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Peter Jantsch | am

Ratgeber: Wie können Landwirte konstruktiv mit Problemen umgehen?

Die aktuelle Agrarpolitik, Klimawandel, teils massive und destruktive Kritik aus Teilen der Gesellschaft, Wolfsübergiffe. Unser Autor, Agraringenieur und systemischer Coach, gibt Denkanstöße, wie man handlungsfähig bleibt.

Es gibt derzeit viele gute Gründe für Landwirte, frustriert oder niedergeschlagen zu sein. Lässt sich ein Tiefschlag noch wegstecken, geht man bei der Summe widriger Umstände dann doch irgendwann mal in die Knie, körperlich oder emotional.

Manchmal begegnen einem Menschen, die trotz schwieriger Bedingungen Haltung und Würde bewahren. Sie bleiben souverän, gelassen und handlungsfähig. Solche Menschen beeindrucken, inspirieren und ermutigen. Ist so eine Haltung jedem möglich?

Einstellung ist die eigene Entscheidung

Die persönliche Haltung ist eine Frage der eigenen Entscheidung. Sich für etwas zu entscheiden, von dem man überzeugt ist, das wird andauernd gemacht, jeden Tag. Sich in widrigen Situationen für Gelassenheit und Haltung zu entscheiden, wirkt hingegen schwierig. Das Entscheiden an sich ist nicht das Schwierige. Schwierig ist, was einen davon abhält, sich für so eine Haltung zu entscheiden. Und das ist das Gefühl, ohnmächtig nicht änderbaren Bedingungen ausgeliefert zu sein.

Ist man wirklich ohnmächtig? Hier lohnt es sich genau hinzuschauen, um nicht falsche Schlüsse zu ziehen. Auch wenn man in akuter Betroffenheit emotional angefasst ist, liegt Haltung, Gelassenheit und Handlungsfähigkeit oft nur unter einer dünnen Schicht verborgen. Nicht ändern kann man zumeist die äußeren Bedingungen oder Ereignisse, die in einem das Gefühl der Ohnmacht erzeugen. Ob man sich aber als machtloses Opfer dieser Situation fühlt, oder ob man trotz schwieriger Umstände sich seiner Möglichkeiten, die man dennoch hat, bewusst ist, das kann man ändern.

Was kann ICH tun?

Der Einflussbereich ist das, worauf man direkt Zugriff hat, was also durch das eigene Zutun unmittelbar veränderbar ist. Keinen Einfluss hat man beispielsweise auf das Wetter, die große Agrarpolitik, die Meinungen oder die Werte anderer Menschen. Wenn man versucht, etwas zu ändern, das einen beeinträchtigt, das aber nicht im eigenen Einflussbereich liegt, bleibt man tatsächlich wirkungslos.

Um Haltung in einer widrigen Situation zu bewahren, ist es notwendig zu verstehen, dass man zwar Betroffener dieser Situation ist, aber dass diese Situation einen nicht darin beherrscht, wie man darauf reagiert. Egal wie die Situation ist, wie man darauf reagiert, liegt in der eigenen Hand. Diesen Unterschied zu verstehen, ist der Unterschied zwischen Opferhaltung und Handlungsfähigkeit.

Die Situation erkennen

Auch wenn das sehr ungewöhnlich oder gar befremdlich klingt: Ob man leidet und sich ohnmächtig fühlt, oder ob man die Umstände in Würde anerkennt und notwendige Konsequenzen zieht, ist Entscheidungssache. Wenn man sich als Opfer fühlt und leidet, verbessert das nicht ein bisschen die Umstände, unter denen man leidet. Es fühlt sich nur für einen kurzen Moment ein wenig besser an. Aber man bezahlt dafür mit seiner Handlungsfähigkeit. Und mit einer Vergiftung der Stimmung auf dem Betrieb.

Emotionale Reaktionen kontrollieren

Mit Willen und etwas Übung kann man seine emotionalen Reaktionen kontrollieren. Es geht dabei aber nicht darum, Gefühle wegzudrücken oder zu negieren. Es ist gut, ihnen Ausdruck zu verleihen. Aber nicht auf Dauer. Es geht darum, nicht in seiner Betroffenheit stecken zu bleiben und dadurch handlungsunfähig zu sein.

Es ist ein Missverständnis zu glauben, man wäre mit einer Situation einverstanden, solange man nicht wütend oder verzweifelt ist oder lautstark protestiert. Gelassenheit zu bewahren bedeutet nicht, einverstanden zu sein. Es ist klug, in Bereichen, auf die man keinen Zugriff hat, ruhig zu bleiben und sich darauf zu konzentrieren, wo man etwas bewirken kann. Haltung ist, wie man sich in einer Situation "hält und verhält", und zwar unabhängig davon, wie diese Situation ist. Haltung ist Entscheidungssache.

Irgendetwas geht immer. Aber man muss danach suchen. Man wird nichts finden, wenn man in Ohnmacht steckengeblieben ist.

Unterstützung suchen

Sich in schweren Momenten Trost und Halt zu suchen, tut gut. Will man Haltung einnehmen, braucht man eine Gemeinschaft von Menschen, die sich gegenseitig darin zu unterstützen, wieder in die Wirksamkeit zu kommen.

Oft wird dem Ergebnis mehr Wert zugemessen, als dem Weg dahin, um es zu erzielen. Eine würdevolle Haltung entsteht, wenn man sich ernsthaft und nach bestem Wissen und Gewissen darum bemüht, in den jeweiligen Umständen zu bestmöglichen Ergebnissen zu kommen. Man erkennt bereits sein Handeln an, unabhängig vom erzielten Ergebnis.

Das mag jetzt einfacher klingen, als es im Alltag umzusetzen. Tatsächlich ist es aber, wenn man es mal konkret ausprobiert, überraschend leichter als befürchtet. Und wenn es einem gelingt, dann ist es gut, anderen von seinen Erfahrungen zu erzählen. Denn nichts hilft so sehr, wie lebendige Vorbilder.

Tipps: so gehen Sie konstruktiv mit Problemen um

  • Entscheiden Sie sich, nicht im Ohnmachtsgefühl stecken bleiben zu wollen.
  • Klären Sie Ihren Einflussbereich, welche Möglichkeiten Sie trotz allem haben.
  • Treffen Sie eine Wahl und führen Sie dies nach bestem Wissen und Gewissen durch.
  • Nehmen Sie aufkommende Emotionen und Widerstände wahr, ohne sich ihnen zu unterwerfen.
  • Nehmen Sie das Gelingen in den Fokus und nicht das, was fehlt oder misslingt.
  • Bleiben Sie trotz widriger Umstände dem Leben zugewandt und nehmen Sie Freude und Glück dort wahr, wo sie vorhanden sind.

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