Grundwasser-Messstelle
Maren Diersing-Espenhorst | am

Rote Gebiete Niedersachsen: Fragen und Antworten (Teil 1)

Die Roten Gebiete laut Düngeverordnung werfen viele Fragen auf. Nachfolgend Antworten auf die wichtigsten Punkte.

Wie wurden die Gebietskulissen für Regelungen zum Schutz gegen Nitrateinträge ermittelt?

Die Düngeverordnung gibt vor, wie die Ausweisung zu erfolgen hat. Im ersten Schritt sind die Grundwasserkörper heranzuziehen, die gemäß der Grundwasserverordnung als „Grundwasserkörper im schlechten chemischen Zustand aufgrund der Nitratbelastung“ ermittelt worden sind.

Es wird also an eine Bewertung angeknüpft, die auf Grundlage des Wasserrechts gemäß den Rahmenbedingungen der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und der EG-Grundwasserrichtlinie erstellt worden ist. Auf dieser Grundlage wären etwa 60 % der Landesfläche auszuweisen gewesen.

Gemeinsam haben das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium aber entschieden, dass Niedersachsen im zweiten Schritt von der Möglichkeit Gebrauch macht, Gebiete aus der Gebietskulisse herauszunehmen, für die keine problematischen Messergebnisse vorlagen. Ziel der Entscheidung ist es, ein Übermaß durch die Landesverordnung zu verhindern. So konnte der Bereich, in dem ordnungsrechtliche Verschärfungen greifen, von 60 auf 39 % der Landesfläche reduziert werden.

Im dritten Schritt wurde diese fachlich-wasserwirtschaftliche Kulisse mit den Feldblöcken des InVeKos-Systems verschnitten.

Wie wurde die Binnendifferenzierung für die Gebietskulisse Grundwasser vorgenommen? 

Die Düngeverordnung des Bundes legt es ins Ermessen der Bundesländer, ob Bereiche von Grundwasserkörpern, in denen bestimmte Messergebnisse unterschritten wurden, aus der Gebietskulisse herausgenommen werden. Dafür gelten strenge Regeln (Binnendifferenzierung nach §13 Abs. 2 Satz 1 Nr 1. DüV). Für ein Herausnehmen müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • keine Messstelle weist mehr als 50 mg/l Nitrat auf und
  • keine Messstelle weist mehr als 37,5 mg/l Nitrat mit steigendem Trend auf.

Der Bundesverordnungsgeber hat die Ermächtigung zur Binnendifferenzierung ausdrücklich auf Gebiete, die diese Kriterien erfüllen, beschränkt.

Somit wurden alle Teilflächen, in denen keine Schwellenwertüberschreitung an einer Messstelle und kein steigender Trend an einer Messstelle oberhalb von 37,5 mg/l festgestellt wurden, aus den als nitratbelastet gemeldeten Grundwasserkörper herausgeschnitten. Im Ergebnis wurde rund ein Drittel der Fläche, die als im schlechten Zustand nach der Wasserrahmenrichtlinie gemeldet wurde, aus der Gebietskulisse Grundwasser wieder herausgenommen.

Warum ist die Ausweisung der nährstoffgefährdeten Gebiete notwendig? 

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur nicht ausreichenden Umsetzung der EG-Nitratrichtlinie in Deutschland steht der Bund in engen Verhandlungen mit der EU-Kommission. Die EU-Kommission hat dabei immer wieder klargestellt, dass die Ausweisung der belasteten Gebiete und die dortige Umsetzung von zusätzlichen Maßnahmen wichtige Bausteine für die Erfüllung der deutschen Rechtspflichten darstellen.

Daher hat die EU-Kommission detaillierte Informationen über die geplanten und bereits in Kraft getretenen Landesverordnungen und den darin vorgenommenen Gebietsausweisungen eingeholt, um anhand dieser das übermittelte Maßnahmenpaket zu prüfen.

Das Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wird nach jetzigem Stand so lange Bestand haben, bis sich Verbesserungen an der Gewässerqualität nachweisen lassen. Die Landesregierung muss sicherstellen, dass Niedersachsen vor dem Hintergrund des laufenden Vertragsverletzungsverfahrens wegen Verletzung der EG-Nitratrichtlinie keine Schäden entstehen.

Welche Grundwasser-Messstellen wurden herangezogen?

Zum Bewerten der Grundwasserkörper wurde das Überwachungsmessnetz nach EG-Wasserrahmenrichtlinie verwendet:

  • Es gibt etwa 1.100 Messstellen im WWRL-Messnetz für die WRRL-Zustandsbewertung des Grundwassers.
  • Sie wurden für das Aufstellen des Monitoringprogramms 2006 durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit Unterstützung des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie ausgewählt.
  • So werden die 123 Grundwasserkörper bezüglich sämtlicher zu überprüfender Parameter (Pflanzenschutzmittel, Cadmium etc.) bewertet.

Ein Grundwasserkörper ist unter anderem dann in einem schlechten Zustand, wenn die Grundwasserbeschaffenheit zu einer Beeinträchtigung der Oberflächengewässer oder der Landökosysteme führt. Diese beiden Rezeptoren werden aus dem oberen Bereich des Grundwassers gespeist, deshalb wurden Messstellen überwiegend im obersten Grundwasserleiter ausgewählt.

Der Auswahl ging eine intensive Diskussion gemeinsam mit verschiedenen Akteuren (Kommunale Vertreter, Vertreter der Landwirtschaft, der Wasserversorgungsunternehmen etc.) voraus.

Für die Auswahl der Messstellen für das WWRL-Messnetz sind die technische Eignung und die Repräsentativität der Messstellen wichtig. Die technische Eignung bezieht sich unter anderem

  • auf einen fachgerechten Ausbau und
  • eine ausreichende Dokumentation sowie
  • einen voll funktionsfähigen Zustand der Messstellen.

Die Beurteilung der Repräsentativität erfolgt unter anderem auf Grundlage

  • der Landnutzung,
  • der Tiefenverteilung im Grundwasserkörper,
  • der Flächenaufteilung der Teilräume oder Typflächen sowie
  • einem Plausibilitätscheck der Gütedaten untereinander und zum Gebiet.

Für die Bewertung nach Grundwasserverordnung mussten zum Teil auch Ergebnisse von weiteren Messstellen (beispielsweise von Wasserversorgern) herangezogen werden, die unter Berücksichtigung der vorgenannten technischen Kriterien ausgewählt wurden. Wo dies der Fall war, wurden diese weiteren Messstellen auch im Rahmen der Binnendifferenzierung berücksichtigt.

Die Analytik von Nitrat gemäß §13 Abs. 2 Satz 3 DüV ist ein validiertes und selektives Verfahren. Die für die Abgrenzung zugrunde gelegten Messwerte wurden in jedem Bewertungszyklus auf Plausibilität überprüft. Im NLWKN wird Nitrat mittels Ionenchromatographie bestimmt. Diese Methode ist (wie alle verwendeten Methoden) durch interne und externe Qualitätssicherungsmaßnahmen abgesichert.

Das Labor des NLWKN ist nach der Kompetenznorm für Prüflaboratorien akkreditiert und unterzieht sich regelmäßig der Begutachtung externer Fachleute der Deutschen Akkreditierungsstelle. Bedeutsame Auffälligkeiten bei der Probenahme oder Nitrat-Analytik wurden bisher nicht festgestellt.

Weitere Fragen und Antworten gibt es in der LAND & Forst 45/19.

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