Schild auf dem "Milchverkauf" steht
Anne-Maria Revermann | am

So beeinflusst das Coronavirus die Agrarmärkte

Auch in der Krise läuft der Nahrungsmittelmarkt weiter. Doch auch für Bauern ist einiges anders geworden. Und die Erzeugerpreise?

Die Marktsituation sei außergewöhnlich - so äußerte sich der Generalsekretär des Bauernverbands, Bernhard Krüsken. Für Landwirte bedeutet das: Sie müssen sich sich auf Unsicherheiten einstellen, solange die allgemeine Konjunktur schwächele.

Und das, obwohl die Nachfrage nach Lebensmitteln nicht grundsätzlich eingebrochen ist. Nun sind auch die großen Handelsketten gefragt. Sie stehen mit ihrer Einkaufsmacht in der Mitverantwortung, eine Wertevernichtung wie in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 zu vermeiden.

Die Corona-Krise beeinflusst die Agrarmärkte, wie ein neuer Bericht des Bauernverbands (Stand: Ende April) zeigt. Hier der Überblick.

Milch

  • In den Supermärkten verbuchen vor allem Trinkmilch, Quark und Käse Umsatzrekorde. "Bevorratungskäufe" mit Milchprodukten flauen aber nun ab.
  • Absatz zur Gastronomie gibt es weiterhin nicht. Auch deshalb sinken die Preise vor allem für Butter und einige Käsesorten.
  • Im Einzelhandel gibt es nach ersten Verhandlungen aber Signale für ein Preisplus für Trinkmilch fürs nächste halbe Jahr.
  • Der Erzeugerpreis für die Bauern liegt mit etwa 33 Cent je Kilogramm Milch auf dem Niveau des mehrjährigen Mittels.
  • Stärker gefragt ist Bio-Milch.

Schweinefleisch

Bei Schlachtschweinen treten negative Folgen der Krise immer stärker zu Tage, wie es im Bericht heißt.

  • Den Wegfall eines Großteils der Gastronomie kann der Einzelhandel nicht voll ausgleichen.
  • Die beginnende Grillsaison bringt noch keine kräftigen Impulse.
  • Auch der Export läuft bei weitem nicht so stark wie erhofft. China hat zwar weiterhin großen Bedarf an Schweinefleisch, setzt Exporteure aber unter Preisdruck - und da bereite deutschen Vermarktern vor allem extrem günstige Ware aus den USA Probleme.

Geflügelfleisch

  • Große und wichtige Bestellmengen aus Gaststätten und Kantinen fehlen, was für weite Teile des Marktes die Preise drückt.
  • "Übermengen" mussten eingefroren werden, da die laufende Produktion nicht ganz verkauft werden konnte. Das macht wiederum Kühlkapazitäten knapp.
  • Ein Beispiel sind Hähnchenschenkel, die in der Dönerproduktion verwendet werden. Doch die sei weitgehend zum Ruhen gekommen.

Getreide

  • Stichwort "Hamsterkäufe": Leergeräumte Nudelregale viele noch vor Augen. Doch die daraus resultierende hohe Weizennachfrage hat sich deutlich abgeschwächt.
  • Bange Blicke der Ackerbauern in vielen Regionen. Ergiebiger Landregen im Mai bei gemäßigten Temperaturen sei unbedingt nötig, damit sich das Wintergetreide, Mais und Zuckerrüben noch gut entwickeln können, heißt es im Bericht.
  • Gerade erst gesäter Mais keime in staubtrockenen Böden teils nicht.
  • Wettersorgen gibt es auch beim Anbau von Gras als Futter für Milchvieh.

Obst und Gemüse

  • Bei Obst- und Gemüsebauern gibt es laut Experten einige Unruhen im Marktgeschehen. Die Verbrauchernachfrage ist schwerer kalkulierbar.
  • Gemüse wird aus Italien, Spanien und zunehmend den Niederlanden importiert.
  • Heimische Äpfel sind gefragt, die Marktversorgung reicht wohl bis zur Ernte August/September.
  • Bei wichtigen Saisonkräften fürs Ernten und Pflanzen habe sich die Lage entspannt.

Kartoffeln

  • Das Geschäft mit Pommes frites ist abgestürzt - der Wegfall des Außerhaus-Verzehrs bringt den Absatz in ganz Europa praktisch zum Erliegen.
  • Verarbeiter planen oder stoppen die Produktion.
  • Marktexperten schätzten einen Überhang an Fritten-Kartoffeln von zwei Millionen Tonnen in Nordwesteuropa - zum Vergleich: die ganze Kartoffelernte Deutschlands beträgt 10 Millionen Tonnen.
  • Bei Speisekartoffeln sei eine Kaufwelle im Handel abgeebbt.

Übersicht: Verbraucherpreise

  • Die Nahrungsmittelpreise steigen schon seit einigen Monaten stärker als die allgemeine Inflationsrate - im April um vorläufig 4,8 % im Vergleich zum Vorjahresmonat.
  • Dabei gab es bei Gemüse einen Sprung um 26 %, bei Obst um 14 %.
  • Hintergrund bei Obst seien überwiegend kleinere Erntemengen.
  • Vor allem bei Gemüse aus Südeuropa zeigen sich aber Corona-Folgen: fehlende Erntehelfer und Logistik-Hindernisse.
  • Dagegen sind Kartoffeln demnach nun viel günstiger.
  • Die Preise für Schweinefleisch hält die Afrikanische Schweinepest in China hoch.
Mit Material von dpa

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