Überlastung in der Landwirtschaft
Anne-Maria Revermann | am

Überlastung: Wenn Landwirte am Limit sind

Gerade in der Landwirtschaft gibt es Situationen, die dazu führen können, dass Bauern an ihre seelischen und körperlichen Grenzen stoßen.

Das Image der Landwirtschaft und das Verständnis in der Bevölkerung ist derzeit vielleicht so schlecht wie noch nie. Massentierhaltung, Insektensterben, Überdüngung, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – all das sind die Themen, die immer wieder für Schlagzeilen sorgen und die Landwirte in ein schlechtes Licht rücken. Doch nicht nur das. Sie treffen Landwirte und ihre Familien persönlich und zwar oft in voller Härte.
Der Druck, den manche Landwirte heute verspüren, wächst so stark, dass Körper und Seele erkranken. Sie fühlen sich missverstanden, werden auch für Dinge verantwortlich gemacht, für die sie nichts können.
Kommen noch andere Faktoren hinzu, mündet das in eine schiere Verzweiflung und löst ein „Ich kann einfach nicht mehr“ aus. Doch es gibt Wege, sich aus dieser belastenden Situation zu befreien.

 

Hohe Stressbelastung in der Landwirtschaft

Überlastungssituationen in der Landwirtschaft nehmen zu. Und dass, obwohl man es hier eher weniger erwarten würde: Die Arbeit in der Landwirtschaft ist doch so abwechslungsreich und man ist viel an der frischen Luft, vermuten viele. „Das stimmt“ sagt Stefan Adelsberger, der für die seelische Gesundheit von Landwirten bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) verantwortlich ist. „Wer Freude an der Arbeit hat, dem macht Stress nicht so viel aus“, sagt er, betont  aber auch, dass sich die Branche ganz erheblich von anderen unterscheidet.

Denn in der Landwirtschaft ist die Arbeitsbelastung eine andere. Es gibt eben keine geregelten Arbeitszeiten. Landwirte sind sieben Tage in der Woche verantwortlich für ihren Betrieb und die Tiere. Lebens- und Arbeitsstätte befinden sich häufig an einem Ort. Eine Abgrenzung von Arbeits- und Privatleben ist manchmal nicht möglich. Ebenso wie eine klare Trennung von Beruf und Familie.
Das kann zu Konflikten mit dem Partner, aber auch zwischen den Generationen führen. Laut Erhebungen des SVLFG sind Generationenkonflikte der am häufigsten genannte Grund für negativen Stress bei Landwirten.

Plagende Ungewissheit

Landwirte sind außerdem abhängig von bestimmten Faktoren, die sie nicht beeinflussen können (Wetter) und stehen vor Aufgaben, die unvorhersehbar sind (Geburten, technische Anlagen melden Störungsmeldungen über das Smartphone). Sie stehen unter Dauerbeschallung.

Damit einher geht auch die geringe Planungssicherheit für sich und den Betrieb – unter anderem bedingt durch schwankende Marktpreise, den Folgen des Klimawandels, wie Dürren und Ernteausfällen, und rechtlichen Unsicherheiten. Ein Beispiel hierfür sind die geforderten Tierwohlstandards. Diese lassen sich in vielen Bereichen mit finanziellem und arbeitswirtschaftlichem Aufwand zwar umsetzen, bislang gibt es aber kaum entsprechende Märkte an denen höhere Preise erzielt werden können.

Tierquäler und Umweltsünder

Ein wichtiger und besonderer Punkt kommt in der Landwirtschaft hinzu: Auf Höfen werden Familienmitglieder überproportional häufig zu Hause gepflegt im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen. Das Leben mit mehreren Generationen auf einem Betrieb bedingt, dass Landwirte ihre Angehörigen nicht in ein Pflegeheim geben wollen. Auch ist die Betriebsübergabe häufig an die Pflegefrage gekoppelt. Neben der eigentlichen Arbeit auf dem Hof ist die Pflege von Familienmitgliedern somit eine zusätzliche, oft enorme körperliche und seelische Belastung.

Als letzter Punkt spielt natürlich auch das gesellschaftliche Ansehen von Bauern eine große Rolle. Die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland sinkt durch den strukturellen Wandel. Ein Austausch unter Berufskollegen ist immer weniger möglich. Gleichzeitig verliert die Bevölkerung den Bezug und das Verständnis für notwendige Arbeiten in der Landwirtschaft wie Düngen, Ernten oder das Einsetzen von Pflanzenschutzmitteln.

Landwirte fühlen sich als „Buh-Mann“ für Klimaveränderung, Grundwasserverschmutzung und den Rückgang der Artenvielfalt, beschreibt auch Iris Flentje von der Sozioökonomischen Beratung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Das ist kränkend und demotivierend – und leider ist das Gefühl von Landwirten immer und immer wieder kritisiert zu werden, nicht unbegründet. In der Öffentlichkeit und in den Medien werden sie häufig per se an den Pranger gestellt. Die Aussage eines jungen Landwirts bei der Übergabe seines Prüfungszeugnisses bringt das so auf den Punkt: „Man hätte mir zu Beginn meiner Ausbildung sagen sollen, dass ich als Landwirt in der Gesellschaft als Umweltsünder und Tierquäler gelte.“

 

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