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Cornelia Krieg | am

Ratgeber: Was Angehörige für Pflege erhalten

Wer ein Familienmitglied zu Hause pflegt, wird dafür vom Staat mit sozialen Leistungen unterstützt. Wir zählen Ihnen auf, welche. Aktuell bekommen pflegende Angehörige wegen der Corona-Krise mehr Hilfe.

Die überwiegende Anzahl der Pflegebedürftigen in Niedersachsen werden zuhause gepflegt – in den meisten Fällen von ihren eigenen Angehörigen und in den meisten Fällen von Frauen, die dafür persönliche Abstriche machen und beruflich kürzertreten.

Um die finanzielle Belastung abzufedern, gibt es Leistungen vom Staat. Und die sind steuerfrei. Das gilt auch für die einer privat abgeschlossenen Zusatzversicherung. Manchmal müssen sie aber von steuerlich absetzbaren Kosten gegengerechnet werden.

Diese Hilfen können Sie im Einzelnen beanspruchen:

  • Pflegegeld & Co.: Neben dem Pflegegeld haben Angehörige einen gesetzlichen Anspruch auf Kostenerstattung für Pflegehilfsmittel in Höhe von 40 Euro pro Monat, wenn sie einen Menschen zu Hause versorgen. Wegen der Corona-Krise ist der Betrag befristet bis 30. September auf 60 Euro erhöht worden. Viele machen diesen Anspruch aus Unkenntnis bisher nicht geltend. Ein bestimmter Pflegegrad ist dafür nicht nötig. Die zusätzlichen Mittel muss man bei der Pflegekasse des gepflegten Patienten abrufen.
  • Unterstützung bei Umbauten: Auch für einen notwendigen Umbau der Wohnung können Pflegebedürftige ab Pflegegrad 1 finanzielle Unterstützung erhalten. Die Pflegekasse zahlt auf Antrag Zuschüsse von bis zu 4.000 Euro für die barrierefreie Umgestaltung von Türen und Badezimmern oder den Einbau von Rampen und Treppenliften. Verändert sich die Pflegesituation später so gravierend, dass weitere Umbauten erforderlich werden, zahlt die Pflegekasse erneut. Sogar der Umzug in eine behindertengerechte Wohnung wird bezuschusst.

Eigene Altersvorsorge

  • Rentenbeiträge für Pfleger: Die enge Familienbande wirkt sich auch auf die Altersversorgung der Pflegekraft aus. Denn wer pflegebedürftige Angehörige versorgt, muss die eigene Berufstätigkeit oft einschränken oder ganz aufgeben.
    Um Nachteile für die spätere Rente auszugleichen, leistet die Pflegeversicherung des Angehörigen Beiträge zur gesetzlichen Rente der Pflegekraft. Jedes Jahr Pflege steigert die Monatsrente um bis zu 31 Euro.
    Voraussetzung ist aber, dass der Pflegebedürftige zu Hause versorgt wird und mindestens Pflegegrad 2 hat. Der Pflegegrad wird vom medizinischen Dienst der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung festgelegt. Auch der Pflegende muss einige Voraussetzungen mitbringen:
  • Die Pflege muss mindestens zehn Stunden pro Woche regelmäßig an mindestens zwei Tagen dauern.
  • Neben der Pflege darf eine weitere Erwerbstätigkeit des Angehörigen nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich umfassen.
  • Ist der Pflegende selbst schon im Rentenalter, darf er noch keine Vollrente wegen Alters beziehen, wenn er die Regelaltersgrenze erreicht hat.
  • Tipp: Erreichen Sie die Regelaltersgrenze, beantragen Sie statt einer regulären Vollrente nur eine Teilrente in Höhe von 99 Prozent. Der Effekt ist verblüffend – bei ihrer eigenen Rente erleiden sie kaum Einbußen – durch die Pflegetätigkeit bekommen sie aber die vollen Rentenpunkte gutgeschrieben. Das steigert unter dem Strich die normale Rente. Die Höhe richtet sich nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit, dem zeitlichen Engagement des Pflegenden sowie der Inanspruchnahme eines Pflegedienstes. Faustregel: Je höher der Pflegegrad und je weniger professionelle Hilfe von außen, desto mehr Rente zum Nulltarif für den familiären Pfleger.
  • Der Rentenzuschuss muss nicht extra beantragt werden. Unbedingt muss aber ein "Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen" ausgefüllt werden. Den bekommen Sie bei der Pflegekasse oder dem Rentenversicherungsträger auch über das Internet zum Download. Im Internet gibt es unter www.deutsche-rentenversicherung.de. eine Broschüre zum Thema "Rente für Pflegepersonen – Ihr Einsatz lohnt sich" zum Herunterladen oder kostenlos zum Bestellen.

Die Pflege organisieren

  • Kurfristige Auszeit für Berufstätige: Wird ein Angehöriger plötzlich pflegebedürftig, muss es manchmal schnell gehen, um viele notwendige Dinge für eine gute Pflege in die Wege zu leiten. Bei einem akuten Pflegefall in der Familie können sich Arbeitnehmer normalerweise bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen lassen; eine bestimmte Ankündigungsfrist gibt es nicht. Urlaubstage müssen vorher nicht aufgebraucht werden. Die Gehaltseinbußen übernimmt die Pflegeversicherung des Angehörigen in Form eines Pflegeunterstützungsgeldes, und zwar – in 2020 – bis zu 109,38 Euro arbeitstäglich. Die Auszeit können sich auch mehrere Angehörige teilen. 
  • Jetzt in der Corona-Zeit können sich Arbeitnehmer bis zu 20 Arbeitstage freistellen lassen. Die Regelung gilt befristet bis zum 30. September 2020. Landwirtschafliche Unternehmer erhalten statt des Pflegeunterstützungsgeldes Betriebshilfe – aktuell ebenfalls zu 20 Arbeitstage.

Längere Pflegezeiten für Berufstätige

  • Längere Auszeit für Berufstätige: Stellt die Pflegekasse mindestens Pflegegrad 1 fest, dürfen Sie als Angehöriger für die Pflege laut Familienpflegezeitgesetz bis zu sechs Monaten freinehmen oder in Teilzeit wechseln.
  • Einen Anspruch darauf haben Sie aber nur, wenn Ihr Arbeitgeber mehr als 16 Mitarbeiter beschäftigt. Dafür erhalten Sie im Regelfall kein Gehalt. Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (Bafza) gewährt aber ein zinsloses Überbrückungsdarlehen.
  • Bei mehr als 25 Mitarbeitern kann man sogar eine 24-monatige Familienpflegezeit nehmen oder auf Teilzeit mit mindestens 15 Wochenstunden wechseln.
  • Hinweis: Bis zum 30. September gelten erleichterte Bedingungen. Die Familienpflegezeit lässt sich flexibler nutzen. Detaillierte Infos finden Sie unter www.verbraucherzentrale.de
  • Detaillierte Informationen zu Corona bedingten Pflege-Erleichterungen unter www.verbraucherzentrale.de

Eine Übersicht, wieviel Rente es für Pflege gibt, lesen Sie in unserer digitalen Ausgabe.

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