Melkergrube-Kabinette
Dr. Michael Hubal, LWK Niedersachsen | am

Die richtige Melktechnik finden

Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter müssen entscheiden, welches Melksystem zu ihnen passt. Unsere Tipps aus der Praxis helfen Ihnen, das richtige Melksystem für Ihren Milchviehbetrieb zu finden.

Am Anfang aller Überlegungen sollte stehen, wie viele Personen, in welcher Zeit, wie viele Kühe melken sollen. Diese drei Parameter bestimmen die nötige Leistungsfähigkeit des Melksystems. Weitere Optionen wie Erweiterbarkeit, vorhandene oder neue Gebäude und die Affinität zu einem bestimmten System führen dann zur Planung. In Gruppenmelkständen sind bei sachgemäßer Melkarbeit (Vormelken, Reinigen, Dippen) Leistungen von bis zu 70 Kühen pro Stunde und in Karussellen bis zu 100 Kühen pro Stunde möglich. In der Praxis werden diese Leistungen aber meist über alle Melkgruppen hinweg nicht erreicht.

Wo sollte sich das Melksystem befinden?

Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen und, um den Tierverkehr sinnvoll zu gestalten, sollte sich das Melksystem in einem Gebäude mit oder neben der Unterbringung von Abkalbe-, Kranken- und Frischkalbergruppe befinden. So können Sie diese Tiere mit kurzen Treibwegen zum Melken bringen. Außerdem sollten Technik- und Lagerräume vorhanden sein mit einer Außentür, über die Sie auch Europaletten zuführen können. Die Milchlagerung sollte ab zirka 15.000 Litern außerhalb des Gebäudes in einem Silotank erfolgen, um Kosten (umbauter Raum) zu sparen und Erweiterbarkeit sicherzustellen.

Gruppen und Vorwartehof

Das Melken beginnt mit dem Heranholen der Kühe. Sie sollten schon im Stall so in Gruppen eingeteilt sein, dass jede Gruppe in zirka einer Stunde gemolken werden kann. Der Vorwartehof muss dieser Gruppengröße entsprechen mit einer Fläche von 1,5 bis 1,7 m2 pro Kuh. Um Arbeitsleistung und Ablauf nicht zu stören, muss im Vorwartehof ein Treibesystem installiert sein, das die Tiere automatisch dem Melksystem zuführt. Realisieren lässt sich das über den Auslass von Kühen und Sensoren in der Treibevorrichtung. Auf Ausführungen mit Strom zum Treiben sollten Sie verzichten. Zu empfehlen sind hängende Treibegatter, die stabil sind und beim Zurückfahren über die nächste Gruppe fahren können. Außerdem ist beim letzten Zurückfahren das Kotabschieben möglich. Der Übergang vom Vorwartehof in das Melksystem sollte barrierefrei und gut beleuchtet sein.

Der Weg zum Melkplatz

Im Melkstand selbst kommt es darauf an, die Kühe möglichst einfach und schnell auf ihre Melkplätze zu bringen. Dazu müssen sie im Gruppenmelkstand je nach Füllungsgrad an einigen leeren Plätzen vorbeilaufen, möglichst ohne stehen zu bleiben. Dabei kann eine Fütterung im Melkstand helfen, was aber erhebliche Nachteile hinsichtlich Lärm- und Staubentwicklung hat. Die sinnvollste Lösung ist ein Bügeleinweissystem, das immer den nächsten freien Platz freigibt und zugleich verhindert, dass nervöse Tiere weiterdrängen. In sogenannten steilen Fischgräten lässt sich dieses System allerdings nicht anwenden. Hier bietet sich eine Front- und hintere Abgrenzung an, die jede Kuh in ihrer Position hält (Wellenbogen). In Karussellen gestaltet sich der Zutrieb anders, weil jede Kuh sofort nach Eintritt auf ihren Melkplatz gelangt und sich der Melkstandboden bewegt. Hier sind zusätzliche Sicherheitseinrichtungen nötig, um ein Quetschen der Kühe auszuschließen.

Der Ablauf des Melkens

Für das Melken sollte grundsätzlich vorher eine Routine feststehen. Die effektivste Routine berücksichtigt Hygiene, Physiologie der Milchabgabe und die Bauart des Melksystems. In Gruppenmelkständen bedient entweder jeder Melker einen Teil des Melkstands oder die Melker arbeiten absätzig. Jeder Melker führt also alle oder nur einen Teil der Arbeitsschritte aus. Dazu gehört vor dem Ansetzen des Melkzeugs das Vormelken und die Reinigung, nach der automatischen Abnahme das Dippen der Zitzen. Bei beiden Vorgängen bietet es sich an, die Melkzeuge automatisch herunterzulassen, sodass sie nicht vor dem Euter hängen und den Melker behindern. Zitzendesinfektion und Melkzeugzwischendesinfektion lassen sich automatisieren.

Lärm im Melkstand reduzieren

Ein weiteres Feld zur Drehzahlsteuerung ist das Abpumpen der Milch. Hier wird die Milch permanent statt intervallartig gepumpt wird, was den Lärmpegel reduziert und die Effizienz von Vorkühlern steigert, da das Milch-Wasser-Verhältnis zunimmt. Lärm im Melkstand lässt sich noch in verschiedenen Ausbaustufen reduzieren:

  • Die Pulsatoren können an eine zentrale Frischluftversorgung angeschlossen werden, was zudem die Standzeit erhöht.
  • Die gesamte Technik kann in einer schützenden Hülle untergebracht werden, auch Kabinett genannt.
  • Mit erhöhten Baukosten ist es möglich, die gesamte Technik in einem Keller unterhalb der Kuhstandfläche oder des Melkerflures unterzubringen. Das schützt die Technik vor Schmutz und Feuchtigkeit und die Melker vor Lärm.

Weitere Tipps zum richtigen Melkstand lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe der LAND & FORST 40/21. 

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