on_BF-Mitarbeiterfinanzierung
Dr. Klaus Drescher, Nils Seils; Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein | am

Wann rechnet sich ein Mitarbeiter?

Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb gibt es immer viel zu tun. Ein neuer Mitarbeiter wäre gut, um die ganze Arbeit zu schaffen. Doch wie finanziert sich eine zusätzliche Arbeitskraft und gibt es Alternativen?

Viele landwirtschaftliche Betriebe stehen an der Arbeitsschwelle, einen Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin einzustellen, um die Arbeit auf dem Betrieb zu schaffen. Zuvor gibt es aber eine Reihe von anderen Ansatzpunkten, um der Arbeit Herr zu werden. Einige davon mögen auf wenig Gegenliebe stoßen. Doch es lohnt sich, sich mit diesen mal unvoreingenommen zu beschäftigen.

Kosten des Mitarbeiters

Aus Befragungen mit Landwirten geht hervor, dass diese jährlich zwischen 3.000 und 3.500 Stunden arbeiten. Bei 3.500 Stunden wären das nahezu 10 Stunden am Tag, Tag für Tag, Woche für Woche, unabhängig von Ostern, Weihnachten oder anderen Feiertagen. Demgegenüber werden Mitarbeiter, bei einer 40 Stundenwoche, für 2.080 Stunden entlohnt.

Diese Parameter sind zu beachten

Im Folgenden werden nachstehende Parameter für den Mitarbeiter unterstellt. Diese kann ein jeder Leser für seinen eigenen Betrieb modifizieren:

  • Der Stundenlohn (Arbeitnehmer brutto) beträgt 13 Euro
  • Der Mitarbeiter arbeitet 40 Stunden pro Woche (fünf Tage-Woche)
  • Es besteht ein Urlaubsanspruch über sechs Wochen
  • Feiertage und Wochenenden werden über ein Arbeitszeitkonto verrechnet
  • Es gibt eine einmalige Sonderzahlung von 1.000 Euro

Folglich erhält der Mitarbeiter ein durchschnittliches monatliches brutto Arbeitsentgelt von 2.336 Euro bzw. ein durchschnittlichen Stundenlohn von 13,48 Euro. Davon zahlt er je nach Steuerklasse 751 Euro (Steuerklasse 1) beziehungsweise 511 Euro (Steuerklasse 3) Steuern und Sozialabgaben, sodass ein monatliches Nettoentgelt von 1.585 Euro beziehungsweise 1.825 Euro verbleiben.

Wie sieht die reelle Rechnung aus?

Die Rechnung für den landwirtschaftlichen Betrieb sieht dagegen völlig anders aus. Laut Annahme wird der Arbeitnehmer für 2.080 Stunden bezahlt. Die Frage ist nur, wieviel Stunden arbeitet der Mitarbeiter effektiv auf und für den Betrieb? 

  • Entlohnte jährliche Arbeitszeit: 2.080 Stunden
  • Urlaub: 240 Stunden
  • Feiertage durchschnittlich: 88 Stunden
  • Krankheit durchschnittlich: 120 Stunden
  • Fortbildung etc.: 24 Stunden
  • Anwesenheit im Betrieb (jährlich): 1.608 Stunden

Der angenommene Bruttoarbeitslohn von 13,48 Euro, Arbeitnehmerlohn, erhöht sich für den Arbeitgeber um zirka 20 Prozent für den Anteil an den Sozialleistungen (Rentenkasse, Krankenversicherung, …).

Der Arbeitgeberlohn steigt damit auf 16,18 Euro/Stunde. Es ergibt sich somit eine jährliche Kostenbelastung für den Mitarbeiter von 33.646 Euro.

Effektive Arbeitszeit

Es stellt sich nun jedoch die nächste Frage: Was kostet die "effektive" Arbeitszeit des Mitarbeiters? Hier teilen Sie die 33.646 Euro durch 1.608 Stunden. Es ergibt sich ein Arbeitgeber Stundenlohn von 20,92 Euro / Stunde.

Wenn Sie es sich zukünftig einfach machen wollen, dann gilt folgende grobe Faustformel: Arbeitnehmerstundenlohn brutto plus 50 Prozent Aufschlag ist Arbeitgeberlohn für die anwesende Zeit.

Ein jeder Leser möge bitte für sich selbst einschätzen, ob anwesende Zeit auch der effektiven Arbeitszeit entspricht. In der Berechnung ist noch keine (bezahlte) Pausenzeit und noch kein Klönschnack mit eingerechnet worden. Handwerksfirmen rechnen mit deutlich weniger Stunden als mit den angegeben 1.608 Stunden, um ihren Stundenverrechnungssatz für den Kunden zu ermitteln.

Wie lässt sich der Nutzen feststellen?

Wie so oft im Leben, sind die Kosten relativ genau zu beziffern, jedoch der Nutzen lässt sich viel schwieriger quantifizieren. Klar ist, durch die Einstellung eines Mitarbeiters wird:

  • ihr Arbeitsdeputat kleiner,
  • die Wahrscheinlichkeit, dass Sie, bedingt durch weniger arbeiten, gesünder bleiben, ist relativ hoch,
  • für diejenigen, die gerne im Team arbeiten, die Arbeitsfreude steigt,
  • ein Urlaub oder auch ein freies Wochenende keine Fremdwörter sind,
  • neue Ideen möglicherweise in den Betrieb einfließen

Klar ist aber auch, die Kosten eines Mitarbeiters müssen erwirtschaftet werden. Es ist wenig sinnvoll, mögliche freie Arbeitskapazitäten des Mitarbeiters mit dem Fegen des Hofes aufzufüllen. Nicht jeder Betriebsleiter möchte Personalverantwortung tragen, und nicht jeder Betrieb kann einen Mitarbeiter vollständig auslasten. Wenn nun hier über Alternativen geschrieben wird, sind nicht Mitarbeiter auf 450 Euro Basis (oder mehr) oder Mitarbeiter, die mit einem anderen Betrieb geteilt werden, gemeint.

Alternativszenarien

Zuallererst, wenn in Alternativen gedacht wird, sollte Frau/Mann sich in einem ersten Schritt die eigene Betriebsorganisation genau anschauen, vor allem unter dem Gesichtspunkt: Welche Arbeiten in welchem Umfang fallen zu welcher Zeit an?

In einem zweiten Schritt sollten die anfallenden Arbeiten ökonomisch bewertet werden.

In einem dritten Schritt sollte dann auch eine Einschätzung erfolgen, welche Arbeiten besonderen Spaß bereiten und welche Arbeiten zum Beispiel eher das soziale Klima in der Familie stören. Zu letzterem ein Beispiel: Die Arbeitsbelastung in einem Betrieb erreicht immer wieder die Kapazitätsgrenze, zugleich hat der Betrieb noch einen großen Garten mit weitläufigen Rasenflächen. Das Rasenmähen mag häufiger Streitpunkt sein, da das Erscheinungsbild des Gartens unter dem langen Gras leidet. Wenn schon absehbar ist, das der innerfamiliäre Streit vorprogrammiert ist, stellt sich die Frage: Warum lässt der Betrieb nicht einen Mähroboter diese Arbeit verrichten?

Diese Maßnahmen können Arbeit einsparen

Ein jeder für sich mag die drei oben genannten Schritte durchgehen, und kommt unter Umständen zu einem Arbeitseinsparpotenzial, welches beachtlich ist. Bespiele:

  • Auslagerung der Jungviehaufzucht oder Zukauf von Färsen
  • Auslagerung oder Teilauslagerung der Feldarbeiten an einen Lohnunternehmer
  • Einbringung des Marktfruchtanbaus in eine Betriebsgemeinschaft
  • Umstellung von Melkstand auf Melkroboter
  • Auslagerung der Reinigung des Maststalles an Dienstleistungsunternehmen
  • Auslagerung einfacher Hof- und Gartenarbeiten an z. B. Behinderteneinrichtungen

Gerade die ersten beiden Punkte werden vielfach kritisch gesehen. Die Tiere in fremde Hand geben oder "nie" wieder Schlepper fahren, damit tun sich viele Landwirte schwer. Das ist verständlich, nur dann muss jedem klar sein, was diese Arbeiten an Arbeitsstunden und Stress kosten.

Lohnunternehmen: Arbeitsschritte optimieren

Lohnunternehmen betanken in der Ernte jeden Tag ihre Arbeitsmaschinen und Schlepper. Tankinhalte von 400 bis 1.000 Liter sind dabei keine Seltenheit. Angenommen, es müssen täglich 15 Maschinen betankt werden und jeder optimierte Tankvorgang spart nur fünf Minuten pro Maschine ein, ergibt das eine Gesamtersparnis bei 15 Maschinen von 75 Minuten.

Bei einem Arbeitnehmerlohn von 15 Euro brutto würde der Arbeitgeber nur durch eine Optimierung, zum Beispiel durch größere und mehrere Tankschläuche, zirka 28 Euro am Tag sparen. Bei einer Kampagnendauer von unterstellten 80 Tagen im Jahr ergäbe sich ein monetär messbares Einsparpotenzial von 2.250 Euro.

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