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Dr. Lutz Fischer, LAVES Oldenburg, Task-Force Veterinärwesen | am

Ratgeber: Was tun gegen Schadnager?

Auch wenn das ganze Jahr über konsequent Maßnahmen ergriffen werden, um Schadnager fernzuhalten, ganz los wird man sie kaum. Doch es gibt Möglichkeiten, den Befall auf einen niedrigen Stand zu drücken.

Die Schadnagerbekämpfung in der Landwirtschaft ist ein schwieriges Unterfangen: Überall wo sie Nahrung, Wasser, Nistmöglichkeiten und Schutz oder Deckung finden, vermehren sie sich. Daher stellen die meisten landwirtschaftlichen Betriebe ein attraktives Umfeld dar.

1. Prävention ist wichtiger Punkt in der Schadnagerbekämpfung

Ein Schlüssel zur Befallsminderung ist die Prävention; hier entscheidet sich, ob die Schädlingsbekämpfung für den Landwirt nachhaltig und damit in Bezug auf Kosten und Wartung gering ausfällt. Beispielsweise sollten Sie ausschließen, dass bauliche Mängel, nicht korrekt gelagerte Futtermittel oder unsachgemäß entsorgte Abfälle für die Zuwanderung von Schadnagern verantwortlich sind. Eine vollkommene Tilgung ist meist nicht möglich, denn die Schadnager wandern stetig von außerhalb wieder zu.

Die Möglichkeit zum Fernhalten bzw. der Vermeidung von Schadnagern muss oberste Priorität haben. Würden sämtliche Präventionsmaßnahmen umgesetzt, könnte ein Befall mit Hilfe von Schlagfallen auf einem niedrigen Stand gehalten werden.

2. Mittel zur Regulation der Schadnager

Das Mittel der Wahl sind vorrangig chemische Wirkstoffe, die die Blutgerinnung der Schadnager hemmen (sogenannte Antikoagulanzien).Der Einsatz dieser Biozide umfasst Bereiche, die die Gesundheit und die Produkte des Menschen betreffen:

  • in der Tierhaltung,
  • im Futter- und Lebensmittelbereich,
  • in Lagern (als „hygienischer Vorratsschutz“ auch in Silos)
  • und auch im häuslichen Bereich.

Im Pflanzenschutz dürfen Biozide nicht angewendet werden. Eine Schadnagerbekämpfung im Pflanzenschutz existiert aktuell als Pflanzenschutzmittel nur in Form von Zinkphosphid („Giftweizen“). Allen chemischen Stoffen gemeinsam ist aber die Wirkung auf Schadnager, weshalb sie als Rodentizide  bezeichnet werden. Antikoagulanzien sind aber auch für den Menschen und für „Nicht-Zielorganismen“ gefährlich. 

3. Wirkungsweisen der verschiedenen Antikoagulanzien

  • Antikoagulanzien der 1. Generation (Warfarin, Coumatetralyl, Chlorphacinon) sind weniger potent und bedürfen häufig einer mehrmaligen Aufnahme, um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten. Zudem zeigen Hausmäuse und Wanderratten vieler Regionen Resistenzen gegenüber diesen Wirkstoffen.
  • Antikoagulanzien der 2. Generation (Bromadiolon, Difenacoum, Brodifacoum, Difethialon, Flocoumafen) wirken dagegen bereits bei einmaliger Aufnahme. Insbesondere in Nordwestdeutschland lassen aber bereits Wanderratten und auch Hausmäuse ebenfalls Resistenzen gegenüber Bromadiolon und Difenacoum erkennen. Hinzu kommt, dass alle Antikoagulanzien der 2. Generation als PBT (persistent, bioakkumulierend, toxisch) -Stoffe identifiziert worden sind, das heißt, sie werden schlecht abgebaut, reichern sich im Organismus an und sind giftig. Generell besteht zudem ein erhöhtes Risiko durch Sekundärvergiftungen (z.B. von Greifvögeln durch Fraß von verendeten Schadnagern).

4. Nur Produkte mit Zulassungsnummer zur Nagerbekämpfung verwenden

Mausefalle

In Deutschland dürfen nur durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zugelassene Produkte verwendet werden. Zu erkennen sind diese Produkte an der Zulassungsnummer (z.B. DE-2014-A-14…). Im Internet können Produkte zur Schadnagerbekämpfung ohne DE-Zulassungsnummer oder ohne jegliche Zulassung erworben werden, die Anwendung ist in Deutschland jedoch verboten.

Ebenfalls unzulässig sind Konzentrate von Antikoagulanzien beziehungsweise das Selbstmischen mit Konzentraten. Letzteres betrifft auch das Mischen von Antikoagulanzien mit Cerealien, um eine verbesserte Köderannahme zu erreichen. In der Formulierung „Schaum“ ist derzeit nur noch ein zugelassenes, sachkundegebundenes Produkt auf dem Markt.

5. Antikoagulanzien dürfen nur mit Sachkunde angewendet werden

Eigentlich dürften Antikoagulanzien nur von fachkundigen oder besonders unterwiesenen Personen, also professionellen Schädlingsbekämpfern angewendet werden. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales haben entschieden, dass Landwirte erst einmal nicht unter Lebensmittelunternehmer fallen und somit die Sachkunde nach Pflanzenschutz-Sachkundeverordnung (PSKN) für die Anwendung der Stoffe und Gemische ausreichend ist.

Ausgenommen sind Landwirte als Betreiber von Hofläden; diese gelten nach wie vor als Lebensmittelunternehmer. Somit ist auch die Anwendung von Antikoagulanzien, die als „spezifisch zielorgantoxisch“ gelten, dem Landwirt mit PSKN als „geschulter, berufsmäßiger Verwender“ vorerst erlaubt.

Seit dem 1. Januar 2016 ist der regelmäßige Besuch von Fortbildungsveranstaltungen zur Sachkunde (innerhalb von drei Jahren) verpflichtend.

6. Bekämpfung der Nager nicht ohne konkreten Nachweis

Die präventive Bekämpfung ohne konkreten Nachweis eines Nagerbefalls (Permanent- bzw. Perimeterbeköderung) ist nicht erlaubt. Erst nach einer Gefahrenanalyse ist es dem sachkundigen Schädlingsbekämpfer (und ausschließlich diesem!) erlaubt, eine „strategische, befallsunabhängige Belegung“ (nur Difenacoum und Bromadiolon) durchzuführen. Die Form der Belegung ist nur im und am Gebäude und nur an Orten mit hoher Invasion zulässig.

Fazit

  • Schadnager sind auf landwirtschaftlichen Betrieben nur schwer zu bekämpfen.
  • Wichtigster Punkt ist die Prävention.
  • Bauliche Mängel sind zu beseitigen, Futtermittel unzugänglich für Schadnager zu lagern.
  • Präventive Bekämpfung ohne konkreten Nachweis des Nagerbefalls ist nicht erlaubt.
  • Der Einsatz von Bioziden setzt den Sachkundenachweis voraus.

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