbare Rentenberechnung
  • Versicherungsverlauf: Er bildet die Grundlage für die Berechnung der Rente. Daher sollten Sie ihn bis Rentenbeginn abgleichen.
  • Anerkennung der rentenrechtlichen Zeiten, die für die Rente berücksichtigt wurden
  • Berechnung der persönlichen Entgeltpunkte bzw. die Entgeltpunkte für Beitragszeiten
  • Entgeltpunkte für beitragsfreie und beitragsgeminderte Zeiten
  • Zuschlag an Entgeltpunkten für bestimmte rentenrechtliche Zeiten

Aus den Entgeltpunkten insgesamt erfolgt letztlich eine Gesamtleistungsbewertung mit der Ermittlung der gesamten Entgeltpunkte und die Berechnung der monatlichen Bruttorente nach der Rentenformel „gesamte Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor“.

Was passiert, wenn die DRV die beantragte Rente ablehnt?

Wenn die DRV die beantragte Rente ablehnt, muss sie das schriftlich begründen. Nach Zustellung des Bescheids können Sie binnen eines Monats Widerspruch einlegen. Gleiches gilt, wenn der Bescheid Fehler enthält.

Wenn Sie einen Fehler bemerken, nachdem der Bescheid bestandskräftig geworden ist, können Sie nochmals um eine Überprüfung bitten und unter bestimmten Umständen einen neuen Rentenantrag stellen.

Was kostet mich ein Widerspruchsverfahren?

Das Widerspruchsverfahren selbst kostet Sie nichts. Wenn Sie sich aber einen Rechtsbeistand nehmen, also etwa einen Rechtsanwalt, dann muss die DRV die Kosten übernehmen, wenn der Widerspruch Erfolg hat. Ist das nicht der Fall, müssen Sie diese Hilfe selbst bezahlen. Sie können jedoch gegen den Widerspruchsbescheid innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe beim Sozialgericht klagen.

Wo finde ich Beratung und Hilfe?

Wer beim Erstellen des Rentenantrags oder bei der Prüfung des Bescheids Hilfe braucht, kann sich an die Beratungsstellen der DRV, den Versichertenältesten oder einer neutrale Rentenberatung wenden. 

Mit Material von Hermann Brengelmann

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