Biogasanlage

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Josef Koch | am

Trotz schlechter Stimmung investieren Landwirte in diesem Bereich

Laut DBV-Konjunkturbarometer ist die Stimmung schlecht. Dennoch wollen Landwirte mehr investieren, vor allem in Erneuerbare Energien. Stallbauten sind kaum noch gefragt.

Die Stimmungslage unter den deutschen Landwirten hat sich im Herbst 2022 deutlich verschlechtert. Das zeigen die Ergebnisse des DBV-Konjunkturbarometers Agrar für den September. Der Indexwert geht im September auf 8,4 zurück und liegt damit deutlich unter dem Wert der vorangegangenen Erhebung vom Juni mit 11,1. Der Indexwert bildet die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung ab.

Rukwied mit großer Sorge

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, macht sich mit Blick auf die deutlich verschlechterte Einschätzung große Sorgen: „Diese Zahlen sind deshalb alarmierend, weil kaum noch in die Tierhaltung investiert wird.“ Er warnt davor, dramatisch Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu verlieren. Er fordert dringend Planungssicherheit und eine verlässliche Perspektive für den Umbau der Tierhaltung. Doch die lässt trotz des jüngsten Regierungskompromisses bei der Finanzierung weiter auf sich warten.

Großes Investitions-Plus bei Erneuerbaren Energien

Trotz der verschlechterten wirtschaftlichen Stimmungslage steigt die Investitionsbereitschaft der deutschen Landwirte an. Bis zum kommenden Frühjahr wollen sie rund 5,7 Mrd. € investieren, das sind knapp 8% mehr als vor einem Jahr. Grund für das Plus sind vor allem stark gestiegene Investitionsabsichten in Erneuerbare Energien. So beträgt das Plus 1,4 Mrd. €. Hier wird vor allem in Photovoltaikanlagen, darunter auch in Freiflächen- und Agri-PV-Anlagen investiert. Der Anteil der Landwirte, der im nächsten halben Jahr investieren will, liegt bei 34 Prozent gegenüber 30 Prozent zum Vorjahr.

Biogasanlage_Symbolbild

40 % weniger Investitionen in Gebäude

Dem gegenüber steht ein stark verminderter Kapitaleinsatz bei Wirtschaftsgebäuden. Das geplante Investitionsvolumen in Ställe ist auf einen bislang kaum gekannten Tiefstand gefallen. Mit nur 1,5 Mrd. € werden 1 Mrd. € oder 40% weniger gegenüber dem ohnehin bereits vergleichsweise niedrigen Vorjahresstand in Wirtschaftsbauten einschließlich Hof- und Stalltechnik investiert. Die offensichtlich verstärkte Investitionszurückhaltung bei Wirtschaftsgebäuden kommt laut DBV auch darin zum Ausdruck, dass es sich bei den geplanten Stallbauinvestitionen zu mehr als zwei Drittel um Erhaltungsinvestitionen handelt.

Zukunft schlechter beurteilt

Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe mit 2,99 deutlich günstiger beurteilt als die zukünftigen Aussichten mit einem Wert von 3,40. Die aktuelle wirtschaftliche Lage hat sich gegenüber Juni in den Veredlungsbetrieben deutlich verbessert. In den Ackerbaubetrieben hat sich die Einschätzung gegenüber Sommer kaum verändert. Unter den Betriebsformen am besten wird die aktuelle wirtschaftliche Situation von den Futterbaubetrieben beurteilt. Im Ausblick auf die nächsten zwei bis drei Jahre blicken Veredlungsbetriebe wieder deutlich zuversichtlicher in die Zukunft. In Futter- und Ackerbaubetrieben dagegen hat die Skepsis gegenüber Juni zugenommen.

Im Jahresvergleich werden die Erzeugerpreise für Milch, Rinder und Schweine deutlich besser bewertet. Erheblich schlechter dagegen fallen die Einschätzungen zu den Düngemittel- und Energiepreisen, zu den Fremdkapitalzinsen sowie zu den politischen Rahmenbedingungen aus.

Ukrainekrieg macht Landwirte vorsichtiger

Der Ukraine-Krieg hinterlässt seine Spuren auch in der Landwirtschaft. Rund zwei Drittel der Landwirte (65 %) befürchten, dass öffentliche Mittel zugunsten der Landwirtschaft knapper werden. Im Juni waren es noch 12 Prozentpunkte weniger. Auf 39 % (minus 10 Prozentpunkte) gesunken ist auch der Anteil derer, die glauben, dass der gesellschaftliche Stellenwert der Landwirtschaft als Folge des Ukraine-Krieges zunimmt. So wollen ein gutes Drittel (38 %) der Befragten wegen den aktuellen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine geplante Investitionen auf unbestimmte Zeit verschieben. Im Sommer war es noch jeder Vierte. Gleichzeitig sehen 16 % der Landwirte neue Marktchancen, verbunden mit Änderungen in der Anbauplanung.

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